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Groß Siemen Hat Hellbachwasser den Virus gebracht?

Eingestalltes Geflügel in Groß Siemen bekam sein Trinkwasser aus dem fließenden Gewässer

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Kann mit Sondergenehmigung die Eier seiner 130 Hühner weiter verkaufen: Landwirt Sigurd Heinz in Schmadebeck. FOTOS (2): THOMAS HOPPE

Groß Siemen. Gestern Vormittag waren im Kröpeliner Ortsteil Groß Siemen vom sonnigen Himmel herab überall die Rufe der vorbeiziehenden Kraniche zu hören.

OZ-Bild

Eingestalltes Geflügel in Groß Siemen bekam sein Trinkwasser aus dem fließenden Gewässer

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Hinter einer Stallfensterscheibe nahe des Feuerwehrgebäudes schien eine Gruppe des heimischen Geflügels den freien „Klassenkameraden“ sehnsüchtig hinterherzuschauen. An anderen Stellen des kleinen Dorfes duckten sich Hühner still unter ihren Stalldächern ab.

Groß Siemen und die Orte im Umkreis von drei Kilometern sind jetzt Sperrbezirk: Von einem Hof im Dorf war gerade an Vogelpest verendetes und schwer erkranktes Geflügel abgeholt worden.

Der Besitzer stand noch unter dem Eindruck des Geschehens, als ihn die OZ dazu befragte. Denn der junge Mann, der in Groß Siemen seit seinem fünften Lebensjahr wohnt, war hier quasi mit Hühnern, Enten und Gänsen aufgewachsen.

„Am vergangenen Sonntag wollten die ersten Hühner nichts mehr fressen. Da haben wir uns noch gar nichts bei gedacht“, berichtete der Geflügelhalter. Doch schon am Montag, als er abends von seiner Arbeit kam, soll die Hälfte der Tiere verendet gewesen sein.

„Wir waren erschrocken: Ihr Kopf war geschwollen, blau angelaufen. Vor allem Hühner, die sich hier den Stall mit Enten und Gänsen teilten. Die verendeten Tiere packten wir in Säcke“, sagte der Geflügelhalter und ergänzte, dass er die scheinbar noch gesunden Tiere von den anderen, schon schwächelnden, abgesperrt hätte, bevor er seine Tierärztin nach den möglichen Ursachen der Erkrankungen befragte.

„Sie hat für uns durchgerufen beim Veterinäramt. Dann kam die nette Dame auch gleich am Tag danach mit ihrer Kollegin und sie guckten sich hier alles an, zählten was umgefallen war und nahmen ein paar Tiere mit. Die wurden zum Lallf (Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei) eingeschickt. Noch am selben Tag erhielt ich den Anruf, dass die Tiere permanent voll mit dem Grippevirus sind“, erzählte der Mann. Er hatte den Expertinnen auch berichtet, dass er seine Tiere mit Wasser aus dem Hellbach getränkt hatte.

„Da hat sie natürlich gesagt, dass das jetzt ein bisschen ungünstig sei. Aber sie konnte sich nicht wirklich vorstellen, dass das Virus aus dem Bach gekommen sein soll, weil der sehr schnell fließe“, zitierte der von der Vogelpest betroffene Hobbyzüchter eine Amtsmitarbeiterin. Er habe sich seine Hybriden „hobbymäßig“ selber zusammengekreuzt – und hätte nun Hampshire-Hühner, Amrock- und Brahma-Kreuzungen verloren. Nach seiner Zählung hat ihm die Vogelgrippe auch zwei Gänse, zwei Flugentenerpel, drei Flugenten, drei Laufenten und einen Sachsenerpel genommen. Der Landkreis vermeldete gestern insgesamt „46 Stück Geflügel“.

Kurz nachdem die entsprechende „Tierseuchenrechtliche Anordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest“ veröffentlicht worden war, erschien auch im Nachbardorf Schmadebeck bei Sigurd Heinz die Tierärztin und kontrollierte dessen Geflügelbestände.

Der Landwirt, der in der Region für seinen alljährlichen Gänsemarkt im November bekannt ist, hat zurzeit zwar nur seine beiden „Stammgänse“ im Stall, aber immerhin auch 130 Hühner, die täglich 90 bis 100 Eier legen.

Nach der amtlichen Anordnung in Sachen Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet rechnete Sigurd Heinz schon mit dem Ernstfall, dass er ab sofort für mindestens 21 Tage keine Eier mehr verkaufen dürfe. Der Verlust wäre nicht ohne gewesen: „Rechnen Sie 2000 Eier mal 30 Cent“, sagte er zur OZ. Aber am späten Nachmittag kam für ihn die Entwarnung.

Gründe für die Anordnung

Die Geflügelpest ist eine hoch ansteckende und verlustreiche, anzeigepflichtige Tierseuche bei Wirtschaftsgeflügel und zahlreichen Wildvögeln. Das Virus wird durch direkten Tierkontakt, von Geflügel stammenden Teilen, Rohprodukten und Ausscheidungen, über die Luft sowie durch kontaminierte Personen und Gegenstände wie Transportfahrzeuge und - behälter, Eierkartons oder andere Verpackungsmaterialien verbreitet. Am 15. 02. wurde in einem Hühnerbestand in Groß Siemen das hochpathogene aviäre Influenzavirus H5N8 nachgewiesen. Auf der Grundlage der Paragrafen 21 bis 29 der

Geflügelpestverordnung wurden um den Fundort ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet festgelegt. Um eine Ausbreitung der Erkrankung außerhalb der Restriktionszonen wirksam zu unterbinden, ist es erforderlich, den Verkehr mit Geflügel und potenziell infektionsfähigen Materialien einzuschränken. (Zitat vom Kreis)

Thomas Hoppe

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