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Neue Schätze fürs Ostrockmuseum

Kröpelin Neue Schätze fürs Ostrockmuseum

Fernsehteam des NDR und die OZ konnten schon Blicke auf die wertvollen Ausstellungsstücke werfen

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In Kröpelins „Plattenladen“ zeigen die Ostrock-Kuratoriumsmitglieder Thomas Lehner, Reinhard Dankert und Rüdiger Kropp (v.l.) dem NDR-„Nordtour“-Team mit der Autorin Galina Diran, dem Kamera-Assistenten Maximilian Pilz sowie dem Kameramann Lars Nieswandt neue Museumsexponate.

Quelle: Fotos: Thomas Hoppe

Kröpelin. Das etwa 200 Kilo schwere Teil wird ab jetzt jedem zwangsläufig ins Auge fallen, bevor der die Stufen zum bundesweit einzigen Ostrockmusikmuseum in Kröpelins Hauptstraße Nr. 5 emporsteigt: Ein 1952/54 produzierter Verstärker des DDR-Herstellerverbundes RFT (Rundfunk- und Fernmelde-Technik). Den Kröpelinern vermacht von einem Rockmusikfan aus Neubukow. „Viermal 25 Watt, röhrenbestückt“, sagt darüber Rüdiger Kropp mit etwas Ehrfurcht zu seinen beiden Museumskuratoriumskollegen Thomas Lehner und Reinhard Dankert.

OZ-Bild

Fernsehteam des NDR und die OZ konnten schon Blicke auf die wertvollen Ausstellungsstücke werfen

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Das Gerät soll künftig den voller Rockmusiker-Plakate hängenden Treppenflur mit Ostrockmusik beschallen, „damit Museumsbesucher gleich die richtige Einstimmung haben“, wie es heißt. „Und heizen kann man damit auch“, wirft der noch mit alter Röhrentechnik erfahrene Rockmusiker Thomas Lehner schmunzelnd ein. Er hätte früher, als er noch im Rostocker Überseehafen auf Schiffen tätig war, solche Verstärker selbst repariert, erzählt der Detershäger und weiß, dass Röhren für einen ganz anderen Sound sorgen: „Der ist weicher“.

Das eingebaute Radio sei allerdings nicht mehr so nützlich, weil es nur Kurz-, Mittel- und Langwelle-Sender empfangen kann, wie Rüdiger Kropp ergänzt. „So ist die Zeit“, lautet sein Fazit.

Zuvor hatte er auch der OZ einige Zeitdokumente aus dem DDR-Musikleben präsentiert, die demnächst in den Vitrinen des Ostrockmusikmuseums dem breiten Publikum gezeigt werden sollen. Darunter Fernschreiben vom promovierten Stadtrat für Kultur aus der Hauptstadt der DDR an die Ostberliner Stadtbezirksräte, an die örtliche Konzert- und Gastspieldirektion sowie die FDJ-Bezirksleitung aus dem Jahr 1983. Dabei ging es ohne Umschweife zum Beispiel um die umfassende Durchsetzung eines unbefristeten Auftrittsverbots für eine damals 25-jährige Sängerin aus Gera, über deren Versuche, „Anschluss an Kapellen zu finden“, „umgehend“ informiert werden sollte. „Aus aktuellem Anlass“ wurde auf einem Telex vom März 1983 erbeten, dass das „neue Programm“ von Barbara Thalheim und Gruppe unter dem Titel „In der Nacht – in der Macht – in der Not ist der Mensch nicht gern alleine“ nicht zur Aufführung komme. Ein anderes Thalheim-Programm ließ man zwar weiter zu, verhängte aber gleichzeitig für die folgenden drei Titel aus eben diesem Programm ein Aufführungsverbot: „Hoher Besuch“, „Der Oberkellner“, „Die Volksvertretung im Heimatort“.

Udo Lindenberg war dagegen oberste Chefsache. So wies gar das Ministerium für Kultur an, dass der Titel „Sonderzug nach Pankow“ „in Veranstaltungen und Diskotheken“ nicht gespielt werden dürfe. Also selbst bei Einhaltung der in der DDR offiziell seit 1957 geforderten Musikaufführungsquote von 60 Prozent „Ostsongs“ zu höchstens 40 Prozent aus dem Westen hatte hier der Sonderzug nichts in den Lautsprechern zu suchen.

Zu dieser Quote steht in einem unlängst von der Gruppe Renft nach Kröpelin gesandten Dokument der kabarettreife Zahlendreher eines damaligen Leiters vom Klubhaus „Marx Engels“ aus dem VEB Hydrierwerk Zeitz. Der schrieb nämlich Mitte September 1975 einen langen Brief an die Konzert- und Gastspieldirektion Leipzig, in dem er sich bereits im zweiten Satz über Renft beschwerte: „Dass die Mitglieder dieser Gruppe unser Bemühen zur Durchsetzung unserer sozialistischen Jugendpolitik missachteten.“ So sei die Gruppe Renft schon am Vormittag ihres Auftrittstermins „unangemeldet“ erschienen, baute ihre Technik auf und hätte gegen 13 Uhr mit einer „nicht gemeldeten Probe“ begonnen.

Insgesamt 40 Flaschen Wein sollen die Bandmitglieder laut Bedienung bis zum Konzertende in Zeitz getrunken haben. Widerwillig habe der Bandleader eine Belehrung der Hausleitung aufgenommen, bei der es auch um die „ Einhaltung des Musikverhältnisses von 40 zu 60 %“ gegangen sei. Andersherum wäre ein DDR-Schuh draus geworden.

Ernster dann die Auflistung von „aufrührerischen Ansagen“ der Band. Eine sah die Zukunft der Musiker voraus: „Ihr seid das Publikum, das eines der letzten Konzerte der Gruppe Renft erlebt, da wir verboten werden“.

Am 22. September 1975 wurde der Gruppe die staatliche Spielerlaubnis entzogen.

Die neuen Exponate der Kröpeliner Schau über die Ostrockmusik werden voraussichtlich im Februar auch eine Rolle in einer aktuellen „Nordtour“-Fernsehsendung spielen. Denn die NDR-Autorin Galina Diran – eine studierte Musikexpertin aus Bulgarien, die Klavier spielen kann und seit 1983 in Rostock lebt – drehte mit ihrem Team am vergangenen Donnerstag dafür im Ostrockmuseum.

Thomas Hoppe

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