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Fleischereibeschau im Bürgerhaus

Neubukow Fleischereibeschau im Bürgerhaus

Neubukower Sonderausstellung wirft bis 13. Mai ein paar Blicke auf die bisherigen 111 Jahre der Fleischerei Prüter

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Sie eröffneten die Fleischerei erstmals am 20. August 1904: Paul und Adolfine Prüter.

Neubukow. „Noch sind wir 111 Jahre“, sagt Heidrun Pigorsch (52) trocken, nachdem sie gemeinsam mit ihrer Schwester Ulrike Prüter (41) eine schwere Aufschnittmaschine aus den 1950er Jahren auf deren Platz in der neuesten Sonderausstellung am Brink gehievt hat. Gemeint ist das Alter der „Fleischerei Prüter“, der die beiden Frauen mittlerweile als GmbH-Geschäftsführerinnen vorstehen. Heidrun Pigorsch, eine gelernte Krankenschwester, bereits seit dem Jahr 2002, Schwester Ulrike, ursprünglich Kinderpflegerin, kam 2011 in dieser Position dazu.

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Neubukower Sonderausstellung wirft bis 13. Mai ein paar Blicke auf die bisherigen 111 Jahre der Fleischerei Prüter

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Ab heute alles zu sehen

Die Ausstellung über die Fleischerei Prüter ist ab heute bis zum 13. Mai im Neubukower Bürgerhaus am Brink zu sehen. Für den 8. April um 14 Uhr ist eine offizielle Eröffnung geplant.

Ihr Bruder und Fleischermeister Steffen Prüter ist in der 2002 gegründeten Fleischerei Prüter GmbH der Betriebsleiter für den Produktionsbereich. 1997 hatte er von seinem Vater Paul-Friedrich Prüter (1934 bis 2010) das Familiengeschäft übernommen. Dieser hatte gemeinsam mit Ehefrau Rosemarie die Fleischerei seit 1968 geleitet, nachdem der Opa von Heidrun, Ulrike und Steffen — Paul Prüter — wiederum seit 1933 den Betrieb seines Papas, dem Gründer dieser Neubukower Institution, gemeinsam mit seiner Frau Luise fortgeführt hatte — jedoch mit einer vom Krieg erzwungenen Pause, In diese Familien- und Firmengeschichte erlaubt nun die neue Sonderausstellung im Neubukower Bürgerhaus dank informativer Texte und illustrierender Fotos, nebst originaler Exponate aus dem Fleischeralltag dieser Zeiten, zahlreiche Einblicke. Um die Gestaltung dieser Schau kümmerte sich bereits seit Jahresbeginn vor allem Ulrike Prüter, wenn sie nach der Arbeit für das Geschäft und dem Einsatz für ihre beiden Kinder etwas Zeit fand.

Die Fleischerei Prüter hat offensichtlich einen guten Ruf bei ihrer Kundschaft, was sich insbesondere in der wirtschaftlichen Situation des Betriebes mit insgesamt 13 Mitarbeitern widerspiegelt: „Wir haben unser Ein- und Auskommen“, sagt dazu Geschäftsführerin Heidrun Pigorsch mit einer Prise Zufriedenheit und erläutert: „Der Trend geht wieder mehr zu Qualität und Hausgemachtem. Die Kunden sagen uns, dass z.B. unsere Lungenwurst die beste weit und breit sei. Die Rezeptur für diese mecklenburgische Spezialität ist noch von meinem Opa“.

Ganz wichtig sei es auch gewesen, den gewohnten Geschmack der Wurstwaren über die Wendezeit zu retten, wie Heidrun Prüter erklärt. „Die Kunden wollen immer gleichbleibende Qualität. Doch schwarzer Pfeffer ist eben nicht schwarzer Pfeffer. Als die einst in der DDR zugeteilten Gewürze ganz vom Markt verschwunden waren, experimentierten mein Vater und mein Bruder mit den zahlreichen neuen Würz-Angeboten, um den Geschmack von vorher wieder hinzubekommen.“ Und es schmeckt auch der nachwachsenden Generation. Denn wie Heidrun Pigorsch erzählen kann, würden Neubukower ihres Alters, deren große Kinder im Westen Deutschlands leben und arbeiten, von denen vor Familienbesuchen aufgefordert, auch Wurst von Prüter mitzubringen.

Die Mecklenburger erfüllen zudem Bestellungen, die aus München kommen oder zwei Mal im Jahr aus Gelsenkirchen. Ein selbstloser Seemann nahm sogar Prüters Senfkörner-Mettwurst mit auf seine Reisen nach Hongkong, Jamaika und Singapur, wo er sie Bekannten anbot. Diese schickten den Prüters dann auf Englisch Dankeskarten in der Schliemannstadt. Ein paar Exemplare werden auch im Bürgerhaus gezeigt. Unter den Exponaten ist zudem typische Fleischerarbeitskleidung zu sehen und es gibt diverse Fachliteratur aus all den vergangenen Jahrzehnten. Darunter eine kleine DDR-Broschüre von 1955 zum Thema „Kundenreklamationen“, worin der Leser z. B. erfahren kann, dass sich Verkäufer im Kapitalismus — im Unterschied zu denen des volkseigenen Handels — an den Kunden auch bereichern wollen. In der DDR hatte der Verkäufer demnach nur die Aufgabe, „die Wünsche und Bedürfnisse der Käufer zu erfüllen und zu befriedigen“. Doch das ist Geschichte. Zukunft könnte dagegen bedeuten, dass die sechsjährige Tochter von Ulrike Prüter derzeit „Fleischer“ als ihren Berufswunsch nennt. Wenn sie erst einmal auf den Geschmack gekommen ist...

Von Thomas Hoppe

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