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Kosmisches Leitsystem fällt durch

Kühlungsborn Kosmisches Leitsystem fällt durch

Planeten-Skulpturen statt Zahlentafeln an den Strandzugängen – diese Idee kommt überhaupt nicht gut an

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An den Strandzugängen in Kühlungsborn stehen Hinweisschilder mit der Nummer des Zugangs und weiteren Informationen, was am Strand zu beachten ist. Dabei wird es bleiben.

Quelle: Fotos: Lutz Werner

Kühlungsborn. Strandbesucher in Kühlungsborn werden sich auch künftig an den eher schlichten, funktionalen Tafeln mit den Nummern an den Zugängen orientieren müssen, wenn sie sich merken möchten, an welcher Stelle des Strandes sie sich in den Strandkorb gesetzt oder auf das Badehandtuch gelegt haben. Ein neues, kosmisches Orientierungssystem, das der Bildhauer Rainer Fest aus Rothenklempenow/Vorpommern an den Strandzugängen schaffen will, fiel vorgestern Abend bei der Vorstellung des Konzepts im Wirtschaftsförderungs- und Kurbetriebsausschuss der Stadtvertretung glatt durch. Alle acht anwesenden Mitglieder stimmten nach kurzer Diskussion mit „Nein“.

Fest, der nicht zur Ausschusssitzung eingeladen worden war, hatte am 7. Juli beim Bauamt ein Konzept mit Angebot zur künstlerischen Gestaltung der Strandzugänge eingereicht. Seine Idee: Er will zunächst sieben Strandzugängen mit kleinen Planeten aus Naturstein aus der Region ein ganz besonderes Erkennungsmerkmal geben. Die Steine sollen bearbeitete und unbearbeitete Partien haben und teilweise geschliffen und poliert sein, „sodass die innere Schönheit des Gesteins zu Tage tritt“, wie er in seinem Konzept schreibt. Die „Himmelskörper“ in der Größe eines A3-Blattes – allerdings als Körper – sollen von einem Edelstahlanker getragen werden, der auf einem kleinen Betonsockel steht. In eine schwarze Natursteinplatte sollen Informationen zum Planeten eingraviert werden.

Sieben Skulpturen in Planetenform: Fest will zunächst die sieben Planeten unseres Sonnensystems, die vor den bahnbrechenden Forschungen des Astronomen Johannes Kepler (1571-1630) im 17.

Jahrhundert bekannt waren, gestalten. Dazu zählt er auch die Sonne und den Erd-Mond, denen die Menschen damals planetare Eigenschaften zuschrieben. Allerdings nicht die Erde, „denn die konnten die Menschen nicht als Planeten sehen“, so Fest. In einem weiteren Schritt könnten später entdeckte Planeten wie Uranus, Neptun, Pluto und der Asteroidengürtel dazukommen. Heißt: „Wir treffen uns dann an der Venus“, so Fest. Und nicht mehr am Strandzugang 10, 11 oder so weiter. Das kunstvolle planetare Orientierungssystem, so seine Kalkulation, würde die Stadt 32100 Euro kosten.

Der Ausschuss hatte vor seiner Sitzung die Arbeitsgruppe Kunst beauftragt, sich mit dem Konzept von Fest zu befassen. Ihr Urteil: Verteilt auf viele Strandzugänge seien die Mini-Planeten aus Stein nicht sinnvoll. Aber zusammengefasst als Skulpturengruppe an einer breiten Stelle der Strandpromenade schon. Denn so etwas passe ins Konzept der Stadt, mehr Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen.

Hauptargumente für die Ablehnung des Konzeptes von Reiner Fest: „Wir sollten uns jetzt nicht verzetteln. Unsere nächste große Aufgabe ist die Neugestaltung des Baltic Parks in West – auch mit Kunst.

Das wird sehr viel Geld kosten“, so Ausschussmitglied Frank Langguth. Und: „Die Promenade ist gut gestaltet. Hier gibt es keinen dringenden Handlungsbedarf“, sagte Bauamtsleiterin Peggy Westphal. Sie meinte auch: „Es ist wohl sicher einfacher, sich an einem Strandzugang mit einer Nummer zu treffen, als einen Planeten zu suchen.“

Franz N. Kröger, der Leiter der Kunsthalle und Mitglied der AG Kunst der Stadt, war gestern geradezu deprimiert, als er vom Votum des Ausschusses erfuhr. „Er hat sich nur mit dem ursprünglichen Fest-Konzept befasst, nicht mit unserem Vorschlag der Skulpturengruppe auf der Promenade. Das ist wirklich sehr schade“, sagte Kröger.

Bei der Zielgruppe der Planeten an den Strandzugängen – den Leuten am Strand – löste das Projekt gestern nur Kopfschütteln aus. „Wir sollten nicht Steuergelder für so etwas vergeuden. Die Zugänge sind gut gestaltet. Einziges Manko: Neben den Zahlen auf den Tafeln sollte es zur Orientierung auch Symbolbilder für Kinder geben, die noch nicht lesen können. Oder fröhliche Holzskulpturen wie Molli, Seestern, Segelboot oder Leuchtturm“, sagt Strandkorbvermieter Kalle Müller vom Zugang 11. Gäste an seinem Strandabschnitt wie Julia Krenkel, eine junge Mutter aus Torgau, sahen es ähnlich.

„Hier ist alles gut gestaltet, so ein Schnickschnack passt hier nicht her. Kühlungsborn sollte sich lieber um Indoor-Spielmöglichkeiten für Kinder kümmern. Denn es gibt auch Regentage“, meint sie.

Lutz Werner

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