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Münster: Mauern romanischer Kirche gefunden

Bad Doberan Münster: Mauern romanischer Kirche gefunden

Bei Grabungen sind Archäologen auf interessante Artefakte gestoßen / Fußboden wird restauriert

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Bevor das Münster Bad Doberan gebaut wurde, stand an der Stelle eine romanische Kirche.

Bad Doberan. Ein Teil der Fußbodenfliesen ist verschwunden, und an einem der Pfeiler klafft ein großes Loch – im Doberaner Münster haben die Sanierungsarbeiten am Boden begonnen. Dabei hat Archäologe Dr. Jörg Ansorge womöglich einen Nachweis auf ein Bauwerk aus längst vergangenen Zeiten gefunden.

OZ-Bild

Bei Grabungen sind Archäologen auf interessante Artefakte gestoßen / Fußboden wird restauriert

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„Bei den Bauarbeiten wollen wir in erster Linie den Fußboden sanieren und haben auch gleich die Chance ergriffen, archäologische Grabungen vorzunehmen. Dabei haben wir auch einige sehr interessante Dinge herausgefunden“, sagt Münsterkustos Martin Heider. Besonders spannend waren laut Heider vor allem die Ausgrabungen an einem Pfeiler im Nordquerhaus, bei denen viele neue Erkenntnisse über die Fundamente und die Baugeschichte des Münsters gewonnen werden konnten. „Bei den Ausgrabungen konnten wir einige bisherige Fehlinterpretationen endgültig widerlegen. Dass das Münster nicht auf 300 Eichenpfählen steht, war längst bekannt, wird aber noch immer erzählt. Es steht auch nicht auf bis zu mehrere Meter tiefen Fundamenten, wie die jüngsten Untersuchungen zeigen“, stellt Martin Heider klar.

Das Münster stehe auf einer erdigsandigen, eiszeitlichen Spülinsel, erläutert Martin Heider. Bei der Grabung wurde in geringer Tiefe völlig ungestörter Boden gefunden. Weiterhin sei festgestellt worden, dass das Fundament der Pfeiler aus mehreren Schichten besteht, die lediglich bis in eine Tiefe von 1,25 Meter reichen. „Als unterste Schicht haben wir große Findlinge vorgefunden, auf die eine Schicht aus Feldsteinen folgt. Darauf befindet sich die Rollschicht, eine Ebene aus aufgestellten Backsteinen im Klosterformat, die dann mit einer Schicht aus flachgelegten Steinen bedeckt wird.“

Eine zweite, weniger tiefe Grabungsstelle befindet sich weiter östlich im Chorumgang. An dieser Stelle fand Jörg Ansorge etwas Besonderes: „Bei den Ausgrabungen am zweiten Pfeiler haben wir anscheinend einen Mauerkern von der romanischen Klosterkirche, die vor dem Münster auf diesem Gebiet stand, gefunden“, berichtet Martin Heider begeistert.

Die Sanierung des Fußbodens ist notwendig, da dieser Schäden aufweise. Die Bodenfliesen von 1920 seien mit Zementmörtel verlegt worden. „Der ist nicht durchlässig und staut die Feuchtigkeit von unten, so dass diese samt schädlicher Salze in die Pfeiler zieht“, erläutert Heider. „Um diese Missstände zu beheben und alte, marode Kabel verschiedener technischer Anlagen durch neue zu ersetzen, haben wir angefangen, einen circa zwölf Meter langen und fünf Meter breiten Streifen freizulegen.“ Hierbei sei auch viel über den Fußbodenaufbau herausgefunden worden. Als unterste Schicht findet man hauptsächlich Sand, darauf folgen Fliesen von 1830 und anschließend direkt eine zweite Fliesenschicht von 1920. „Bei den aktuellen Bauarbeiten tragen wir die beiden Fliesenschichten ab, haben aber zusammen mit der Denkmalpflege und der Baudienststelle der Nordkirche entschieden, die Steine von 1830 zu erhalten und im neuen Fußboden wiederzuverwenden“, erklärt Martin Heider.

Die Kosten für dieses und weitere Projekte waren auf etwa 250000 Euro veranschlagt, die zum Teil durch den Bund, aber auch durch eigene Gelder des Münsters und Patronatsmittel gedeckt werden.

Vor wenigen Wochen sei die Zusage gekommen, das weitere 50 000 Euro aus dem Förderprogramm „Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Ostdeutschland“zur Verfügung ständen. Mit zusätzlichen Eigenmitteln aus dem Münsterhaushalt, Patronatsmitteln und Spenden, können so weitere 100000 Euro investiert und mehr als ursprünglich geplant restauriert werden. Laut Martin Heider wird das Geld auch für die Sanierung der Nordseite des Münsters, des Kapellenkranzes sowie der Traufbelüftung fürs Dach verwendet. Die Fußbodenarbeiten sind bis April 2018 geplant. Die Grabungen am mutmaßlichen Mauerkern der romanischen Kirche sollen weitergehen.

Video auf www.ostsee-zeitung.de

Besichtigung Grabungsstellen

Vortrag und Führung: Am Dienstag, 12. Dezember, findet der letzte Vortrag zur Themenreihe über das Kloster in der Reformationszeit bis zur Auflösung des Klosters statt. Beginn ist 17 Uhr im Saal des Gemeindezentrums. Thema sind unter anderem: die konfessionelle Entwicklung Mecklenburgs nach dem Tod Albrecht VII. sowie die Pest, die im Kloster grassierte. Anschließend wird eine Führung im Münster angeboten, bei der die zwei Grabungsstellen besichtigt werden können.

Das Doberaner Münster liegt auf der „Europäischen Route der Backsteingotik“. Das Gotteshaus ist eine im späten 13. Jahrhundert erbaute hochgotische Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters, das 1171 gegründet wurde. In keiner anderen Zisterzienserklosterkirche europaweit ist die Originalausstattung so gut erhalten wie hier in Bad Doberan.

Anne Löhle und Anja Levien

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