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Moschee-Gegner pöbeln im Ortsbeirat

Rostock Moschee-Gegner pöbeln im Ortsbeirat

Muslime möchten in Rostock-Evershagen beten / Anwohner reagieren gereizt / Ortsbeirat stimmt Antrag zu

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Dennis Albrecht (21) aus Evershagen, Ehrenamtlicher im Stadtteil- und Begegnungszentrum, setzte ein klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. FOTOS (2): OVE ARSCHOLL

Rostock. Mehr als hundert Menschen drängen sich in einen Raum im Mehrgenerationenhaus Evershagen. Wenige sitzen, viele stehen, einige müssen draußen bleiben. Vor dem Haus hat sich indes die Polizei zahlreich positioniert. Der Grund: Der Ortsbeirat will darüber abstimmen, ob Muslime das Kaffeehaus in der Maxim-Gorki-Straße als Gebetsstätte nutzen könnten. „Wir suchen nach einer Lösung. In der Schlesinger Straße können wir nicht ewig bleiben und schon jetzt ist das Gebäude zu klein“, erklärt Maher Fakhouri, Sprecher des islamischen Bundes.

Schon vor Beginn wirkt Fakhouri nervös. „Wir lassen uns überraschen und hoffen auf einen konstruktiven Dialog.“ Diese Hoffnung wird zumindest in der ersten Hälfte der Sitzung nicht erfüllt.

Immer wieder gibt es Gemurmel und Zwischenrufe, nachdem Harm Wullekopf (Linke) die Sitzung eröffnet hat. „Kommen wir zu Tagesordnungspunkt fünf: Wünsche und Anregungen der Einwohner“, sagt Wullekopf.

Eine Anwohnerin der Maxim-Gorki-Straße beginnt: Für sie sei ein wichtiges Thema, was aus dem „Türkencafé“ werde. Wullekopf gibt ihr zur Antwort, dass es keine neuen Informationen gebe. „Wir sind besorgt und nicht ohne Grund. Viele sagen: Kommt es dorthin, ziehen wir aus. Wir wollen die letzten Jahre in Ruhe und Frieden leben“, sagt die Anwohnerin – Applaus aus dem Publikum. Wullekopf hebt zu einer weiteren Antwort an. „Sie wissen ja sowieso nichts, haben Sie gesagt“, unterbricht ihn Horst Klingenberg.

Was folgt, sind Fragen: Woher die Leute das Geld hätten? Wie die Leute in das kleine Gebäude passen würden? Ob der Staatsschutz ein Auge auf die Gemeinde hat? Maher Fakhouri könnte diese Fragen beantworten. „Seit Oktober 1984 lebe ich in Deutschland. . . “ „Dafür sprichst du aber schlecht Deutsch“, ruft jemand aus der Menge. „Wir wollen keine Moschee“, ruft ein anderer. Fakhouri versucht zu erklären, dass die bisherigen Räume nicht ausreichen, doch immer wieder wird er unterbrochen, bis er schließlich abbrechen muss.

„Jetzt reicht es, wir wollen hier keinen Streit der Religionen“, schreit Wullekopf fast, um gegen die Anwohner anzukommen. Der Tagespunkt wird abgeschlossen. „Sie können gern bleiben“, sagt der stellvertretende Vorsitzende, doch die Kritiker strömen aus dem Raum. Einige Einwohner bleiben und hören interessiert zu. Ruhe kehrt ein, die Sitzung wird fortgeführt. Nach einigen Punkten wird erneut über die Voranfrage für eine Nutzungsänderung des Cafés gesprochen.

„Wir betrachten uns als eine gemäßigte offene Gemeinde. Seit 20 Jahren sind wir hier, wir waren bisher weder eine Gefahr für Deutschland noch für MV oder Rostock“, sagt Fakhouri. Reibereien gebe es hier schon untereinander, aber „radikale Dschihadisten“ nicht. Außerdem: „Bei uns betet der Verfassungsschutz quasi mit“, sagt er. „Wir sind eine unabhängige Gemeinde und bekommen von keinen anderen Organisationen Geld.“ Man habe jahrelang Geld gesammelt. In der Woche rechne er mit einer Handvoll Muslime, die in Evershagen beten würden. Zum Freitagsgebet könnten es 80 bis 100 Leute werden. „Das ist eine grobe Schätzung, aber wir würden den Raum hauptsächlich einmal in der Woche zwei Stunden lang nutzen.“

Der Ortsbeirat hat mit einer Enthaltung dem Antrag zugestimmt. Nun soll das Amt prüfen, inwiefern und unter welchen Voraussetzungen eine Gebetsstätte in Evershagen möglich ist. Eines verwundert Eik Deistung (CDU) vom Ortsbeirat besonders: „Wenn den Leuten das Thema so wichtig war, warum sind sie nicht bis zur Entscheidung geblieben?“

Johanna Hegermann

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