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Frühestmögliche Therapie kann helfen

Neubukow Frühestmögliche Therapie kann helfen

Die Neubukowerin Jenny Seidenberg ist die einzige Ergotherapeutin in MV für Wachkoma-Patienten

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Jenny Seidenberg arbeitet in der Ergotherapie von Nadine Krug in Neubukow – und betreut Wachkomapatienten.

Quelle: Sabine Hügelland

Neubukow. Das Leben kann schnell – fast – vorbei sein. Gehirnschlag, Unfall, Sauerstoffmangel, missglückter Suizid lässt Menschen ins Wachkoma fallen. Einige reagieren noch ein wenig, können die Augen bewegen, viele wirken jedoch vollständig teilnahmslos. Wie es wirklich in ihrem Inneren aussieht, vermag niemand zu sagen. Jenny Seidenberg holt ihre Patienten dort ab, wo sie gesundheitlich stehen. „Zuerst schaue ich, wie er liegt. Ich kontrolliere, was passiert, wenn ich ihn anspreche. Sehe mir an, ob die Gelenke beweglich sind. Kann ich ihn aufrichten, ohne, dass der Kreislauf zusammen bricht?“ Für die 28-jährige Mutter eines eineinhalb Jahre alten Kindes ist ihr Beruf als Ergotherapeutin mit Zusatzausbildung zur Fachtherapeutin für Menschen im Wachkoma Bestimmung. Sie ist die einzige in ganz Mecklenburg-Vorpommern mit dieser Spezialausbildung und Angestellte bei Ergotherapeutin Nadine Krug, die Praxen in Neubukow, der Zentrale in Wismar und Bad Kleinen führt.

„Ich selbst habe Erfahrung mit Wachkoma-Patienten, die leider bisher zu selten ergotherapeutisch betreut werden“, so Nadine Krug. „Wichtig ist die Arbeit mit den Angehörigen. Vor allem auch mit dem Pflegepersonal, wo sich die Zusammenarbeit weiter verbessern sollte.“, unterstreicht sie. „Ich glaube, viele haben einfach Angst vor den starken Emotionen, die diese Arbeit hervorrufen kann", sagt Jenny Seidenberg. Die junge Frau aus Neubukow gibt sich mit dem ganzen Herzen ihrer Arbeit hin, schaltet jedoch danach in einen anderen Gang. Ihre Freizeit im Karnevalsverein Neuburg und Kindersport jeden Dienstag in Neubukow bringen den Ausgleich. „In meinem Praktikum zur Ergotherapeutin wurde ich auf eine Intensivstation geschickt. Dort hatte ich die erste Begegnung mit einem 16-jährigen Wachkoma-Patienten, der nach einem missglücktem Suizidversuch dort lag. Da wusste ich sofort, das ist eine Tätigkeit, die ich unbedingt machen möchte.“ Seit Frühjahr 2016 arbeitet sie bei Nadine Krug. „Seit November 2014 wurde niemand mehr als Fachtherapeutin für Menschen im Wachkoma ausgebildet, weil es keine Bewerber gab", sagt Jenny Seidenberg. Viele denken wohl, dass diese Patienten nicht so viel Zuwendung brauchen“, sagt sie nachdenklich. Dabei sei es so wichtig, ihnen mehr als nur die übliche Pflege zukommen zu lassen. Das würde sie auch gern an Pflegepersonal vermitteln. Ein Jahr lang hat sie zusätzlich zu ihrer 40-Stundenwoche jedes zweite Wochenende für die Zusatzausbildung in Essen und Köln investiert. „Ich mache mit den Patienten alle normalen Dinge des Alltags wie Zähne putzen“, sagt sie. Dabei führt Jenny Seidenberg die Arme des Patienten mit ihren natürlichen Bewegungen. „Den größten Erfolg hatte ich mit einem Mann, der nicht mehr in der Lage war, irgendetwas zu tun. Nach der Therapie mit dem Stehtrainer konnte er immerhin schon schreiben und sich rasieren“, erinnert sie sich. Das war noch in ihrer Zeit in Stralsund. Doch sie weiß: Wer seit zehn Jahren im Wachkoma liegt, hat wenig Chancen. Deshalb sei es so wichtig, frühestmöglich in Therapie zu gehen. „Ich gebe trotzdem nie auf, auch wenn es aussichtslos scheint. Ich mache alles so, wie es im Alltag üblich ist.“ Vor allem liegt ihr daran, Wachkoma-Patienten aus dem Bett zu holen und in den Stehtrainer zu bekommen, weil das Patienten mehr hilft als nur zu liegen. Leider besitzt nicht jedes Pflegeheim so einen Steh- oder Bewegungstrainer. „Ich versuche, auch das Umfeld so zu gestalten, dass es dem Patienten angenehm ist. Auch die Unterhaltung wie Musik danach auszurichten.“

18 Jahre lang war Motocross das Hobby von Jenny Seidenberg. „Ich bin so dankbar, dass mir nie etwas passiert ist“, sagt sie.

Sabine Hügelland

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