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Er hat sich reingekniet für Altenhagen

Altenhagen Er hat sich reingekniet für Altenhagen

Der langjährige Bürgermeister Willy Gerdel hat den heutigen Kröpeliner Ortsteil jahrelang geprägt

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„Er hat dermaßen viel Kraft in seine Arbeit reingesteckt“: Willy Gerdel (1930-2017) ARCHIVFOTO: THOMAS HOPPE

Altenhagen. Willy Gerdel ist tot. Er ist am 30. November im Alter von 87 Jahren plötzlich gestorben.

„Ich bin ein Kröpeliner“, soll der Mann zu seinem Abschied aus der Kröpeliner Stadtvertretung im April 2006 vor den Volksvertretern betont haben. In den Jahrzehnten zuvor war er Bürgermeister von Altenhagen und dann seit 1999 auch Amtsvorsteher des bis 2004 existierenden Amtes Kröpelin gewesen.

Selbst in der deutschen Hauptstadt war man damals auf den engagierten Wahlmecklenburger mit einem PDS-Parteibuch aufmerksam geworden und die „Berliner Zeitung“ veröffentlichte 2001 ein Porträt von ihm, unter der Überschrift: „Wie ein roter Bürgermeister sein mecklenburgisches Dorf regiert“. „Regiert, das ist das richtige Wort“, meint Sabine Woller und erklärt: „Er war täglich sozusagen 20 Stunden im Einsatz, zu Fuß. Als unser Gutshaus erneuert wurde, war er sogar 22 Stunden im Einsatz.

Er kannte hier jeden und hat sich mit so viel Energie in die neue Zeit reingearbeitet. Erstaunlicherweise, denn die nötige Qualifizierung dafür hatte er ja vorher auch nicht gehabt – er hat sich so in die rechtlichen Sachen reingekniet.“

Zu Beginn dieser neuen Zeit nach der politischen Wende habe es in Altenhagen bestimmt um die 20 ABM-Stellen gegeben – „alles Männer, die in der LPG keine Arbeit mehr hatten“, erinnert sich Sabine Woller. Sie hatte von Willy Gerdel einst den Auftrag bekommen, alle möglichen Dokumente für eine Ortschronik zusammenzutragen, die dann von Dr. Monika Zielke aufgeschrieben und im Jahr 2007 unter dem Titel „Schlösser und Katen im Aufbruch und Umbruch“ veröffentlicht worden war.

„Das waren wunderbare Zeiten für Altenhagen, das war auch seine Leistung. Das Dorf sah aus – nicht vergleichbar mit jetzt: Überall standen Blumenkästen an der Straße, alles wurde gefegt, alles gemäht, unser Wanderweg nach Alt Karin (der Kirchsteig) wurde nicht zugepflügt – auch ein Verdienst von Herrn Gerdel“, sagt Sabine Woller weiter. Da habe er dermaßen viel Kraft reingesteckt, diesen Weg zu erhalten. Die Kröpeliner Baumschule Hinrichs soll im Austausch gegen Schafsmist aus dem alten Stall die Bäume geliefert haben, die heute den Wanderweg bis zum Wald säumen. Auch die marode Brücke im Anschluss soll auf Initiative von Willy Gerdel erneuert worden sein: „Das sind aus dem Kuhstall Betonteile, die nicht mehr gebraucht wurden“, weiß Sabine Woller und sagt: „Willy Gerdel war jeden Morgen da und hat die ganze große ABM-Truppe angewiesen.“ Seinen vielleicht größten Coup für die Region soll Willy Gerdel gelandet haben, als er den Rückübertragungsanspruch von Alteigentümer-Erben auf Gut Altenhagen und Klein Nienhagen abschmetterte. Die Nachfahren der bei der Bodenreform enteigneten Besitzer hatten darauf gepocht, dass ihre (auch die beiden Gutshäuser besitzenden) Vorfahren Schweizer gewesen wären und eine Enteignung damit nicht rechtens gewesen wäre. Der gebürtige Westpreuße Willy Gerdel und Ortschronistin Sabine Woller recherchierten wochenlang im Mecklenburgischen Staatsarchiv und fanden ein Dokument, das klarstellte, die einstigen Gutshausbesitzer von Altenhagen und Klein Nienhagen besaßen die deutsche Staatsbürgerschaft.

„In das Altenhäger Gutshaus hat Gerdel eine Liebe reingesteckt, bis auf die Farbwahl der Fenster, der Türen und des Saales. Als der Saal eröffnet wurde, glänzte alles, das Parkett war überholt worden. Und oben drüber hing ein großes Schild: Rauchen untersagt! Damit es nicht gleich wieder verqualmt werde. Das war eine schöne Zeit. Der Gemeinderat hatte sich so engagiert für das Gutshaus“, gerät Sabine Woller ins Schwärmen.

Sie kennt noch so viele Geschichten aus dem Dorf, hat die vielen Ordner zur Dorfchronik auf ihrem Boden lagern und auch noch ein paar Exemplare der 2007 erschienenen 212-seitigen Chronik der Gemeinde Altenhagen mit ihren Ortsteilen Klein Nienhagen und Klein Siemen. Sie betont: „Das ist eigentlich der Verdienst von Herrn Gerdel. Er hat sich dafür engagiert, dass die Geschichte nicht verloren geht“.

Thomas Hoppe

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