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Bauer liefert bald an Gastronomie-Kette

Kirch Mulsow Bauer liefert bald an Gastronomie-Kette

Trotz Milchpreiskrise und drohender schlechter Ernte ist der Kirch Mulsower Landwirt Thomas Hopp optimistisch.

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„Das sind keine Kuscheltiere“, sagt Thomas Hopp inmitten seiner Kirch Mulsower Herde zum Fotografen.

Quelle: Thomas Hoppe

Kirch Mulsow. Jeden Tag verlieren Kirch Mulsower Bauern allein wegen der Milchpreiskrise weit über 1000 Euro. Auch der Kilopreis beim Rindfleisch ist deutlich gesunken. Trotzdem bleibt der Geschäftsführer der Kirch Mulsower Agrar und der Ravensberger Agrar GmbH, Thomas Hopp, zuversichtlich: „Ich bin in jedem Fall optimistisch. Wir müssen die Arbeit hier im Betrieb halten, mit hoher Qualität“. Darüber sprach die OZ gestern mit ihm.

OSTSEE-ZEITUNG: Gerade wurde vermeldet, dass die Pflanzenproduzenten in MV nach einer Greifswalder Uni-Studie zu wenig Hochwertiges produzieren würden. Das reizt zu der Frage, wie es bei Ihnen in der Fleischsparte aussieht.

Thomas Hopp : Ich versuche alles, was wir im Betrieb produzieren, jedes Kalb, das wir aufziehen, bis zum Ende zu veredeln. Die Arbeit muss bei uns bleiben. Wir verkaufen deshalb keine halbfertigen Produkte, sondern wir ziehen die Charolais groß, aber auch viele Kreuzungen. Als Züchter bearbeite ich allerdings hauptsächlich Charolais.

OZ. Und haben dafür auch schon einige Preise bekommen.

Hopp: Genau, auf der MeLa und bei Auktionen. Mehrere Zuchtbullen von uns wurden ausgezeichnet, da oben stehen einige Preise.

(Er weist zu einem Büroschrank, auf dem Auktions-Pokale aus Karow für die besten Fleischrindbullen der Jahre 2005, 2009, 2010, 2013 und 2014 stehen – alle kamen von der Kirch Mulsower Agrar GmbH)

OZ: Mit welchem Rezept kommen Sie auf diese Qualität?

Hopp: Die anderen Bauern schlafen auch nicht. Ich gucke auf der ganzen Welt, wo es neue Genetik gibt, wo gibt es etwas Besseres. So hatte vor mir hier in Mecklenburg kein anderer genetisch hornlose Tiere. Gegenwärtig bin ich zwei, drei Mal pro Jahr in Dänemark und schaue von Bauer zu Bauer nach Neuigkeiten. Sie holen ihre neuen Tiere und Zuchtlinien aus Kanada und Schweden...

OZ: Wonach wählen Sie dabei aus?

Hopp: Als erstes muss das Tier mir gefallen. Es muss eine komplett neue Linie sein, damit ich keine Inzucht in der Herde produziere.

OZ: Was heißt hier bitte schön ,gefallen’?

Hopp: Es muss schick sein, mit korrekten Gliedmaßen und Klauen, es muss sehr lang sein, gut bemuskelt und am besten genetisch hornlos.

OZ: Warum sehr lang?

Hopp: Beim Schwein wollen wir ja viele Koteletts haben und beim Rind eben lange Rumpsteaks.

OZ: Apropos Steaks. Stimmt es, dass „Block House“ künftig Kirch Mulsower Fleisch in seinen Filialen grillen möchte?

Hopp: Ja, ich habe wieder ganz aktuell Kontakte mit der Hamburger Block House Restaurantbetriebe AG. Sie wollen unbedingt auch mein Fleisch haben. Das koordiniert unser Zuchtverband.

Verhandelt wird jetzt über den Preis.

Zu ihren Kriterien gehören u.a., dass jedes Tier genug Platz und Auslauf haben muss und das es mindestens 18 Monate alt ist, bevor es geschlachtet wird.

Das halte ich alles für sinnvoll und finde es sehr gut. Aber das hat natürlich auch seinen Preis.

OZ: Na, da scheint Ihre wirtschaftliche Lage ja rosig zu sein.

Hopp: Im Gegenteil, im Moment ist sie sehr schwierig. Ich habe gerade unsere Milcheinnahmen auf dem Schirm. Wir hatten im vergangenen Wirtschaftsjahr einen durchschnittlichen Milchpreis von 25 Cent pro Liter. Vor zwei Jahren erzielten wir noch 40 Cent. Das ist der Preis, den wir brauchen, damit wirtschaftlich am Ende eine Null steht.

OZ: Das heißt, in Sachen Milch sind Sie seit zwei Jahren im Minus?

Hopp: Definitiv – Im letzten Monat, im Juni haben wir sogar nur 19,5 Cent pro Liter bekommen! Jeden Tag verlieren wir weit über 1000 Euro. Nicht ohne Grund hört Peter Woest auf mit der Milch, hört Kühlungsborn auf, hörte Retschow auf – und das sind gestandene Milchbauern. Und ich überlege jeden Tag, wie lange hälst du das noch durch?

OZ: Und wie lange denken Sie?

Hopp: Nicht ewig. Noch helfen uns die Biogasanlage in Krempin sowie die Gasleitung zu den Stadtwerken in Neubukow. Aber auf Dauer können auch sie nicht das Minus bei der Milchproduktion ausgleichen.

OZ: Kann da nicht die Fleisch- oder die Pflanzenproduktion helfen?

Hopp: Die Fleischproduktion ist zu gering. Zudem gibt es auch hier einen Preisverfall, denn durch das Ende bei vielen Milchbauern kommt auch mehr Rindfleisch auf den Markt.

Es gab schon mal 4,20 Euro fürs Kilo Bullenfleisch, heute gibt es höchstens 3,45 Euro. Das heißt pro Bulle gibt es mehr als 200 Euro weniger.

Mit dem Ackerbau konnten wir einiges ausgleichen – doch das geht im Moment nicht mehr. Denn wir werden eine sehr schlechte Ernte kriegen. Wir hatten im Januar drei Tage ganz kaltes Wetter gehabt, kurz davor war es mild: Innerhalb von zwei Tagen von 15 Grad plus auf 15 Grad minus – das konnten bei uns die Gerste und der Weizen nicht ab.

OZ: Das hört sich nach düsterer Zukunft an.

Hopp: Es gibt die ersten Anzeichen, dass der Milchpreis steigen wird. Butter und Milchpulver werden etwas teurer. Ich erwarte von der Politik zudem mehr Einfluss auf die Handelsketten, dass die Dumpingpreise für Lebensmittel aufhören. Ich bin in jedem Fall optimistisch.

OZ: Ihre Berufswahl war richtig?

Hopp: Da habe ich eine ganz klare Antwort: Es gibt keinen schöneren Beruf. Er ist vielseitig und seit der Wende können wir weltweit gucken, was andere besser machen.

Thomas Hopp

Der gebürtige Wismarer, der in Kirch Muslow aufwuchs, wohnt und arbeitet, ist ein verheirateter Vater von zwei Jungs. Hopp wurde an Rostocks Uni Diplomagraringenieur und arbeitete drei Jahre in der Prignitz. Die Kirch Mulsower Agrar GmbH hat 200 Mutterkühe und verkauft jährlich 170 Tiere zur Schlachtung und 30 zur Zucht. 2016 verkaufte er einen Zuchtbullen nach Hessen für 5000 Euro – sonst gibt’s im Schnitt 2700 Euro. Mulsower Zuchttiere gingen schon nach England, Schottland, Dänemark, Luxemburg, Tschechien und Lettland.

Interview von Thomas Hoppe

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