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Freundeskreis Ehm Welk kämpft um Zukunft des Hauses

Bad Doberan Freundeskreis Ehm Welk kämpft um Zukunft des Hauses

Für den Verein ist jetzige Arbeit keine Dauerlösung / Das Gebäude an der Dammchaussee ist in einem baulich schlechten Zustand / Stadt will Gespräch mit Verein suchen

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Für die Zukunft muss es ein tragfähiges Konzept geben und eine Grundsatzentscheidung.“Thorsten Semrau, Bürgermeister

Bad Doberan. Zwei Tage in der Woche ist das Ehm-Welk-Haus für Besucher für insgesamt vier Stunden geöffnet. Zu wenig, sagen die Mitglieder des Freundeskreises Ehm Welk, die fast alle Veranstaltungen in dem Haus organisieren und das Leben und Werk des Doberaner Schriftstellers für die Nachwelt lebendig halten. Sie wünschen sich von der Stadt mehr Unterstützung.

„Unsere Arbeit lässt sich so auf Dauer nicht durchführen“, sagt Ulla Golombek, Vorsitzende des Freundeskreises. „Das zerrt an unseren Kräften.“ Doch nicht nur bei den Events ist Hilfe nötig, auch das Haus sei in einem schlechten baulichen Zustand.

Das Interesse an Ehm Welk sei nach wie vor da, sagt Heide Greßmann, die die Gäste dienstags und donnerstags im Haus begrüßt. „Sie kommen aus ganz Deutschland und unterhalten sich gerne über vergangene Literatur.“ 1489 Besucher zählte das Ehm-Welk-Haus im vergangenen Jahr. Spezielle Themen wie 2015 „Frauen in der Kunst“ sorgten für ausverkaufte Veranstaltungen, erzählt Greßmann. Genau das sei Anliegen des Schriftstellers gewesen, als er das Haus der Stadt vermachte: Hier sollte ein lebendiger Diskurs über gesellschaftliche Themen, über Literatur aufrecht erhalten werden.

Aber: „Wir brauchen dringend Unterstützung und Förderung von der Stadt“, sagt Hella Schmidt, Mitglied im Vorstand des Freundeskreises. Zwar gebe es eine Nutzungsvereinbarung und einen Dienstleistungsvertrag zwischen Stadt und Freundeskreis, doch die jetzige Förderung sei auf minimaler Ebene. Vorstandsmitglied Monika Schneider bringt es auf den Punkt: „Man kann sagen, wir fördern die Stadt.“ Je mehr sich diese herausgezogen habe, umso mehr habe sich der Freundeskreis engagiert, um Ehm Welk im öffentlichen Bewusstsein zu halten. Gab es bis 2014 noch eine Personalstelle für das Ehm Welk Haus, finanziere die Stadt nun Mitarbeiterin Heidi Greßmann, die das Haus für die Besucher öffnet. Lediglich drei Veranstaltungen im Jahr werden aus Mitteln des städtischen Etats gestemmt.

Alles andere komme vom Verein, der 14 Mitglieder zählt.

„Das Problem ist, dass die Stadt wenig Interesse hat, das Haus als Literaturhaus zu erhalten,“ sagt Hans-Werner Peine, ebenfalls im Vorstand. „Wir spüren die Anerkennung des Hauses nicht. Es wird vermittelt, das wir ein Klotz am Bein sind“, sagt Ulla Golombek. Dabei bestehe die Stadt nicht nur aus Münster und Klassizismus, sondern auch aus Ehm Welks Werk und seinem Haus. Ulla Golombek: „Nur wenige sind Ehrenbürger der Stadt — und der wird hier nicht geschätzt.“

Auch für Silvana Rieck, Leiterin des Ehm-Welk-Hauses, ist die derzeitige Situation keine Dauerlösung. „Eine grundsätzliche Entscheidung muss von Stadt und Stadtvertretern getroffen werden“, sagt sie.

Die Stadt bekenne sich zum Ehm-Welk-Haus als tragende Kultureinrichtung, teilt Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos) mit. „Entsprechend dem Projektaufruf Leader Förderperiode 2014-2020 wurde das Vorhaben Sanierung und Umgestaltung (Neuausstattung) zu einer tragenden Kultureinrichtung beim Landkreis angemeldet“, sagt Thorsten Semrau. Für die Zukunft müsse es aber ein tragfähiges Konzept geben und eine Grundsatzentscheidung dazu. Die Verwaltung wolle sich kurzfristig mit dem Freundeskreis Ehm Welk zusammensetzen, um weitere Schritte zu besprechen.

„Der Ansatz, wie er jetzt verfolgt wird, hat keine Zukunft“, sagt Stadtvertreter Guido Lex (UDI). Das Arbeitszimmer Ehm Welks, wie es jetzt gezeigt wird, entspreche nicht mehr der heutigen Zeit. „Das Ehm-Welk-Haus steht uns gut zu Gesicht“, sagt Birgit Mersjann (SPD). „Wir sollten daran denken, das Haus zu halten. Ich bin dafür, mit allen gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.“

Die hat Jochen Arenz (parteilos) für die Sanierung des Hauses vielleicht schon. Seine Idee: Das Haus an das kommunale Unternehmen Wig zu übertragen und es von ihm renovieren zu lassen. „Dies macht aber nur dann Sinn, wenn ein tragfähiges Nutzungskonzept entwickelt wird“, sagt Arenz. Und das müsse dringend her. So könne es nicht weitergehen: „Jetzt ist es zum Leben zu viel und zum Sterben zu wenig.“

Inge Jastram stellt aus

2 Veranstaltungen im Monat finden im Schnitt im Haus an der Dammchaussee statt. Im zweiten Halbjahr wird Inge Jastram ihre Illustrationen zu Klaus Mann und Wolfgang Borchert ausstellen, kündigt Hella Schmidt an. „Sie wird von ihrer Bekanntschaft mit Ehm Welk erzählen.“

15 000 Euro trägt die Stadt für die Bewirtschaftungskosten des Hauses. In diesem verbrachte Ehm Welk seine letzten Lebensjahre von 1950 bis 1966. Er war nicht nur Autor (Die Heiden von Kummerow), sondern auch Begründer der Volkshochschulen im Land.

Sanierungsstau am und im Haus

Sanierungsstau im und am Ehm-Welk-Haus: Nach 20 Jahren müsse innen von Heizung über Sanitäranlagen bis hin zur Elektrik alles neu gemacht werden, sagt Norbert Sass, Leiter des Stadtplanungsamtes. Die Wärmedämmung am Dach ist nicht mehr in Ordnung, es seien noch Fenster auszutauschen. Im Keller und an der Treppe zum Garten ist das Mauerwerk feucht.

Doch die Sanierung ist im Doppelhaushalt der Stadt bisher noch nicht vorgesehen. Sollte es eine lange und tragfähige Nutzung für das Haus geben, könnten Fördermittel über Leader zur Sanierung des Hauses beantragt werden, sagt Norbert Sass.

Das Ehm-Welk-Haus zählt entsprechend dem Regionalen Raumentwicklungsprogramm aus dem Jahre 1994 als Literaturmuseum zu den Museen mit überregionaler Bedeutung. Diese sind im Bestand zu sichern und weiter auszubauen, erläutert Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos). Die Einrichtung werde wissenschaftlich und touristisch genutzt und ist Veranstaltungsort. al



Anja Levien

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