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Starke Bilder – die wie Gedichte sind

Kühlungsborn Starke Bilder – die wie Gedichte sind

Jost Giese zeigt bis zum 11. September eine Auswahl seiner Werke in der Kunsthalle Kühlungsborn

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„Farbrausch“ heißt die Ausstellung von Jost Giese, die in der Kunsthalle Kühlungsborn bis zum 11. September zu sehen ist. Die Kunst-Schau wurde am vergangenen Sonnabend eröffnet.

Quelle: Sabine Hügelland

Kühlungsborn. Er sei nur ein kleiner Maler, sagt Jost Giese und scheint nicht gern im Rampenlicht zu stehen. Seine Bilder in der neuen Kunsthallen-Ausstellung sprechen da eine andere Sprache: Sie sind kraftvoll, nehmen Raum ein, wollen gesehen und können gar nicht übersehen werden. Da ist dieses Emotionen herausfordernde Rot, da ist träumerisches Türkis, fließendes Blau und Licht bringendes Gelb. Eine Exposition, die bis zum 11. September zu sehen ist.

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Jost Giese zeigt bis zum 11. September eine Auswahl seiner Werke in der Kunsthalle Kühlungsborn

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„Ich habe von der Beleuchtung her noch nie so einen tollen Raum wie diesen gesehen", äußerte sich der Künstler begeistert über die Kunsthalle: „Dann das Meer, das Auf und Ab dazwischen", philosophierte er und es schien fast so, als entstünde ein neues Bild in seinem Kopf.

Doch Giese malt nicht nach Vorlage. Seine Werke erschafft er Stück für Stück. Sie werden weiterentwickelt, bis er ihnen ein Ende vorgibt: Gestalten werden ausgetauscht, verschwinden oder neue kommen hinzu, uneingeschränkte Korrekturmöglichkeit ist die Bedingung. „Irgendwann dominiert dann eine Szene, eine Gestalt, ein Zusammenspiel – da fällt der Vorhang“, sagte er.

„Jost Giese findet nach und nach seinen Stil, seine unverwechselbare Handschrift, seine Erzählweise", sagte Kunsthallen-Leiter Franz N. Kröger in seiner Laudatio. „Seine Bilder sind wie Gedichte, reduziert, metaphorisch, gestrafft und doch sinnlich opulent.“

Vieles kann nur mit etwas Abstand begriffen werden. Der Blick nah an der Malerei entdeckt Zeichen, Schraffuren. „Gieses Malerei zeigt das Sichtbare abstrakt, die Leinwand wird zur Reflexionsebene der Emotionen", sagte Kröger sehr treffend. „Die Bilder-Welt ist abstrakt expressionistisch, diese Richtung ist für die Leipziger Schule nicht typisch und somit bekommt er eine Sonderstellung", so Kröger. „Formen und Flächen, Linien und Farben durchdringen sich, bewegen sich, gehen ineinander über, ziehen Grenzen und öffnen den Blick.“ Es sei ein Farbenrausch, eine Orgie, eine Flut, die uns da überrolle. So wie das tägliche Leben, das des Künstlers, das des spießigen Alltags und das Leben ganz allgemein, das Du, das Ich, und das Andere, so der Leiter der Kühlungsborner Kunsthalle.

Jost Giese, Maler, Graphiker und Plastiker, mit Geburtsjahr 1953, lebt in Leipzig. Nach einer Ausbildung mit Abitur zum Elektromechaniker begann Giese 1975 sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst HGB Leipzig bei Arno Rink und Bernhard Heisig, dessen Meisterschüler er war. Seit 1983 arbeitet er freischaffend. Der Physiker Andreas Meisel, ein langjähriger Freund aus der Studienzeit, sagte über ihn: „Seine Bilder begleiten mich seit 40 Jahren. Sie haben im Laufe der Jahrzehnte immer wieder einen Wandel in Stil und Farbe erlebt. Und oft erst im Nachhinein, im Abstand von einigen Jahren, konnte ich diese Veränderung verstehen. Waren sie doch verknüpft mit Brüchen im Privaten und im Gesellschaftlichen. Sie spiegeln für mich immer Jost wider.“ Er bewundert seinen Fleiß: „Der wahrscheinlich auch in schwierigen Lebenssituationen sein Motor war.“ Giese selbst sieht das Bildformat als Bühne: „Zum Theatermachen mit den sich angeeigneten grafischen und malerischen Mitteln. Im Retourgehen, im Rückblicken – man ist selbst Autor, Regisseur und Mitspielender – formen sich beim Zeichnen und Malen Gestalten, die miteinander Beziehungen eingehen.“ Sie könnten sich wandeln, oder gänzlich zugunsten einer neuen Sichtweise verschwinden. Der nächste Film im Kopf beginne, sagte Kröger nach dem Lesen von Bild-Titeln. „Hier, in diesem Giese, gehören sie zusammen, das Bild und der Titel. Es ist müßig zu ergründen, was zuerst da war – das Bild oder der Titel.“

Zu lesen sind unter anderem „Aplokalys" und „Island Babel“ – Werke, die er in Kaseinemulsion auf Leinwand bringt, Farben, die er selbst anfertigt. „Die Auswahl von Titeln existieren als eigenständiges, meist lyrisches, mitunter auch skurriles Pendant zum Dargestellten, indem sie nicht benennen, sondern ein assoziatives surreales Eigenleben führen", so Kröger. „Gieses Kunst hat etwas von der lyrisch-mystischen Geisteshaltung eines Samuel Beckett: „Warten auf Godot".

Sabine Hügelland

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