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Integration braucht Ehrenamt

Neubukow Integration braucht Ehrenamt

Landessozialministerin und Landrat tauschten sich mit Neubukowern ausführlich über Flüchtlingssituation aus

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Reger Austausch (v.l.): Integrationskoordinator Roman Stieler, Fachdienstleiterin Ina-Maria Fahning, Sozialministerin Birgit Hesse, Landrat Sebastian Constien. Sozialdezernentin Anja Kerl, Leiterin des Ministerinbüros Anka Topfstedt, Pastorin Margret Pörksen, Mayada Al Ramadan, Chefköchin Bianca Gardemin (verdeckt), Gleichstellungsbeauftragte Doreen Prüter, Bürgermeister Roland Dethloff und Integrationslotsin Britt Siara.

Quelle: Fotos: Thomas Hoppe

Neubukow. Um die 50 Flüchtlinge leben derzeit in Neubukow. Ein ehrenamtlicher Helferkreis kümmert sich seit Monaten um die Neuankömmlinge, lädt sie zu Deutschkursen ein, hält engen Kontakt zum Sozialamt und zur Integrationslotsin des Landkreises. Er half zum Beispiel beim Umzug von Flüchtlingen aus der Reriker Rettungsschwimmerunterkunft in die Schliemannstadt, treibt mit einigen Sport, lehrt im Gemeindehaus der Kirche das Trompetespielen, verteilt Spenden und organisiert nun weitere Projekte zur gesellschaftlichen Einbindung.

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Vornan agiert Doreen Prüter, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und Koordinatorin in Sachen Flüchtlinge. An diesem Mittwochmorgen sitzt ihr in einer „Integrationsrunde“ am „Gedeckten Tisch“ die Sozialministerin des Landes gegenüber und fragt, nachdem sie vom großen Aufgabenspektrum erfuhr, ob Doreen Prüter vom Amt sei. „Vom Ehrenamt“, lautet die kurze Antwort. „Aber Sie sind nicht vollständig freigestellt?“, hakt Birgit Hesse interessiert nach und die Neubukowerin und Sozialdezernentin im Landkreis Rostock Anja Kerl wirft ein: „Sie hat einen verständnisvollen Arbeitgeber“.

„Ja, meinen Mann“, sagt die Frau von Tischlermeister Thomas Prüter. Und sie ergänzt ganz offen, dass die Integrationsarbeit für alle Beteiligten mittlerweile ganz schön hart sei.

Das ringt der Ministerin Bewunderung ab. „Sie machen das alles ehrenamtlich?! Oah! Respekt, vielen herzlichen Dank. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt die 41-jährige Sozialdemokratin und spricht offen über das Bemühen in der Politik, das Ehrenamt nicht zu überfordern.

„Deswegen sind wir im Moment dabei, zu gucken, wie wir das Ehrenamt weiter unterstützen können. Zum einen mit Hauptamt, wie die Integrationslotsen, zum anderen durch die Ehrenamtsstiftung, die auch Beratungen und Kurse anbietet. Wir werden im Juni mit der kommunalen Ebene beim Ministerpräsidenten zusammensitzen und wollen genau solche Punkte auch noch einmal thematisieren. Wir sehen hier doch so schön, ohne Ehrenamt funktioniert Integration nicht — man kann nicht nur von oben integrieren“, sagt Birgit Hesse.

Die Politikerin fragt in die Runde, ob die Asylbewerber — wie oft in anderen kleinen Städten — Neubukow wieder verlassen würden, sobald sie ihre Anerkennung als Flüchtling erhalten hätten. „Das ist ein Kommen und Gehen. Und das ist für die Ehrenamtler auch schwer“, antwortet Doreen Prüter. Das Motiv für eine Art Patenschaft wäre natürlich größer, wenn man wüsste, dass die oder die Flüchtlingsfamilie im Ort bliebe, heißt es. Im Moment würde wieder anstehen, dass elf Flüchtlinge Neubukow verlassen würden.

Darin sieht auch Landrat Sebastian Constien ein Problem, weil sich so viel schwerer vertrauensvolle Beziehungen aufbauen ließen. Er meint dazu: „Wir müssen mal sehen, wie sich das mit der Wohnsitzauflage entwickelt — ob dann ein auch späteres Bleiben der Flüchtlinge an dem Ort, wo sie schon anfangs untergebracht wurden, zu verzeichnen ist“. Der Landrat nennt das Ehrenamt die „wesentliche Säule“der Integration. „Man wird die Kräfte, die jetzt ehrenamtlich tätig sind, in der Masse natürlich nicht hauptamtlich beschäftigen können. Das muss man ehrlicherweise ganz deutlich sagen“, unterstreicht Sebastian Constien und sagt: „Die Integration umzusetzen, da ist jeder Einzelne gefordert.“Die Leiterin des neuen Landkreis-Fachdienstes „Integration und Unterbringung von Flüchtlingen“, Ina-Maria Fahning, ermuntert die Ehrenamtler, nicht in ihrem Engagement nachzulassen: „Vielleicht überlegen sich die Flüchtlinge gerade wegen dieser Energie, die ihre Helfer aufwenden, in dem jeweiligen Ort zu bleiben.“

Der 19-jährige Nizar Naseef, der aus Latakia (Syrien) gekommen ist, bestätigt das indirekt. Ihm gefalle es in Neubukow, sagt der einstige Glaserei-Mitarbeiter in die Runde. Die Integrationslotsin Britt Siara steuert bei, dass sich auch ein gelernter Schneider aus Damaskus entschieden habe, mit seiner Familie hier am Hellbach zu bleiben. Er arbeitet bereits in Rostock-Sievershagen.

Den Neubukower Bürgermeister fragt Birgit Hesse, wie seine Bürger generell auf die Fremden reagieren würden. „Wir haben hier einen hohen Anteil an Sozialleistungsempfängern und an Personen, die an den Arbeitsmarkt herangeführt werden müssen. Da heißt es manchmal, wir würden uns nur um die Flüchtlinge kümmern. Dabei achtet die Stadt immer darauf, dass alle mitgenommen und auch alle betreut und versorgt werden“, erläutert Roland Dethloff. Er sieht in diesem Zusammenhang auch eine große Verantwortung bei den Jobcentern.

Die Integration werde sich einlaufen, ist der Verwaltungschef sicher: „Zu uns zogen vor rund 15, 20 Jahren Russlanddeutsche, die haben sich längst integriert, einige haben Häuser hier, vernünftige Arbeit — sie sind mittendrin und sind im gesellschaftlichen Leben aktiv.“

Von Thomas Hoppe

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