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Teufel lassen sich in Retschows Kirche nicht mehr blicken

Retschow Teufel lassen sich in Retschows Kirche nicht mehr blicken

Mit einer Wärmebildkamera suchten Vereinsmitglieder ein „teuflisches“ Wandbild

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Rita Pentzin (l.) und Margret Köhler-Gutsch mit dem verloren gegangenem Teufelsbild vor der Kirche Retschow.

Quelle: Fotos: Sabine Hügelland

Retschow. Gebannt schauten sie auf eine weiße große Fläche. Dort, so hofften Mitglieder des „Fördervereins zur Rettung der Dorfkirche Retschow“, sollte ihnen der Teufel erscheinen.

OZ-Bild

Mit einer Wärmebildkamera suchten Vereinsmitglieder ein „teuflisches“ Wandbild

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Ich wurde von der Furcht einflößenden Darstellung eingeschüchtert.“Margret Köhler-Gutsch, Retschow

Normalerweise ist die Suche nach Gott das oberste Gebot in einer Kirche. In Retschow blickten sie erwartungsvoll auf Dr. Jürgen Schoof, der mit einer Wärmebildkamera in der über 800 Jahre alten Kirche auf der Suche nach dem Gehörnten war. Eigentlich nach mehreren, die bis gegen Ende der 1960er Jahre auf einem Bild an der Nordwand die Gläubigen in Angst und Schrecken versetzten. Die Teufel sollten warnen. Das schien gelungen, denn immer wieder trieb die Angst vor der Hölle vor allem jungen Mädchen den Schweiß auf die Stirn, so dass der damalige Pastor zu einer drastischen Maßnahme griff: „In seinem Memoiren ist überliefert, dass er verreiste und bekannt gab, wo der Schlüssel zum Gotteshaus hängt", weiß Vereinsmitglied Margret Köhler-Gutsch. „Als er zurückkam, war das Bild verschwunden und er gab nie preis was genau geschah, noch wer das war.“ Sie selbst erlebte die Angst, die das Bild – ein altes Schwarzweiß-Foto davon existiert noch – auslöste: „Jede Familie besaß

ihre Bank in der Kirche. Mein Blick fiel von dort immer auf die Teufel“, erinnert sich Margret Köhler-Gutsch, deren Ahnen schon vor 350 Jahren auf dem Friedhof in Retschow ihre letzte Ruhe fanden.

„Ich wurde von der Furcht einflößenden Darstellung eingeschüchtert.“

Auf dem Foto zerren die Teufel an Menschen, verschleppen sie in die Hölle. Die Vereinsmitglieder erhofften sich, dass unter der Farbschicht das Bild noch erhalten ist und nicht abgekratzt wurde.

Dr. Jürgen Schoof ist Mitglied im Münsterbauverein und Münsterführer. Der Ingenieur im Ruhestand erklärte sich bereit mit seiner Wärmebildkamera fachmännisch nach dem Bild zu suchen. Der Doberaner arbeitete früher als Wissenschaftler an der Universität Rostock im Bereich Messtechnik. In Retschow warteten die Vereinsmitglieder vergeblich auf ein sichtbares Ergebnis. Dr. Schoof musste die Daten erst aufwändig weiterverarbeiten. Dabei richtete sich sein Fokus auf Temperaturdifferenzen. „Schade, ich konnte nichts entdecken. Aber das ist kein Zeichen, dass das Bild nicht doch vorhanden ist.

Für meine Methode war die Farbschicht zu dünn. Da kann jetzt nur noch ein Restaurator helfen.“ Eine Wärmebildkamera empfängt Infrarotstrahlen, die für das menschlichen Auge nicht sichtbare Wärmestrahlung sichtbar macht. Temperaturverteilungen auf Flächen und Gegenständen werden erfasst und dargestellt. Eine Technik mit der auch energetische Schwachstellen an Häusern nachweisbar sind.

2008 gründete sich der Verein dem heute 44 Mitglieder angehören. Seitdem konnten schon einige Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden, unter der Leitung der Architektin Diana Kaphingst von „Angelis &

Partner“. Bis Ende August bleibt das Gotteshaus jetzt teilweise eingerüstet. Bauarbeiten am Gebälk und dem Dach um die Statik zu sichern wurden notwendig, mit der die Firma Bedachung Güstrow GmbH beauftragt wurde.

Die Hälfte der Kosten von 110000 Euro übernahm Leader, das Förderprogramm der Europäischen Union. 10 000 Euro kommen vom Verein selbst und 10 000 Euro von der Kirchengemeinde und Patronatsmitteln. „Im Oktober, zur Doberaner Kulturnacht, möchten wir das Teufels-Bildnis als Lichtbild an die Kirchenwand werfen“, lässt die Vize des Vereins, Dagmar Amm, schon mal wissen.

Wer die Retschower Kirche besuchen möchte, kann sich die Schlüssel bei der Vereins-Schatzmeisterin Rita Pentzin im Denkmalhof Retschow abholen.

Spenden über: IBAN: DE 61 1307 0024 0205 4237 00, Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Retschow e.V.

Sabine Hügelland

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