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Milchbauern weiter in der Krise

Reinshagen Milchbauern weiter in der Krise

EU stellt finanzielle Hilfe in Aussicht / Politik möchte Milchmenge reduzieren, für Bauer Naethbohm keine Hilfe

Reinshagen. g Woher der Wind gerade kommt, erkennt in Reinshagen Uwe Naethbohm ziemlich genau an der „Wetterkuh“-Fahne auf der Giebelspitze seines Rinderstalles. Nicht so klar sehe er die derzeitige Richtung politisch gesteuerter Milchwirtschaft im Lande, sagte der 54-jährige Landwirt. Nach dem Willen von Agrarminister Till Backhaus (SPD) sollen Not leidende Milchbauern nur noch dann staatliche Überlebenshilfen bekommen, wenn es verbindliche Verpflichtungen zur Milchmengenreduzierung gibt. Das kann Uwe Naethbohm so nicht akzeptieren. „Wir sollen die Produktion drosseln, während andererseits Rinderstall-Erweiterungen gefördert werden.“

Das Problem der Milchbauern sind die Preise. „Schmerzlich fürs Unternehmen sind die zu schmalen Erlöse von knapp 20 Cent pro Liter Lebenssaft aus dem Kuheuter“, sagt Naethbohm, Landwirt im Ort in fünfter Generation. 20 Cent etwa müsse er zubuttern, um trotzdem seine 150-köpfige Rinderherde und den Betrieb auf Leistungsniveau zu halten. „Sonst bist du vom Markt weg und kannst ihn dann nicht mehr erreichen. So wie beim Russland-Embargo, das uns deutschen Bauern schon Milliarden Euro Verluste kostete und manchen Hof in die Knie zwang“, sagt Naetbohm und meint enttäuscht: „Für den Ausfall des profitablen Milchexports in das große Land fand die Politik keinen Ersatzweg.“ Auch deshalb könne er die Mahnung aus dem Landwirtschaftsministerium zur Milchmengen-Begrenzung, notfalls mit Zwang, so nicht akzeptieren.

Die Europäische Union stellt jetzt ein zweites Hilfspaket zur Krisenminderung für Milchbauern und Landwirte in Höhe von 500 Millionen Euro in Aussicht, teilt Till Backhaus mit. Der Minister erhofft sich davon, dass sich die Preiserholung so schnell wie möglich einstellt, hält an einer Mengenreduzierung fest und bemängelt, dass nur 150 Millionen Euro des Hilfspakets an konkrete Mengendisziplin gekoppelt seien.

Ein Manko sieht Detlef Kurreck, Präsident des Landesbauernverbandes MV, in der zeitlichen Befristung der Mengenabgabe auf drei Monate und das diese nicht verbindlich sei. „Das kann es nicht sein“.

Jeder Euro, den ein Betrieb erhalte, sei gut, aber auf lange Sicht werde dieser Kompromiss aus Brüssel nicht helfen. „Die Mengenreduzierung muss EU-weit und verbindlich sein.“

Die Finanzhilfen seien laut Naethbohm keine wirkliche Unterstützung und nie auf Dauer die Problemlösung. Er wolle nicht vom Markt weichen. Und so befülle er weiter jeden Tag den Abhol-Milchtanker frisch gemolken mit 2000 Litern. „Denn die Molkereien in Alten Treptow und Dargun als Abnehmer möchte ich nicht verlieren.“ Eine schon mal zehntägige Lieferblockade der Bauern wegen zu geringer Erlöse habe nur kurzfristig Erfolg gehabt. „Dann rutschten die Preise für uns wieder ab.“

Finanz-Ausgleich für Betriebserhaltung und Löhnung seiner fünf Angestellten versucht Naetbohm unter anderem mit eigener Energieversorgung für Stall und Hauswirtschaft aus einer kleinen Biogas-Anlage zu kompensieren, die Stallmist und Gülle verarbeitet und Strom ins öffentliche Netz abgibt. Futter für seine Tiere gewinnt der Landwirt zum großen Teil von eigener Ackerfläche, die er mit „veredeltem“ Dung aus der Anlage versorgt. „So spare ich Zukauf von teurem Mineraldünger.“

Der Bauer sagte aber auch, auf seinem Betrieb laste noch ein großer Batzen Kredit-Rückzahlung für Stallgebäude und Biogas-Anlage, den es abzuarbeiten gelte. „Das ist kein Zuckerlecken. Aber wenn du irgendwann die Hoffnung verlierst, bist du verloren.“

Anja Levien und Dietrich Grunzi

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