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Ist Schweinemast in Neubukow Geschichte?

Rakow Ist Schweinemast in Neubukow Geschichte?

Dänische Partner der Hansefleisch GmbH beendeten aus wirtschaftlichen Gründen Mast in Neubukow und Spriehusen

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„Hier ist alles renoviert, hier waren wunderbare Leistungen erreicht worden und es ist alles auf dem neuesten Stand der Technik sowie umweltfreundlich“, lobt Horst Podßun diesen Betriebsteil in Spriehusen.

Quelle: Fotos: T. Hoppe

Rakow. In Neubukow hinter der Biogasanlage am Stellwerk und in Spriehusen an der Neubukower Straße ist „die Schweinemast zurzeit aufgehalten“. So drückt das Horst Podßun aus. Der Rakower ist der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft „Am Salzhaff“ und bestätigt der OZ auf Anfrage, dass hier sein dänischer Kooperationspartner – „dieser Konzern ist übrigens auch der größte Hähnchenküken-Produzent in Europa“ – vor geraumer Zeit sein Engagement in Sachen Schweinemast beendet habe. „Die Dänen hatten uns Schweine und Futtermittel geliefert, wie haben die Tiere gemästet. Da aber die Schweinepreise seit zwei Jahren im Keller sind – auch wenn sie jetzt leicht steigen – hatten die Dänen entschieden, sich allmählich von ihren ehemals 28 000 Sauen in Dänemark zu verabschieden. Damit war auch der Plan zu expandieren, wozu wir hier in Neubukow das erste Beispiel für Deutschland schaffen wollten, hinfällig geworden“, erklärt Landwirt Podßun. Ein eigener Neuanfang oder die Fortführung der Mast sei zurzeit eben schwierig, insbesondere wegen der Marktpreise für Schweinefleisch. „So einen Bestand von 8000 Schweinen wieder einzustallen, wir hatten ja sonst immerhin 25 000 Schweine produziert – ist ein Risiko, das schwer zu kalkulieren ist“, sagt der Geschäftsführer. „Derzeit verlangt die Effektivität, dass man alle zwei, drei Jahre zehn Euro pro Schwein dazupackt. Dann sind bei 25 000 Schweinen in zwei Jahren eine halbe Million und mehr weg“, rechnet Horst Podßun vor und nennt es „das Traurige an einem Bauern oder überhaupt in der Landwirtschaft“, dass man etwas anbaut oder Tiere großzieht und erst, wenn alles fertig ist, sagt der Käufer das und das bekommst du dafür: „Der Handwerker weiß immer vorher Bescheid, was er für sein Produkt nehmen kann, der Bauer nicht.“

 

OZ-Bild

Der Hand- werker weiß vor- her, was er für das Produkt neh- men kann, der Bauer nicht.“Landwirt Horst Podßun

Der müsse auf die Marktentwicklung warten und auf das, was da irgendwann kommt und „bei den Schweinen kam in den letzten Jahren immer etwas dazwischen“.

Obwohl dieses Risiko und die Verluste in Neubukow und Spriehusen im Grunde genommen von den Dänen getragen wurden, bedauert Horst Podßun sehr, dass er seine beiden mit der Arbeit vor Ort beschäftigten Leute erst ein Jahr lang in Kurzarbeit schicken und letztlich entlassen musste. Somit stünden die Mastställe derzeit leer, bis eine Lösung gefunden ist. Die könnte im Verkauf liegen oder in einer Kooperation mit einem neuen strategischen Partner, heißt es. Bei Hansefleisch – einer 100-prozentigen Tochter der Agrargenossenschaft „Am Salzhaff – laufe aber die Verarbeitung von Schweinen in Spriehusen weiter und die Fleischgeschäfte, „vor allem der Imbiss beim Neubukower Netto“, unterstreicht Horst Podßun. Traurig sei allerdings, dass es zwar der immer wieder erklärte Wille der Bevölkerung sei, frisches, gesundes Fleisch haben zu wollen, aber das alles immer so günstig wie möglich sein soll. „Dadurch müssen viele Fleischer, wie auch im Backwarenbereich die Bäcker, ihre Geschäfte aufgeben, weil die Verkaufspreise einfach nicht auskömmlich sind“, sagt der Unternehmer und ergänzt, dass man sich da als regionaler Produzent bemühen könne, wie man wolle, „doch die Lockangebote in den Hallen – mit 69 Cent für Aufschnittwurst oder ein Kilo Schweinefleisch für 3,99 Euro – machen den Markt kaputt“. Er sieht bei aller nötigen Differenzierung einen Durchschnittspreis von 5,50 bis 6 Euro für ein Kilo Schweinefleisch als angebracht an. „Heiße Theke“ sei heute das Überlebensrezept, die eigene Veredelung. „Das läuft immer besser. Man kann nicht frischer essen, bis hin zu den Beilagen wie die Kartoffeln aus Wendelstorf oder das Gemüse“, erklärt Horst Podßun, übersieht aber auch hier nicht den Trend zum Sparen: „Viele Leute kommentieren natürlich unsere Preisentwicklung bis zum Tagesgericht für 4,10 Euro. Man merkt schon, dass Mecklenburg nicht München ist.“

Thomas Hoppe

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