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Letzter Schlagabtausch vor der Wahl

KOMMENTAR Letzter Schlagabtausch vor der Wahl

Bewerber nahmen im Schulzentrum zu drängendsten Fragen im Ostseebad Stellung

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OZ-Redakteur Lutz Werner moderierte den Abend gemeinsam mit Hannah Degner (17), Schülerin am Schulzentrum.

Kühlungsborn. „Ich bin heute Abend auf jeden Fall schlauer geworden“, sagte Hannah Degner und schaute zufrieden in die Runde. „Das war schon sehr aufschlussreich.“

 

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Von Lutz Werner

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„„Der Abend hat wesentlich zur Ent- scheidungsfindung beigetragen. Ein Verwaltungs-Chef braucht Führungs- qualitäten – die spreche ich einigen Kandidaten ab.“Erhard Kohlmann (65)

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„„Ich lebe erst seit einigen Monaten in Kühlungsborn – durch diese Veranstaltung konnte ich die Bewerber besser kennenlernen. Das war sehr hilfreich für mich.“Brigitte Lampert (71)

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Rund zwei Stunden hatte die 17-jährige Abiturientin am Donnerstagabend gut zugehört – beim großen OZ-Forum zur Bürgermeister-Wahl am 24. September in Kühlungsborn. Dabei platzte die Aula des Schulzentrums aus allen Nähten – gut 450 Besucher wollten sich das letzte öffentliche Aufeinandertreffen aller fünf Kandidaten vor der Entscheidung nicht entgehen lassen. Moderiert von OZ-Redakteur Lutz Werner, nahmen Stephan Krauleidis (CDU), Gerd Susemihl (Handwerker- und Gewerbeverein), Peter Menzel, Rüdiger Kozian und Fritz Brüßhaber (alle unabhängige Einzelbewerber) zu den drängendsten Fragen im Ostseebad Stellung.

Thema Verkehrsproblematik

Mit Blick auf die zunehmenden Verkehrsströme vor allem in den Sommermonaten plädiere er für ein intelligentes Leitsystem, erklärte Peter Menzel. „Wir müssen Kühlungsborn in der Saison von Autos entlasten, im Winter den Ort aber beleben“, sagte der 37-Jährige. „Hier stelle ich mir Auffangparkplätze am Ortsrand vor – vielleicht mit einer Tourist-Information und Counter.“ Dazu bräuchte man kurz getaktete Stadtbusse, die auch die Schüler nutzen könnten, so Menzel.

Ihm fehle der Glaube, dass Auffangparkplätze für eine Beruhigung sorgen würden, entgegnete Stephan Krauleidis. „Die Leute stellen ihr Auto ab, packen alles aus und nehmen das ganze Gerödel mit zum Strand – das ist doch unrealistisch“, sagte der 42-Jährige. Die Fuß- und Radwege würden in Kühlungsborn aus allen Nähten platzen, meinte Gerd Susemihl: „Wir brauchen verschiedene Verkehrssysteme – Auffangparkplätze und Shuttle-Busse.“ Das sei aus seiner Sicht auch finanzierbar, machte der 53-Jährige deutlich – zum Beispiel mit einer elektronischen Kurkarte.

Auch er halte Parkplätze am Ortsrand für einen guten Ansatz, sagte Rüdiger Kozian: „Natürlich will jeder mit seinem Auto so dicht wie möglich an den Strand – deshalb müssen etwa Shuttle-Busse vernünftig vermarktet werden.“ Man werde Autos nie ganz aus der Stadt herausbekommen, sagte Fritz Brüßhaber: „Vor allem auch wegen der Mitarbeiter.“ Deshalb könne er sich ein neues Parkhaus in Kühlungsborn West vorstellen, so der 37-Jährige.

Thema Villa Baltic

Mit Blick auf den Erhalt der maroden Villa Baltic machte Rüdiger Kozian deutlich, dass die Stadt das geschichtsträchtige Gebäude nach seiner Auffassung erwerben und eine förderungsfähige Nutzung anstreben sollte: „Mit vier Standbeinen – touristisch, gewerblich, aber auch mit Kunst und Kultur.“ Positiver Effekt: „Damit können wir auch Pacht-Einnahmen generieren.“

Die Villa Baltic sollte in Kühlungsborner Hand gelangen und für die Öffentlichkeit zugänglich sein, meinte auch Fritz Brüßhaber: „Im Keller könnte man zum Beispiel einen Nachtclub für die jungen Einwohner unterbringen.“ Problem: „Es fehlen Parkplätze“, machte Brüßhaber deutlich – und warb einmal mehr um ein Parkhaus in der Poststraße. Ein Vorschlag, mit dem Peter Menzel überhaupt nichts anfangen konnte: „Ich bin ein absoluter Parkhaus-Gegner – wir brauchen hier ein aktives Verkehrssystem.“

Zunächst gehe es darum, die Villa zu erhalten – und beim Investor das Instandsetzungsgebot durchzusetzen, betonte Gerd Susemihl. Auch er könne sich einen Kauf vorstellen – „aber nicht zu unvorstellbaren Preisen.“ Ihn wundere, dass bereits Pläne für eine Nutzung des Gebäudes gemacht würden, sagte Stephan Krauleidis: „Wir sprechen hier über das Eigentum eines anderen – erst mal müssen wir doch mit dem Investor reden.“

Thema Bezahlbarer Wohnraum

Sein Ziel sei, mit der städtischen Wohnungsgesellschaft Noveg in den kommenden sieben Jahren 100 Wohnungen zu bauen, erklärte Peter Menzel: „Klar ist, dass Neubauten nicht unter acht Euro Miete pro Quadratmeter möglich sind. Aber aktuell werden in Kühlungsborn Mietpreise bis 13,30 Euro aufgerufen – da wollen wir auf keinen Fall hin.“ Stadt und Noveg müssten sich darum kümmern, wie sozialer Wohnungsbau gefördert werden könne, meinte Gerd Susemihl: „Dabei sollten wir auch die Nachbargemeinden mit einbinden – denn Doberan, Kröpelin oder auch Neubukow sind für die Mitarbeiter schlecht zu erreichen.“

Auch er sei dafür, mit der Noveg zu bauen, stellte Stephan Krauleidis klar. Aber: „Für Mittelzentren gibt es bei sozialem Wohnungsbau Fördermöglichkeiten – das ist Kühlungsborn aber nicht.“ Ihn habe am meisten Krauleidis’ Vorschlag schockiert, bezahlbare Mieten über den Wegfall der Kita-Gebühren zu subventionieren, sagte Peter Menzel. Mieten für 7,50 Euro seien möglich, meinten sowohl Rüdiger Kozian als auch Fritz Brüßhaber – wenn auf städtischem Eigentum gebaut wird.

Thema Jugend

Viele junge Leute würde es nicht im Ostseebad halten, machte Hannah Degner deutlich, die am Donnerstagabend als Co-Moderatorin der Kühlungsborner Jugend Gesicht und Stimme gab: „Ein Hauptproblem ist die Verkehrsanbindung – ich habe Freunde in Kröpelin und weiß nicht, wie ich die mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann.“

Zunächst müsse man mit Rebus über mehr Buslinien verhandeln, sagte Fritz Brüßhaber. Das Nahverkehrs-Problem könne nicht die Stadt lösen, erklärte Rüdiger Kozian: „Dafür sind wir nicht zuständig – wir können nur Druck ausüben, damit mehr Verbindungen geschaffen werden.“ Ganz ähnlich sah es auch Stephan Krauleidis. Seine Tochter studiere in Rostock, sagte Gerd Susemihl: „Ich muss ihr da aufgrund der schlechten Anbindung eine Wohnung finanzieren – ich wäre dankbar, wenn hier jemand eine gute Idee hat.“ Er setze sich für Stadtbusse ein, sagte Peter Menzel: „Und wir müssen mit dem Landkreis und Rebus über mögliche Förderungen von Buslinien diskutieren.“

Ob attraktive Freizeitgestaltung, Einbindung des Jugendbeirates oder Unterstützung der Schule – Hannah Degners Liste der guten Wünsche war lang. Die Kandidaten schrieben eifrig mit – und versprachen, mit den jungen Leuten umgehend das Gespräch zu suchen.

Fazit: Wer auch immer das Rennen bei der Bürgermeister-Wahl am 24. September macht – es gibt viel zu tun. Auch über den Wahlkampf hinaus.

Gewonnen hat die Demokratie

Wer das Duell der fünf Kandidaten gewonnen hat – darüber bin ich noch unschlüssig. Gewonnen hat aber auf jeden Fall die Demokratie. In des griechischen Wortes Demos (Staatsvolk) ursprünglicher Bedeutung. Denn das Kühlungsborner Wahlvolk hatte zahlreich die Gelegenheit genutzt, sich von den Kandidaten im direkten Vergleich ein Bild zu machen. Und sie auch mit Fragen zu konfrontieren, zu denen sie in ihren Hochglanz-Flyern und Facebook-Videos nichts sagen. Gut fand ich auch, dass durch den sympathischen Auftritt meiner Co-Moderatorin Hannah Degner die Wünsche der jungen Leute eine Stimme erhielten. Ich denke, für alle fünf Kandidaten war ihr Auftritt auf der großen Bühne vor 450 hoch interessierten und kritischen Wählern auch ein Lernprozess. Denn wer von den fünf nun auch Bürgermeister wird – alle dürften begriffen haben: Die Kühlungsborner wollen auf klare Fragen kurze, präzise und unumwundene Antworten haben. Das ist mal gut gelungen – mal weniger gut.

Und wir – das Kühlungsborner Wahlvolk – müssen nun darüber entscheiden, wen wir in den kommenden sieben Jahren als Bürgermeister haben wollen. Also: Bitte zur Wahl gehen!

Lennart Plottke

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