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Feuchtigkeit bedroht Chorgestühl

Bad Doberan Feuchtigkeit bedroht Chorgestühl

Die Sitzgruppe im Doberaner Münster ist vom Hausschwamm befallen / Weitere Restaurierungsarbeiten starten

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Marie-Louise (l.) und Dagmar Mußhoff haben im Chorgestühl Platz genommen. Dieses wird restauriert.

Quelle: Fotos: Anja Levien

Bad Doberan. Seit 15 Jahren in Folge wird das Doberaner Münster restauriert – ohne einen Tag geschlossen zu haben. Gerüste am westlichen Mauerwerk, ein Loch im Boden beim Grabmal des Grafen Samuel von Behr oder hochwertige Technik, mit der das Münster vermessen wird, zeugten in diesem und vergangenem Jahr davon. Auch in den nächsten Monaten werden die Restauratoren wieder im Münster anzutreffen sein. Denn nach wie vor hat das Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert mit der Feuchtigkeit zu kämpfen – das Chorgestühl ist vom Echten Hausschwamm befallen. Im Sakramentsturm rosten die Nägel und die Farbe blättert ab. Am nördlichen Mauerwerk müssen defekte Steine ausgetauscht werden. 250000 Euro kosten die Sanierungsarbeiten. 125 000 bekommt das Münster aus dem Förderprogramm des Bundes für Nationalbedeutende Denkmale in Ostdeutschland.

OZ-Bild

Die Sitzgruppe im Doberaner Münster ist vom Hausschwamm befallen / Weitere Restaurierungsarbeiten starten

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Das Gestühl ist circa 700 Jahre alt, da wurde schon mal was dran gemacht, aber in den letzten Jahrzehnten nicht.“Martin Heider, Kustos Doberaner Münster

Marie-Louise Mußhoff war länger nicht im Doberaner Münster. „Es hat sich viel, ganz toll geändert, ist gar nicht wiederzuerkennen“, sagt die Stralsunderin erfreut. Tochter Dagmar Mußhoff ist zum ersten Mal im Münster. Ihr gefällt, dass das Bauwerk noch im Grünen liegt, und so seine ganze Schönheit zu sehen ist. Beide sitzen auf dem Chorgestühl und schauen sich das Münster an.

Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, dass die Sitzgelegenheit vom Echten Hausschwamm (ein Pilz) befallen ist. „Das Gestühl ist circa 700 Jahre alt, da wurde schon mal was dran gemacht, aber in den letzten Jahrzehnten nicht“, erklärt Kustos Martin Heider und zeigt auf die Rückwand, wo die Schutzleiste weggenommen wurde und man unter das Bauwerk sehen kann. Das Problem: Das Eichenholz setzt auf den feuchten Boden auf, es gibt kaum eine Belüftung, die Feuchtigkeit zieht sich im Holz hoch. Man habe damals versucht, mit Steinen und Kunststoff, auf die das Gestühl gestellt wurde, das Aufsteigen der Feuchtigkeit zu verhindern, aber es habe nicht ausreichend gewirkt, erläutert der Kustos. „Wir schaffen jetzt eine bessere Querbelüftung.“ Das vom Hausschwamm befallene Holz könne vorsichtig zurückgearbeitet werden. „Dann gibt es Mittel, die gegen eine weitere Ausbreitung helfen“, sagt Martin Heider. Im Doberaner Münster sind noch alle drei Gestühlsgattungen vorhanden, die in einer Zisterzienserkirche vorkamen – Laien-, Chor- und Levitengestühl. „Das ist einzigartig“, sagt Martin Heider. „Wir haben die reichste mittelalterliche Ausstattung aller Zisterzienserkirchen europaweit“, macht der Kustos deutlich. Er freue sich, dass mit den Fördermitteln, Spenden und privaten Engagements geholfen werden, diese einzigartige Ausstattung zu erhalten und zu bewahren.

Zu der Ausstattung gehört auch der Sakramentsturm, das „älteste Beispiel der freistehenden Sakramentstürme Deutschlands“. Er entstand 1360/1370 und ist aus Eichenholz geschnitzt. „1849 ist er zum letzten Mal restauriert worden. Seitdem haben die Schäden zugenommen, die Vergoldung hat sich gelöst.“ Zudem seien bei der letzten Restaurierung etwa an die 100 Nägel verwendet worden, die jetzt rosten. Daher wird der Turm, in dem früher die Hostien, die Oblaten, für das Abendmahl aufbewahrt wurden, teilrestauriert, sodass das Münster geöffnet bleiben kann.

Auch die Arbeiten am Mauerwerk des Münsters werden fortgesetzt. Nach Abschluss der Sanierung des Westgiebels folgt nun die Westwand des nördlichen Seitenschiffes und die Nordfassade. „Defekte Steine werden ausgetauscht, Fugen erneuert, der Kleeblattbogenfries überarbeitet“, zählt Martin Heider auf. Es werde nur das gemacht, was für den Bauerhalt notwendig sei. „Ab 500 Meter Höhe haben wir zum Teil noch mittelalterliche Fugen, da sind die Schäden gering, weil die Feuchtigkeit noch nicht so hoch gezogen ist.“

In den nächsten Wochen sollen die Restaurationsarbeiten losgehen. An einem Fenster wird dann auch die „Backsteinrippe“ ausgetauscht – bei dieser liegt Backstein auf Backstein, sie ist als Säule zwischen den einzelnen Fensterscheiben zu erkennen. Mitte Dezember sollen die Arbeiten beendet sein.

Münster im Fernsehen

Mitte Juni standen die Jungen und Mädchen, die Kinder durch das Doberaner Münster führen, bei Dreharbeiten im Gotteshaus im Mittelpunkt. Der WDR drehte hier für die Reisesendung „Wunderschön!“. Was aus dem Filmmaterial geworden ist, können Interessierte sich an diesem Sonntag, 31. Juli, um 20.15 Uhr anschauen.

Für die Sendung hat sich Moderatorin Andrea Gießmann auf den Ostseeradweg von Travemünde bis Warnemünde begeben. Fünf Tage haben sie für die 200 Kilometer eingeplant. Auf der Seebrücke in Boltenhagen erleben Andrea Gießmann und ihre Freundin Elke Vieth den Sonnenuntergang, in Kühlungsborn genießen sie ein Wellnessprogramm und in Heiligendamm spüren sie einen Hauch von Luxus.

Beim Halt in Bad Doberan schaut sich die Moderatorin die Arbeit der Kinderführer an. Die geführten Rundgänge für Kinder im Gotteshaus gibt es seit 2010. Die Idee dazu hatten Konstanze Heider und Anne Jax. Ein Jahr lang werden die Kinder einmal die Woche geschult. Über Arbeitsblätter erarbeiten sie sich das Wissen über die insgesamt 14 Stationen, lernen, wie man die Gruppe begrüßt. Die Kinderführungen finden jeden Sonnabend um 11 Uhr statt.al Das Münster im Fernsehen, 31. Juli, 20.15 Uhr, WDR

Anja Levien

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