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„Geschwächte Kastanien waren Gefahr“

Kröpelin „Geschwächte Kastanien waren Gefahr“

In Kröpelin wurden während des Abschneideverbots vier Rosskastanienbäume gefällt / OZ ging Bürgerkritik nach

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Die andere Seite eines Stamms.

Kröpelin. Kurz vor Ostern verschwanden von einem großen Grundstück zwischen Pferdemarkt und Gartenweg vier Kastanienbäume, die „stadtbildprägend“ gewesen seien, lange „Amsel, Fink und Star als Wohnung gedient“, Sauerstoff gespendet und „alle erfreut“ hätten, die „diese Schmuckstücke“ sehen durften. So wurde es der OZ aus Kröpelin vermeldet, mit der Bitte anonym bleiben zu dürfen. Dazu gab es Kritik, dass gegen Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes verstoßen worden sei, da dieser zwischen dem 1. März und dem 30. September Fällungen verbietet. Und es wurde eine Konsequenz erwähnt, die es in sich hat: „Ich kann in diese Kirche nicht mehr gehen“.

OZ-Bild

In Kröpelin wurden während des Abschneideverbots vier Rosskastanienbäume gefällt / OZ ging Bürgerkritik nach

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Denn der Eigentümer des besagten Grundstücks ist der Pastor der Kirchengemeinde. Und alle hätten bislang gedacht, „dass er gut mit der Schöpfung umgehe“, doch dann versperrte wohl die Baumgruppe die Aussicht aus seinem Eigenheimneubau, wurde gemutmaßt.

Dazu erklärte gestern auf OZ-Anfrage der zuständige Experte von der Unteren Naturschutzbehörde, Wolf-Peter Polzin, dass bei diesen vier Rosskastanien, „eine Gefahr im Verzug“ bestand, die nichts mit dem Bauvorhaben vor Ort zu tun gehabt hätte. „Im Gegenteil, Herr Pleban war sehr daran gelegen, die Bäume zu erhalten. Er hat sich an uns gewandt, weil er von einem Bürger den Hinweis bekommen hatte, dass mit den Bäumen etwas nicht in Ordnung sei“, teilte der Sachgebietsleiter für Naturschutz und Landschaftspflege weiter mit. Eine Inaugenscheinnahme vor Ort habe das dann bestätigt: „Alle vier Rosskastanien wiesen deutlichen Pilzbefall im Stammbereich auf, an drei Bäumen waren ältere Exemplare des Austernseitlings zu erkennen, bei dem vierten war eine sichere Pilzbestimmung nicht möglich, er gehört jedenfalls in die Gruppe der Schichtpilze“. Während der Austernseitling „als typischer Schwächeparasit“ bereits mehr oder weniger stark geschwächte Bäume befalle, seien Schichtpilze überwiegend an stark geschwächten Bäumen zu finden, betonte Wolf-Peter Polzin, der seit über 22 Jahren in diesem Metier arbeitet. Zudem hätten alle vier Bäume intensive Spuren des Bakteriums „Pseudomonas syringae pv. aesculi“ aufgewiesen. Bei dem schwarzen Ausfluss im Stamm- und Stark-

astbereich handele es sich um Anzeichen einer seit etwa vier Jahren in Mitteleuropa ausbreitenden Komplexkrankheit der Rosskastanie. „Ihr sind bereits zahlreiche Bäume — auch im Landkreis — zum Opfer gefallen. Die sich hinter der Symptomatik verbergenden Schäden können unter Umständen dramatisch schnell zu einem Sicherheitsproblem werden. So lag der Fall in Kröpelin und hatte daher nichts mit dem Bauvorhaben zu tun“, unterstrich der Naturschutzexperte weiter und ergänzte: „Über die vor Ort getroffene Einschätzung unserer Behörde, dass die Bäume nicht zu erhalten seien, war Herr Pleban sichtlich geschockt. Die Fällgenehmigung einschließlich der Ausnahme vom Abschneideverbot im Zeitraum zwischen dem 1. März und dem 30. September wurde am 17. März erteilt.“

Olaf Pleban bestätigte gestern am OZ-Telefon, dass er die 1930 gepflanzten Bäume unbedingt erhalten wollte: „Wir waren froh, dass wir diese Baumgruppe auf unserem Grundstück hatten und haben den Standort des Einfamilienhauses nach den Bäumen ausgerichtet. Weil wir auch mal schönen Schatten auf der Terrasse haben wollten. Dann hat vor zwei Monaten jemand gesagt, dass ich die Bäume begutachten lassen sollte, sie seien krank. Das wurde dann vom Umweltamt bestätigt und darauf verwiesen, dass sie auseinanderbrechen werden.“ Darüber sei er tief traurig gewesen. Die Ausnahmegenehmigung für die Fällung hätte bis Ende März gegolten. „Wir werden hier wieder Bäume anpflanzen, weil wir es wollen“, sagte Olaf Pleban noch.

Wolf-Peter Polzin war außerdem wichtig, mitzuteilen, dass die Fällgenehmigung für alle vier Bäume auch erteilt worden wäre, wenn nur zwei befallen gewesen wären. Das erklärte er so: Da die Bäume gleichzeitig aufgewachsen sind, gaben sie das Erscheinungsbild einer einzigen geschlossenen Krone ab. Hätte man aus diesem Ensemble nur zwei Bäume gefällt, wäre ein unansehnliches Kronenrudiment zurückgeblieben. Dadurch wären zusätzliche Angriffspunkte für Wind, Regen und Schnee entstanden, an die die verbliebenen Bäume nicht angepasst waren, was eine erhöhte Bruchgefahr für deren Äste bedeutet hätte: „Der Niedergang der Baumgruppe war in jedem Falle programmiert“.

Von Thomas Hoppe

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