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Haus verschwunden, Erinnerung nicht

Pepelow/Neubukow Haus verschwunden, Erinnerung nicht

Zeitzeugen lassen Pepelower Kinderheim aus den 1920er Jahren auf dem Papier wieder aufleben

Pepelow/Neubukow. Die Welt ist ein Dorf: Die gebürtige Rostockerin Helge Viereck (Tochter des anerkannten Kakteensammlers und 1945 enteigneten Besitzers von Gut Schorrentin bei Neu Kalen, Hans-Wilhelm Viereck) – die längst in Berlin lebt – hat über den vor 20 Jahren in Tellow gegründeten „Verein für mecklenburgische Familien- und Personengeschichte“ (MFP) Kontakt zu Walter Stage bekommen, der seit 1957 mit seiner Frau Margarete in Neubukow wohnt. Der gebürtige Dreveskirchener hatte seit 1931 lange Zeit in Rakow gelebt und kennt sich in der Gegend bestens aus. So konnte Walter Stage – Mitherausgeber einer Chronik über Rakow und Teßmannsdorf – Helge Viereck auch den genauen Standort eines Kinderheims angeben, über das die Wilmersdorferin im Oktober 2016 einen Beitrag in den MFP-Mitteilungen veröffentlichte – zusammengestellt nach Aufzeichnungen ihrer Tante Hedwig (Hete) Knauff.

Das war jene Frau, die in den 20er Jahren in Sichtweite des Salzhaffs in Pepelow ein Haus eingerichtet hatte, das in den Sommermonaten Kinder der Auerwerke-Arbeiter (später Osram) aus Berlin beherbergte und die es bis zum Jahr 1939 leitete, als das Deutsche Reich den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brach. Auch Walter Stage wurde eingezogen: „Ich war noch nicht mal 16 Jahre – ich hatte den Ortsgruppenleiter nicht mit dem Hitlergruß gegrüßt“, erinnert sich der 87-Jährige. Sein Glück sei aber gewesen, dass er in der Feldküche eingesetzt wurde. Am 28. April 1945 sei er dann in sowjetische Gefangenschaft gekommen – in ein Lager mit 25 000 Insassen bei Rüdersdorf nahe Berlin. Er sei schon für Sibirien gemustert gewesen, aber zwei Tage vorm Abtransport „kam so eine Russin mit roten Haaren und sagte, ,alles was unter 18 ist raus!’“. Am 20. September 1945 konnte Walter Stage dann heimkehren.

„Zu DDR-Zeiten wohnten im einstigen Pepelower Kinderheim Leute, bis es ein Künstler kaufte, der hinten viele Teile von Bockwindmühlen zu liegen hatte. Der wollte hier was ausbauen, doch im Februar 1990 brannte das Haus ab. Der Mann wurde gerettet“, erzählt Walter Stage und sagt: „Ich kann mich noch entsinnen, wie die Kinder aus dem Pepelower Heim in den 30er Jahren auch in Rakow waren“.

Von seinem älteren Bruder wüsste er noch, dass der Eigentümer des besagten Pepelower Anwesens bis 1920 Christian Zander gewesen sei. Dann hätte es der Strömkendorfer Gutswirt Ernst Staunau erworben.

Mittlerweile bestätigten ihm das auch Dokumente.

Auch im Pepelower Heim-Gebäude selbst, einem sogenannten Hallenhaus (in dem Wohnung, Stallraum und Erntelager in einem großen Hauskörper zusammengefasst wurde), war Walter Stage als Kind gewesen, wie er sagt.

In der Adventszeit des Jahres 1932 hatte Hedwig Knauff die Dorfkinder zum Basteln von Weihnachtsgeschenken (Schlüsselbretter und Kalender) eingeladen und für den 18. Dezember „zu einer weihnachtlichen Feierstunde mit Christbaummärchen und Krippenspiel“. Von der Vorbereitung des Krippenspiels ist überliefert, dass die Gebrüder Laux aus Strömkendorf einige Schaffelle in Pepelow vorbeibrachten: „Sie sahen aus, wie ein Stück Schlachthaus. Schrecklich blutig, mit Kopf und allen Beinen daran. Solch eine naturalistische Dekoration finden wir für friedliche Weihnachtshirten etwas unpassend und suchen ein paar harmlosere Kostüme für die Kinder“, notierte Hedwig Knauff, wie Helge Viereck im MFP-Mitteilungsblatt schreibt. Walter Stage hat die komplette Liste mit den Namen der Kinder, die damals beim Krippenspiel mitmachten. „Da ist sogar meine Schwägerin im Alter von fünf Jahren drauf, die 2016 verstorben ist“, wirft der Hobbyhistoriker ein und zeigt auf einem Foto der kleinen Darsteller zudem auf den „1. Engel“ Lotti Matthews, die jetzt in Berlin lebt, und auf die „8. Schneeflocke“ Robert Lange, der später jahrzehntelang als Fischer das Haff beschipperte und das Gesichtsmodel der allerersten Fischerskulpturen von Bruno Blank gewesen sein soll. Heute ist er 92.

Thomas Hoppe

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