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Kostkas Konzept heißt: Räume gewinnen

Neubukow Kostkas Konzept heißt: Räume gewinnen

Der Künstler und Diplomarchitekt Kostka richtet Neubukows altes Silo am Mühlentor auch zum Wohnen her

Neubukow. Vor dem vom Zahn der Zeit und vom Zugriff einiger Zeitgenossen gezeichneten alten Neubukower Getreidesilo am Mühlentor parkt ein Feuerwehr–Mercedes 508. Es trägt den Schriftzug „Lichtruf 2012“ und gehört quasi dem „Retter“ Norbert Kostka.

 

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Norbert Kostka vor alten Geräten des Getreidespeichers: „Ich versuche solche Teile umzufunktionieren, quasi als Möbelstücke.“

Quelle: Fotos: Thomas Hoppe

Ich werde sie zugänglich machen – das wird der Hit!“Norbert Kostka über die Silo-Kammern

Denn der Diplomarchitekt und Künstler ist gekommen, um den Verfall des 1936 errichteten Gebäudes zu stoppen. Im Vorjahr kaufte der gebürtige Prudniker (bei Oppeln in Polen) mit deutschen Vorfahren das Denkmal, säuberte es im Innern und sichert es seitdem vor Wassereinbruch sowie Vandalen.

„Schon während meines Architekturstudiums habe ich damit begonnen, für mich ein Konzept zu entwickeln. Das nenne ich Gewinnung von Räumen“, sagt der heute 56-Jährige und erläutert dazu sein erstes Projekt mit einem Wasserturm in Köln-Braunsfeld. Später baute er gemeinsam mit einer Innenarchitektin den Wasserturm Uevekoven zu einer Wohnung mit Atelier aus und machte den Tropfboden und den Wasserbehälter zugänglich (siehe auch Wikipedia im Internet).

Auf Neubukow kam er über eine Verkaufsanzeige für die hiesige Wassermühle, dabei entdeckte er den Speicher und das anliegende Häuschen, in dem der heutige Bürgermeister Roland Dethloff von 1991 bis 1994 seiner erste eigene Wohnung hatte.

Vor etwa einem Jahr kaufte Kostka dann die Gebäude von den bayerischen Mühleneigentümern ab. Noch arbeitet er allein hier, weil er die Substanz verstehen wolle, was sie technisch und räumlich tauge, wie er sagt. „Ich mache jetzt also erstmal in dem Häuschen hier Bestandsanalyse mit Erhaltungsmaßnahmen, sehe den Speicher aber als unproblematisch an.“ Wie das denn?

Er sei ja kein Investor, der dort mit jedem Quadratzentimeter etwas machen wolle. Die Silo-Substanz sei aber so schwierig, dass die Kosten zu utopisch wären, um die Betonwände zu durchbrechen, zumal der Denkmalschutz ja auch zu beachten sei. „Warum soll ich aus diesen 16 Kammern überhaupt was machen? Ich werde sie zugänglich machen – und das wird der Hit! Ich kenne so was in ganz Europa nicht, was so erschlossen ist. In Spanien hat ein Architekt Büros in Zementsilos errichtet“, erklärt Kostka. Er betrachtet das Neubukower Silo als begehbares Kunstobjekt. „Und nach vorn gibt es kleine Räume, ein ordentliches Treppenhaus. Ich sehe da überhaupt kein Problem, vier Zimmer a 20 Quadratmeter mit einem fantastischen Erdgeschossraum – das bekommt man doch noch bewältigt“, sagt der Architekt dazu. Der Raum ganz oben sei zwar sehr schön, aber da gebe es Grenzen für sein Investionsbudget durch die besonderen bau- und brandschutzrechtlichen Anforderungen. Das Dach müsse natürlich repariert werden. Gefragt nach dem Zeithorizont für seine Pläne, antwortet der Mann mit Tatendrang: „Wenn man das – wie ich – wirklich will, das Konzept stimmt und die Behörden mitmachen, ist es nicht unmöglich, in gut einem Jahr etwas vorzeigen zu können. Ich habe von diesen Dingern immerhin bereits fünf, sechs Stück gemacht.“

In Neubukow kommt wohl allerdings verschärfend hinzu, dass einige große Wallbergbäume dem Gebäude zu sehr auf die Pelle, sprich an die Dachziegel, gerückt sein sollen: „Sie müssen verschnitten werden. Sie sind schuld, dass das Silo-Dach kaputt ist“, meint Norbert Kostka.

Ärger bereitet ihm auch, dass immer wieder in seinem Haus eingebrochen wird, wenn er an seinen anderen Objekten in Deutschland arbeitet. Unanständig nennt er es auch, dass Hundefreunde die vollen Kotbeutel ihrer Tiere bei ihm an der Rampe entsorgen. Aber er hofft auf die Vernunft der Leute:„Hier im Gebäude geschieht doch jetzt was !“

Thomas Hoppe

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