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Erhöhte Träger-Umlage überfordert Arbeitslosenverband

Neubukow Erhöhte Träger-Umlage überfordert Arbeitslosenverband

Bundesfreiwilligendienst: Wohlfahrtsverband legt mehr Kosten um

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Die Neubukowerin Regina Gäbler erhält im Bundesfreiwilligendienst für ihre Arbeit in der Kleiderkammer 200 Euro monatlich.

Quelle: T. Hoppe

Neubukow. „Das ist ja Wahnsinn“, sagte kürzlich ganz spontan die Sozialministerin von MV, Birgit Hesse (SPD), in einer Gesprächsrunde beim „Gedeckten Tisch“ von Neubukow. Da hatte sie gerade vom Bürgermeister Roland Dethloff (parteilos) erfahren, dass der Paritätische Wohlfahrtsverband im Land seit Anfang Februar vom Landesarbeitslosenverband mehr als doppelt so viel Geld pro Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) verlange, als im Vorjahr. „Das ist der Grund dafür, dass der Arbeitslosenverband keinen Bufdi mehr nimmt, weil er es sich nicht mehr leisten kann“, sagte Roland Dethloff und unterstrich, dass ihm diese Kostensteigerung „vollkommen unverständlich“ sei.

Natürlich tut es uns um die Arbeitslosenverbände leid, aber wir können keine Geldgeschenke machen.“Christina Hömke, Wohlfahrtsverband

Ursprünglich sollte zu Jahresbeginn in Neubukows Kleiderkammer, die vom Arbeitslosenverband getragen wird, eine weitere Bufdi-Teilnehmerin ihre Arbeit beginnen. Doch das fiel aus: „Da wird keiner mehr herkommen vom Bundesfreiwilligendienst“, ist Regina Gäbler sicher. Die Neubukowerin, sie ist noch Bundesfreiwilligendienstleistende, arbeitet seit November 2015 in der Kleiderkammer – bis Oktober 2016. „Zu alten Konditionen“, das heißt, für sie bezahlt der Arbeitslosenverband 70 Euro monatlich an den Paritätischen Wohlfahrtsverband als sogenannte Pädagogische Umlage. Das „Pädagogische“ beziehe sich auf die Seminare, die der Verband für die Bufdis im Laufe eines Jahres zur Pflicht macht, heißt es. „Ich war jetzt im Mai drei Tage in Neu Sammit, im Juni gibt es einen Erlebnistag, im Juli folgen drei Tage Schwerin, dann kommt ein weiterer Erlebnistag und im Oktober sind nochmals drei Tage in Neu Sammit geplant“, zählt die gelernte Sekretärin ihr Seminarprogramm auf. „Man trifft sich, tauscht Erfahrungen aus. Zwei Themen haben mir sehr gut gefallen: ,Integration der Flüchtlinge’ und ,Eingliederung von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt’“, sagt Regina Gäbler und erwähnt aber auch noch „Kräutersammeln“ und „Kochen mit Kräutern“ als weitere Programmelemente von Neu Sammit.

Wie die Geschäftsführerin des Landesarbeitslosenverbandes, Christine Loheit, der OZ dazu sagt, teilte der Paritätische Wohlfahrtsverband, bei dem der Arbeitslosenverband MV Mitglied ist, im Januar in einem Brief mit, dass die Pädagogische Umlage ab 1. Februar monatlich für jeden vom Verband zugeteilten Bufdi-Leistenden 155 Euro betrage, die die Träger der Maßnahme an den Wohlfahrtsverband zu zahlen hätten. „Da haben wir gesagt, wir müssen uns leider aus diesem Geschäft zurückziehen, weil wir diese höhere Umlage nicht bezahlen können“, erklärt Christine Loheit. Das betreffe insgesamt sechs Bufdi-Stellen. Eine Begründung für die Umlageerhöhung habe es diesmal nicht gegeben. Bei einer vorangegangenen Erhöhung seien es Personalkosten wegen einer Umstrukturierung gewesen, erinnert sich die Geschäftsführerin des Arbeitslosenverbandes, zu dem auch der Doberaner Arbeitslosenverband gehört.

Am OZ-Telefon hat die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes von MV, Christina Hömke, gestern jedoch eine ausführliche aktuelle Begründung parat: Ihr Landesverband habe jährlich sehr hohe Eigenmittel in die Finanzierung des Bundesfreiwilligendienstes eingebracht. Nach dem Blick auf die Finanzbilanz 2015 sei der Vorstand zum Schluss gekommen, „dass der Verband diese Kofinanzierung nicht mehr lange durchhält und deshalb die Kosten, die im Bundesfreiwilligendienst entstehen, auf die Träger umgelegt werden müssen, die diesen Dienst gerne haben möchten.“ Hinzu sei gekommen, dass die Mitarbeiterinnen, die beim Bundesfreiwilligendienst im Landesverband die pädagogische und die Verwaltungsarbeit leisten, auch Tarifsteigerungen bekommen hätten. Außerdem hätte der Verband nach Auflagen des zuständigen Bundesamtes EDV mit einem teuren Softwareprogramm installieren müssen. Auch die Kosten für die Unterkünfte und die Anreise zu den mehrtägigen Seminaren, die den Bundesfreiwilligendienst begleiten, seien gestiegen. „Wenn die Träger, die sich auf die Füße getreten fühlen, zu uns kommen, kriegen sie das alles in Zahlen vorgelegt. Da sind wir transparent, denn wir verstecken hier nichts“, betont die Geschäftsführerin weiter und unterstreicht, dass der Paritätische Wohlfahrtsverband MV selbst mit dieser Erhöhung der Umlage noch einer der Preiswertesten in dieser Sache sei.

Im Wohlfahrtsverband sei man sich aber sehr wohl bewusst, „dass sich einige Träger – insbesondere jene, die sich auf ehrenamtlicher Basis bewegen und keine Einrichtungen wie Kitas, Werkstätten oder Pflegeheime betreiben – von dieser Leistung Bundesfreiwilligendienst einfach verabschieden müssen. Weil sie das nicht aus ihrem Vereinsaufkommen finanzieren können. Das ist leider so.“ Aus steuerrechtlichen Gründen könne da aber keine Ausnahme gemacht werden. Sie wünsche sich, dass es seitens der Jobcenter hier für die Arbeitslosenverbände wieder mehr Unterstützung gebe: „Das ist alles seit 2012 radikal reduziert worden. Die Arbeitslosenverbände haben es deshalb im Moment sehr, sehr schwer, eine Finanzierung ihrer Leistungen oder zusätzlicher Eigenbeteiligungen zu ermöglichen. Aber vielleicht gibt es da in der nächsten Zeit eine Kehrtwendung. Unser Bundesverband arbeitet daran in Berlin in vielen Ausschüssen der Bundesministerien, gerade auch bei Frau Nahles, (der Arbeits- und Sozialministerin, d.R.).“

Thomas Hoppe

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