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Ältester Altschüler war ein Kröpeliner

Bad Doberan Ältester Altschüler war ein Kröpeliner

Einstige Abiturientin aus Neubukow brachte ihr Poesiealbum von 1951 zum Doberaner Schülertreffen mit

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Kröpeliner unter sich: Dr. Margot Gräfe (Abi-Jahrgang 1970) spricht mit Peter Buhr (l.,79) und Heinz Kirchner (r., 92) auf dem Großen Altschülertreffen im Foyer des Friderico-Francisceums in Bad Doberan.

Bad Doberan. Die beiden ältesten Teilnehmer des Großen Altschülertreffens am vergangenen Sonnabend im Bad Doberaner Gymnasium, Ute Tödter (91) und Heinz Kirchner (92), stammen ursprünglich aus Neubukow und Kröpelin. Wie auch die Initiatorin des Ganzen, Dr. Margot Gräfe, eine gebürtige Kröpelinerin ist oder die heutige Schulleiterin des Bad Doberaner Gymnasiums, Birgit Hacker, aus dem Kröpeliner Ortsteil Altenhagen kommt.

OZ-Bild

Einstige Abiturientin aus Neubukow brachte ihr Poesiealbum von 1951 zum Doberaner Schülertreffen mit

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Es hat sich echt gelohnt, dass ich hierhergekommen bin – ein wunderbarer Tag. Ich habe auch noch Kröpeliner wiedergetroffen.“Heinz Kirchner (92) aus Offenburg

Kurz bevor die Vorsitzende des Altschülervereins, Dr. Gräfe (geb. Reißig), die mehr als 350 Teilnehmer im Foyer des Friderico-Francisceums begrüßte, hatte die Neubukowerin Brigitte Paetow bereits ihrer einstigen Mitschülerin Dr. Heidi Naß, deren Eintrag ins Poesiealbum der Klassenkameradin von 1951 gezeigt (siehe langen Bildtext).

Augenzeugin davon war die Lehrerin der beiden, Ilse Gotthardt (82). „Sie ist daran schuld, dass ich Chemie studiert habe. Sie hat den Chemieunterricht so gut gemacht“, lobt Brigitte Paetow (77) die Pädagogin.

Ebenfalls aus der Schliemann-

stadt stammt die älteste Teilnehmerin des Schülertreffens, Ute Tödter. Sie war aus der Gemeinde Bedburg-Hau bei Kleve angereist und ist die Tochter des Tierarztes Ludwig Dankwardt, der von 1923 bis 1971 am Hellbach arbeitete.

„Ich bin doch in Neubukow geboren und ich bin da getauft und in Bad Doberan mit meinen Klassenkameraden konfirmiert worden. Das ist alles einfach meine Heimat“, hatte sie schon im Sommer 2015 am OZ-Telefon erklärt. Damals ging es um ihre großzügige Spende für das Neubukower Kirchendach. Auch für das Doberaner Gymnasium habe sie sich schon eingebracht, würdigte jetzt Schulleiterin Birgit Hacker die 91-Jährige.

„Mein Name ist Kirchner, gebürtiger Kröpeliner“, stellte sich Heinz Kirchner vor, der extra von Peter – einem seiner zwei „Buben“ – von Offenburg nach Bad Doberan kutschiert worden war. Heinz war der älteste Altschüler bei diesem Treffen. Der heute 92-Jährige musste im dritten Weltkriegsjahr, 1942, „von der Schulbank weg“ mit der Primareife in der Hand, „das ist kein Abitur“, gemeinsam mit zwei anderen Kröpelinern zum Infanterieregiment 222 nach Wismar. „Ich war dann als Besatzungssoldat in Frankreich und später in Albanien an der Adria stationiert. Kurz vor Weihnachten traten wir den Rückzug an, dabei bin ich oben in Agram (Zagreb) noch verwundet worden“, berichtete der Mann, der sich nach einem Lazarettaufenthalt im Salzkammergut nach Lübeck durchgeschlagen hatte.

„Ich wollte ursprünglich nach Hause, nach Kröpelin, aber da war ja die Zonengrenze. Einmal bin ich schwarz rübergegangen, doch da haben sie mich geschnappt und ich musste acht Tage im Keller Holz hauen, bevor sie mich nach Lübeck zurückschickten“, erzählte Heinz Kirchner weiter. Er habe dann den Beruf seines Vaters gelernt, Polsterer und Dekorateur. Letztlich arbeitete er als Verkaufsleiter in einem Möbelhaus. Vater Kirchner hatte in Kröpelin ein Polstermöbelgeschäft gehabt, war aber im April 1945 in Italien gefallen. Die Mutter blieb damals in Kröpelin und hätte ihrem Heinz geraten:

„Junge bleib drüben, hier kannst du nichts werden“.

Nachdem er seine Mutter in den 50er- und 60er-Jahren in Kröpelin besucht hatte, siedelte sie in den 70ern in den Westen über. „Zum Schluss lebte sie in einem Pflegeheim. Hatte aber bis Mitte 90 noch Gedichte aufgesagt, aus ihrer Schulzeit“, erzählte ihr Sohn. Seine Mutter war mit 101 Jahren gestorben. Während Heinz Kirchner das alles der OZ kundtat, begrüßte ihn Peter Buhr, der ebenfalls aus Kröpelin stammt. Sein Vater war auch der Lehrer von Heinz Kirchner gewesen: „Ich habe ihn noch gut in Erinnerung“, warf der damalige Schüler Kirchner ein. „Unsere Eltern sind in Kröpelin gut miteinander befreundet gewesen. Kirchners wohnten unten bei der Post und wir oben bei der versenkbaren Mühle“, blickte Peter Buhr zurück. Auch er war Lehrer geworden und unterrichtete in Kröpelin, in der Volkshochschule und schließlich in Doberans Forstschule.

„Was natürlich gut ist nach der Wende, die alten Fassaden in Kröpelin sehen jetzt wieder besser aus. Die haben alle wieder Farbe und Anstrich. Alleine das macht schon ein besseres Bild“, meinte Heinz Kirchner noch und verriet: „Mir fehlt in der schönen Ortenau – im Rheingraben, wo die Temperaturen ja meistens die höchsten sind – manchmal die frische Brise. Die gibt es da unten nicht.“

Einen Klassenkameraden hat Heinz Kirchner in Bad Doberan zwar nicht getroffen, aber er hätte noch zu einem Kontakt gehabt: Siegfried Becker, der war Marineoffizier geworden und lebt nun im Rheinland – „aber er konnte nicht kommen“. Dafür hatte Heinz Kirchner „eine nette Kaffeestunde“ mit der Mutter von Dr. Margot Gräfe genießen können, wie er betonte. Er kenne sie aus seiner Kindheit. Mutter Reißig (sie und ihr Mann hatten von 1956 bis ’85 eine Eisdiele betrieben, wo die Kugel 10 Pfennig kostete) wohnt links von der alten Post in Kröpelin, Kirchners lebten einst rechts davon, an der Ecke Strandstraße.

Die Kröpelinerin Dörte Thoms hatte dagegen zum Altschülertreffen von Anfang an eine ausgesprochen langjährige Mitschülerin an ihrer Seite: Renate Raupach. Deren Eltern, die Dannenbergs, waren das Hausmeisterpaar am damaligen Kröpeliner Schulneubau gewesen, wo Dörte und Renate einst gemeinsam eingeschult wurden. Beide saßen dann bis zum Doberaner Abitur 1965 in ihren Klassen zusammen.1970 verschlug es Renate Raupach nach Sachsen und Dörte Thoms war 35 Jahre als Pfarrerin in Mecklenburg unterwegs – allein in Güstrow ein Vierteljahrhundert lang. Nichtsdestotrotz blieben die Klassenkameradinnen in Kontakt. Seit 2010 wohnt Dörte Thoms wieder in Kröpelin, wo sie in der Bützower Straße 34 auf die Welt gekommen war. Ihre Schulfreundin Renate war im uralten Kröpeliner Pfarrhaus geboren worden und betonte jetzt auf das verfallende historische Haus bezogen: „Ich habe immer gesagt, wenn ich mal im Lotto gewinne, wird das Ding wieder aufgebaut.“

Thomas Hoppe

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