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Keramik, Beile, Rennöfen: Auf Spurensuche im Wohngebiet

Bad Doberan Keramik, Beile, Rennöfen: Auf Spurensuche im Wohngebiet

Bevor Straßen gebaut und Leitungen im Kammerhof verlegt werden, finden archäologische Bodenvoruntersuchungen statt / Nach zehn Tagen gibt es schon 250 Befunde

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Grabungszeichner André Buick fertigt Skizzen vom Profilschnitt an. Noch bis Ende der Woche finden Voruntersuchungen statt.

Quelle: Fotos: Anja Levien

Bad Doberan. Der Acker neben der Randstraße hinter dem Wohngebiet Kammerhof ist zur Hügellandschaft geworden. Bei genauem Hinsehen sind einzelne Furchen zu erkennen und Menschen, die am Boden graben und kratzen. Die Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur- und Denkmalpflege ermitteln, welche Bodendenkmale vorhanden und wie gut diese erhalten sind. Denn ab Mai sollen hier Straßen gebaut und Leitungen verlegt werden, damit ab September die ersten Hausbauer im neuen Doberaner Wohngebiet zwischen Dammchaussee, Randstraße und Kammerhof starten können.

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Bevor Straßen gebaut und Leitungen im Kammerhof verlegt werden, finden archäologische Bodenvoruntersuchungen statt / Nach zehn Tagen gibt es schon 250 Befunde

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18 sogenannte Suchschnitte — zwei Meter breit und bis zu 70 Zentimeter tief — durchziehen die ersten Baufelder sowie den Bereich für den Schutzwall. Daneben die aufgehäufte Muttererde. Grabungsleiter Dominik Forler geht die Suchschnitte ab, in denen in unterschiedlichen Abständen Markierungen sind. Sie kennzeichnen einen Befund, eine Erdverfärbung, die einen archäologischen Ursprung hat, also vom Menschen gemacht wurde. 250 von diesen haben die fünf Mitarbeiter des Landesamtes in den ersten zehn Tagen gefunden. „Jeder Befund wird dokumentiert“, sagt Forler. Diese geben Hinweise auf Siedlungen beispielsweise aus der Jungsteinzeit (etwa 4. Jtsd v. Chr.) oder Eisenzeit (etwa 400 Jahre v. Chr.). Anhand der Verfärbungen im Boden können die Archäologen erkennen, wo eine Feuerstelle, eine Vorratsgrube oder ein Haus war.

„In diesem Gebiet gibt es langjährig bekannte Belege, dass hier mit viel Archäologie zu rechnen ist“, so Forler. Bereits 1993/1994 seien im umliegenden Bereich Ausgraben durchgeführt worden. Zudem habe es viele Lesefunde (Funde ohne eine Grabung) gegeben — Anzeichen, dass im neuen Wohngebiet mit Fundstellen zu rechnen ist.

Dominik Forler bleibt vor einem dunklen Fleck im Boden stehen — ein Befund. „Hier war etwas Größeres, vielleicht ein Grubenhaus“, erläutert er. Diese Häuser waren in den Boden eingegraben. Andere waren auf Pfosten gegründet. Darauf weisen kleinere dunklere Flecken im Erdreich hin. Diese entstehen, wenn sich das Holz im Boden zersetzt. An einigen Befunden nehmen die Grabungsarbeiter einen Profilschnitt vor. Heißt, sie graben tiefer. So auch Guido Mewis.

„Hier sieht man richtig, wo die Grube anfängt. Man sieht den fast waagerechten Grubenboden“, erläutert Dominik Forler und vermutet, dass es sich hierbei um eine Vorratsgrube handelt. „Das waren keine einfachen Erdlöcher, sie waren teilweise mit Korbgeflecht umrandet und hatten einen Holzboden“, sagt Forler. Aus dem Profil ragen augenscheinlich Steine heraus. Doch das geschulte Auge sieht mehr.

„Das ist ein Gefäßrand“, sagt Dominik Forler und holt seinen Fotoapparat.

Guido Mewis greift zu einer Plastiktüte und zeigt seine bisherigen Funde. Mit dabei ein Stein, auf dem Getreide gemahlen wurde, was an der sehr glatten Oberfläche zu erkennen ist. Dominik Forler greift eine Keramikscherbe. Kein Stein? Nein. Zu erkennen an einer Bruchstelle und einer Fingerknubbe, also einer Griffstelle. „Das ist hier ein Kennzeichen für die Bronzezeit“, sagt der Grabungsleiter. Nicht der einzige Fund in den vergangenen Tagen. Bereits eingetütet ist ein Steinbeil aus Feuerstein (kleines Bild) aus der Jungsteinzeit. „Die Herstellung so eines Beils setzt schon hohe handwerkliche Fähigkeiten voraus“, sagt Dominik Forler. Denn damals gab es noch kein Metallwerkzeug. Durch eine bestimmte Schlagtechnik werde aus dem Stein ein Beil. „Wir haben auch Reste von Rennöfen gefunden“, sagt der Grabungsleiter. Die kleinen Ofenanlagen seien zur Verhüttung von Eisen verwendet worden. Damit nichts verloren geht, wird jeder Fund und Befund dokumentiert.

André Buick sitzt mit Zollstock, Bleistift und Millimeterpapier in einem Profilschnitt. Der Grabungszeichner misst die Abstände und fertigt kleine Skizzen an. Bis Ende der Woche finden die Voruntersuchungen statt. „Danach können wir sagen, wo mehr gemacht werden muss“, so Forler. Das entscheidet das Landesamt für Denkmalpflege nach Abschluss der Voruntersuchung. Einige Arbeiten sind baubegleitend möglich.

250 Grundstücke

250 Grundstücke sollen im neuen erweiterten Wohngebiet Kammerhof zwischen Dammchaussee und Randstraße entstehen. Die Vermarktung übernimmt die Ostseewohnpark GmbH, eine Tochterfirma der stadteigenen Wohnungsgesellschaft Wig. Planmäßig soll im Mai mit dem Straßenbau begonnen werden. Im September könnten die ersten Hausbauer anfangen.

5 Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur- und Denkmalpflege nehmen noch bis Ende der Woche archäologische Voruntersuchungen am Boden vor.

Von Anja Levien

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