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Bauern schreiben der Politik ins Stammbuch

Krempin Bauern schreiben der Politik ins Stammbuch

Ehrung für Krempins Biogasanlage soll auch ein Zeichen für Politiker sein, die Branche nicht hängen zu lassen

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Feierlicher Moment: Dr. Ludley (l.) lässt Biogaswärmeschild von David Rudolphi und Manfred Meyer (r.) enthüllen. Da bei den Stadtwerken die Wirtschaftsprüfer im Haus waren, fehlte deren Geschäftsführer.

Quelle: Fotos: Hoppe

Krempin. Auch der Fachverband Biogas hat die Landtagswahlen in MV im Blick, denkt aber weit über den Wahltag am 4. September hinaus. Was nämlich gestern Vormittag von Verbandsvertretern vor dem Tor der Krempiner Biogasanlage als besondere Ehrung regionaler Wirtschafts- und Verwaltungsleistungen am Rande der schmalen Dorfstraße gesagt worden ist, soll als Weckruf in den weiten Fluren der Politik sein nachhaltiges Echo finden. Das hoffen zumindestens die Landwirte und andere Experten aus der Region, die sich geschäftlich und theoretisch mit Biogasanlagen und ihrer Rolle in der deutschen Energiewende beschäftigen.

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Ehrung für Krempins Biogasanlage soll auch ein Zeichen für Politiker sein, die Branche nicht hängen zu lassen

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„Denn es fehlen Nachfolgeregelungen für all jene Biogasanlagen, die 20 Jahre lang ihre Einspeisevergütung bekommen haben. Das Deutsche Biomasse-Forschungszentrum hat errechnet, dass wir eigentlich einen Ausstieg aus der Biogasbranche haben, der 2020 beginnt und 2030 vollzogen ist“, meint dazu Dr.-Ing. Horst Ludley. Er ist Regionalgruppensprecher des Biogas-Fachverbandes und übergab gestern gemeinsam mit Diplomagraringenieur Volker Schulze, vom Erfurter Regionalbüro Ost des Verbandes, dem Leiter der Krempiner Biogasanlage, David Rudolphi, ein „Biogaswärme-Schild“. Der wirft noch ein, dass ab dem Jahr 2020 insgesamt 6000 Megawatt, die heute die deutschen Biogasanlagen produzieren, Schritt für Schritt verloren gehen würden und enthüllt dann gemeinsam mit dem 1. Stellvertreter der Bürgermeisterin von Carinerland, Manfred Meyer, besagtes „Biogaswärme-Schild“.

„So ein Schild steht jetzt nicht weit verstreut in Deutschland, also nicht etwa an jeder Biogasanlage, sondern es soll auch ein Zeichen der Anerkennung sein. Eine Auszeichnung für solche Betriebe, wo das sehr gut funktioniert mit der Kooperation von Stadtwerken, Biogasanlage und Landwirtschaft“, erklärt Volker Schulze und ergänzt, dass sich so ein Schild bislang nur noch einmal in Sachsen-Anhalt befindet. Vor einer Anlage, die über ein Nahwärmenetz ein ganzes Dorf versorgt.

Das Schild solle zudem anlässlich der Landtagswahlen ein Zeichen für die Politiker sein, sich zum Biogas zu positionieren, zu Anlagen, die mehr als Strom machen, nämlich die Wärme. Er hoffe, der Verband werde noch viele solche Schilder aufstellen können, sagt David Rudolphi in Verbindung mit seinen Dankesworten für die Anerkennung. „Denn es ist doch eine gute Sache, wenn man nicht nur Strom erzeugt, sondern die daraus resultierende Abwärme sinnvoll nutzt“, meint der Leiter der Krempiner Biogasanlage. Im Erzgebirge soll demnächst ein Freibad so ein Schild bekommen, weil hier das Wasser durch eine Biogasanlage zusätzlich beheizt wird, heißt es.

„Die bestehenden Anlagen haben natürlich Bestandsschutz. Die werden laufen, zumindestens über die 20 Jahre, die sie Vergütung bekommen. Da etliche Anlagen schon älter sind, ist die Frage: Wie geht es weiter? Neue Investitionen sind da schwierig“, meint Maik Orth. Er ist der Vorsitzende des Hohen Luckower Vereins „Innovations- und Bildungszentrum“, der die Biogasanlage Krempin betreut und berät.

„Der große Vorteil von Biogas ist ja, dass ich eben auch Strom erzeugen kann, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Zudem haben wir noch die Wärme. Da hat der Biogasbereich schon eine wichtige Funktion, die wir erhalten müssen“, betont Maik Orth. Er räumt aber auch Fehlentwicklungen ein: „Man nutzt wirklich zu viel Mais und es ist nicht die preiswerteste Technologie, um erneuerbare Energien herzustellen. Trotzdem bleibt die Frage, wie man den Mehrwert, den man durch Biogas hat, nutzt.“ Abteilungsleiter Kay Gränitz, von den Adap-Biogasanlagen in Ahrenshagen-Daskow, spricht mehr von der Wertschöpfung durch die Kooperation mit Landwirtschaftbetrieben und der Region. Seine Anlagen würden noch bis 2025/26 laufen. „Angst haben wir nicht, aber es finden keine großen Investitionen (wie z.B. in ein neues Gärrestlager) statt, weil man nicht weiß, wie es mit Biogas weitergeht“. Der Geschäftsführer der Ravensberger Agrar GmbH, Dr. Albert Rudolphi, hat für die Zukunft einen Rat: „Hier profitieren die Stadtwerke Neubukow durch die Einspeisung von Biogas in ihrer Wärmeenergievergütung, wir profitieren durch den Gas-Verkauf und sorgen so für Wärme und Strom. Biogas ist erst sinnvoll, wenn man sowohl elektrische wie auch Wärme-Energie verkaufen kann. Ansonsten muss man mit heißer Nadel rechnen. Wenn man keine Einnahmen aus Wärme hat, hat man große Schwierigkeiten die Ökonomie der Biogasanlage sicherzustellen.“

Thomas Hoppe

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