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„In Kröpelin trainiert ein Fußballverein – Das freut mich so“

Kröpelin „In Kröpelin trainiert ein Fußballverein – Das freut mich so“

Das gambische „Patenkind“ einer Kröpelinerin fiebert seit Wochen jeden Dienstag und Donnerstag dem Training beim SV entgegen

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Edrissa Kujabi und seine Patenmutti, Andrea Russnak, gestern in ihrem Kröpeliner Garten.

Quelle: Thomas Hoppe

Kröpelin. Salate, Kartoffeln, Marmeladen und Pflaumen – die schmecken Edrissa Kujabi hier besonders. Er sei schon ein bisschen dick geworden, sagt er und deutet verschmitzt auf seine Oberarmmuskeln.

Da Schulen bauen und helfen, dass die Menschen dort zu Essen haben. Dann haben sie in ihren Ländern auch eine Zukunft.“Andrea Russnak, hilft seit 2006 in Gambia

Reis möchte er dagegen während seines Kröpelin-Aufenthalts nicht essen: „Habe ich genug in Afrika“, sagt der 24-Jährige lächelnd. Kartoffeln seien in seiner Heimat am Atlantik – in Gambia – „ein bisschen teuer“, ergänzt er noch. Dabei ist auch Reis nicht ohne Weiteres für jeden Gambier erschwinglich, denn ein 25-Kilo-Sack soll schon 1150 Dalasi kosten. Wobei dort ein „guter Monatsverdienst“

im Schnitt bei 1500 bis zu 2500 Dalasi (etwa 50 Euro) liegt und ein normales Zimmer mit Toilette, Dusche und Küche 1500 Dalasi kostet. Das weiß Andrea Russnak, eine Kröpeliner Gambia-Expertin, die seit zehn Jahren in dem westafrikanischen Land mit 1,8 Millionen Einwohnern, mittellosen Familien bei der Ausbildung ihrer Kinder hilft, u.a. mit Schulgeld sowie mit Schulmaterialien. Alljährlich fliegt sie dafür nach Gambia.

Die heute 47-jährige, gelernte Verkäuferin und Mutter einer Tochter setzt damit das Engagement ihrer Großeltern fort, die sich nach einer Afrika-Reise über Jahre hinweg als Mitglieder des Vereins „Malaria- und Schülerhilfe Gambia“ für bedürftige Gambier einsetzten.

Über einen deutschen Freund ihrer Großeltern in Gambia kam Andrea Russnak – sie hilft auch noch einem Mädchen – zum Patenjungen Edrissa aus Kerr Seringe und ermöglichte ihm so die Fortsetzung des Schulbesuchs. Sein Vater war gestorben und die Mutter konnte sich mit ihren vier Jungs für Edrissa kein Schulgeld mehr leisten.

„Schon als Zwölfjähriger fragte er, ob er mich mal in Deutschland besuchen könne. Ich sagte ja, aber erst werden die Hausaufgaben erledigt: College-Abschluss, Berufsausbildung und Deutsch sprechen.“

Edrissa hielt sich dran. „Er ging zur Schule, machte erst ein halbes Jahr Deutschkurs, dann noch mal ein viertel Jahr, legte eine Prüfung am Goethe-Institut in Dakar ab“, erzählt Andrea Russnak.

Zudem wurde der junge Mann in einer Hotelfachschule ausgebildet und hat ein Praktikum in einem Fünf-Sterne-Hotel hinter sich. Jetzt spricht er neben der gambischen Amtssprache Englisch auch die Stammessprachen Jola (von seinem Stamm), Mandinka und Wolof sowie Deutsch „und ein bisschen Französisch“.

Gelandet war Edrissa Kujabi vor sieben Wochen in Hamburg. „Ich dachte es ist ein Traum. Gleich sagt jemand: Hallo, steh’ auf. Du bist in einer anderen Welt, sie ist nicht Afrika“, schildert er seine ersten Gedanken auf deutschem Boden. Und kommt gleich darauf auf Berlin zu sprechen, wo er gemeinsam mit seiner Patenmama ein Wochenende verbrachte. „Da hat er sich gar nicht wieder eingekriegt“, schickt Andrea Russnak voraus. „Berlin ist...“, Edrissa macht eine Pause, „...ganz super! Wenn ich nach Afrika wieder zurückgehe und muss erklären, wie Berlin ist – glaub mir, die glauben mir nicht.

Ohne Fotos glauben die mir nicht. Aber ich habe so viele Fotos gemacht – wenn die sagen ,nein’, sage ich ,doch’ und ’guck mal hier’.“

Und Kröpelin? „Auch ganz okay“, sagt der Gambier im tiefen Brustton der Überzeugung. Auf die Frage, was hier das Beste sei, muss Edrissa Kujabi nicht lange überlegen: „In Kröpelin trainiert ein Fußballverein – ja, das freut mich. Am Dienstag und am Donnerstag.“

Er habe schon mittrainiert, erklärt Andrea Russnak und sagt: „Er hat ja keinen Spielerpass, aber er ist richtig gut und die Jungs sind so toll zu ihm – das sind schon richtige Freunde, stimmts Idi?“

Er nickt und sagt Ja. Wenn die Mannschaft „richtig spielt“, schaue er zu, erzählt er. Zu Auswärtsspielen werde er mitgenommen: „Kein Problem. Ja, die sind nett“, meint Edrissa. „Wenn er 2017 wieder ein Visum erhält, wollen sie beim KSV 47 sogar versuchen, dass er einen Spieler-Pass bekommt und für die Elf spielen kann“, wirft die Patenmutti ein.

Wenn er jetzt nach acht Wochen wieder nach Hause kommt, wolle er seinen Freunden vor allem sagen, dass es „keine gute Idee“sei, nur nach Europa zu wollen. „Alle können nicht hierher kommen“.

Er kenne Gambier, die würden nicht zur Schule gehen, hätten keine Arbeit, aber meinten immer, sie wollten nach Europa. Er sagt dazu: „Ich denke, dass ist eine falsche Idee. Ich werde meinen Freunden sagen, sie sollen zur Schule gehen und arbeiten.“

Verein „Pro Kids Gambia“

Andrea Russnaks Großeltern (Opa Gerd war Berufsschullehrer, Oma Karla stellv. Direktorin in Brandenburg) hatten vor Jahren in Gambia Urlaub gemacht und dann gemeint, dass man den Leuten dort helfen müsse. Deshalb waren sie 2001 dem Verein „Malaria- und Schülerhilfe Gambia“ beigetreten. Seit Mai 2012 heißt der Verein „Pro Kids Gambia“. Er versucht derzeit über 450 Patenschaften Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. So könnten schon für 50 Euro im Jahr die Schulgelder (inkl. Schulkleidung und tägl. Lunch) für die 1. bis 5. Klassen pro Kind beglichen werden. Dank des Vereins wurde z.B. in Njongong (auf der Nord-Bank von Gambia) eine ganze Schule für 120 Kinder errichtet.

• www.prokids-gambia.de

Thomas Hoppe

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