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Jürgen Weymann ist tot

Klein Strömkendorf Jürgen Weymann ist tot

Kurz vor der Vollendung seines 73. Lebensjahrs ist der Bürgermeister der Gemeinde Am Salzhaff plötzlich verstorben

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Der Bürgermeister (r.) und der Gemeindewehrführer Kluczenski (l.).

Klein Strömkendorf. „Ich habe mir geschworen, damit ich mich nicht so anfechten lassen muss, meine Gutmütigkeit abzulegen. Jeder muss sich auch ein bisschen an die Ordnung in der Gemeinde gewöhnen. Das bringt auch was Gutes ein, dass etwas mehr Disziplin herrscht“, umriss Jürgen Weymann in einem Gespräch mit der OZ am 12. Juli den künftigen Kurs am Salzhaff.

OZ-Bild

Kurz vor der Vollendung seines 73. Lebensjahrs ist der Bürgermeister der Gemeinde Am Salzhaff plötzlich verstorben

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Der Doktor hätte ihm auch gesagt, dass er sich nicht mehr so viel ärgern solle, ergänzte der Bürgermeister. Doch nun ist er tot.

Das Herz des 72-Jährigen hat am Sonntagmorgen plötzlich aufgehört zu schlagen. Da konnte selbst die Erste Hilfe seiner Frau und eines herbeigeeilten Wismarer Feuerwehrmanns, der bei den Weymanns ein Dauercamper ist sowie die Wiederbelebungsmaßnahmen des Wismarer Notarztes nichts mehr machen. Die Trauer bei Vielen ist groß.

Jürgen Weymann hinterlässt seine Frau Elzbieta, insgesamt acht Kinder, fünf Enkel und eine Urenkelin.

Dem Freund und Bürgermeister-Stellvertreter Hans-Adolf Barck stehen die Tränen in den Augen, als er davon spricht, wie „Jürgens offene, direkte und warmherzige Art“ sie beide zu einem Team werden ließ, aus dem „im gegenseitigen Vertrauen eine echte Freundschaft“ erwuchs. „Unsere unterschiedliche systembedingte Vergangenheit mit der jeweiligen individuellen Erfahrung war die ideale Basis für unsere Zusammenarbeit in der Gemeinde. Er mit seinem DDR-internen Wissen und ich mit meinen Westerfahrungen ergänzten sich, weil es ja zusammenkommen musste“, erklärt der Mann, der in Hamburg aufwuchs. „Meine Frau und ich haben ja am Anfang viele Dinge nicht verstanden, wie Haus und Grundstück getrennt sein können und all solche Sachen. Er kannte sich dafür z.B. nicht so bei Verträgen zum Erbbaurecht aus. Wir konnten uns alles sagen, alles.“ Sabine Barck – bis zur 2004er Fusion der Gemeinde Rakow mit Pepelow selbst eine Legislatur lang Mitglied im Rakower Gemeinderat – betont: „Jürgen Weymann ist ein unheimlich aufrichtiger Mensch gewesen. Da war nichts Falsches!“

Hans-Adolf Barck meint dazu, dass Jürgen Weymanns Leitmotiv die Hilfsbereitschaft gegenüber den Mitbürgern war. Manche hätten das und sein Harmoniebedürfnis allerdings auch ausgenutzt, heißt es gestern von verschiedenen Seiten.

Für den Vorsteher des Amtes Neubukow-Salzhaff und Bürgermeister der Gemeinde Kirch Mulsow, Thomas Jenjahn, ist es unfassbar, dass Jürgen Weymann so einfach weg ist: „Vorige Woche haben wir noch zur Jugendhilfeplanung zusammengesessen. Es ging darum, was auf diesem Gebiet in den nächsten Jahren gemacht wird“.

„Ich werde ihn als Menschen in Erinnerung behalten, der sehr harmoniebedürftig war, aber Konflikten nicht aus dem Weg ging. Ein Pragmatiker, der auch mal die unkonventionelle Lösung suchte. Dabei war es nicht immer einfach, ihn vom Gegenteil zu überzeugen“ , sagt Thomas Jenjahn. Zudem schätzt er ein, dass es besonders in der letzten Zeit bei Bauprojekten am Haff nicht einfach war, den Leuten beizubringen, dass sie Geld ausgeben müssen, wenn eine neue Straße gebaut wird: „Das hat an ihm auch genagt, dass ihm dabei so zugesetzt wurde.“ Das bestätigt indirekt Jürgen Weymanns Frau Elzbieta:

„Er hatte Sorgen mit der Mittwochversammlung zur Pepelower Straße. Nach einer ersten Sitzung kam er ganz traurig nach Hause“, erinnert sie sich unter Tränen. Quasi eine Freundin der Familie, Ramona Both, ist bei ihr und sagt: „Wir kennen uns seit sieben Jahren. Jürgen wollte für alle da sein. Ich mache ja die Seniorenbetreuung in der Gemeinde und Jürgen ist damit mein Chef, aber er ist auch ein guter Freund gewesen. Er war sehr, sehr offen, lustig, einfach so ein Gemütsmensch. Er hinterlässt eine Lücke. Ich weiß nicht, wie man die wieder schließen kann.“ „Ich habe meinen Mann nie einmal Nein sagen hören, wenn ihn jemand sprechen wollte. Ob manchmal sonntags um acht Uhr von der Gemeinde jemand geklopft hat oder wann auch immer. Er hat immer gesagt, ja ich gucke, ich probiere, ich versuche...“, sagt Elzbieta Weymann noch.

„Meine Anteilnahme gilt der Familie“, erklärt Neubukows Bürgermeister Roland Dethloff zum Ableben des Kollegen und betont: „Ich kenne Jürgen Weymann seit vielen Jahren persönlich. Er hat immer das ausgesprochen was er auch dachte. Dienstlich hatten wir einige Berührungspunkte, wobei in Sachlichkeit zur Lösung gefunden wurde.“

Für die Ordnungsamtsleiterin Ilona Zippert, vom Amt Neubukow-Salzhaff, war Jürgen Weymann „sehr sozial“ eingestellt: „Er wollte immer, dass die Leute in Frieden zusammenleben. Die Gemeinschaft war ihm wichtig.“ „Er wollte es im Grunde genommen allen recht machen. Das war manchmal ein Vorteil, manchmal in den Sitzungen aber auch ein Nachteil“, erinnert sich der Wahlpinnower Jörg Zander (Rakows Bürgermeister von 2002 bis 2004 und danach Gemeinderatsmitglied) an Jürgen Weymann: „Er hat sich so manchmal verzettelt und seine Arbeit nicht leicht gemacht. Aber er war umgänglich und verständnisvoll“. Jürgen Weymann habe ihm auch als ehrenamtlicher Betriebsleiter der Gemeindewerke Rakow voll vertraut, sagt Jörg Zander und verweist darauf, dass er als solcher für die Gemeinde 2014 Teßmannsdorfer Windkraftanlagen verkauft habe: „In den Gemeindefinanzhaushalt sind die erzielten gut 200000 Euro aber noch nicht eingeflossen, weil die Gemeindewerke vorher vernünftig abgewickelt werden müssen“.

Horst Podßun hat Jürgen Weymann Anfang der 80er kennengelernt: „Mit ihm konnte man klarkommen“, sagt der Unternehmer und erklärt: „Jürgen Weymann hatte eine robuste ländlich-bäuerliche Art, aber er war immer auf die Leute und das Dorfgeschehen bedacht. Manche sagen ihm nach, dass er eigene Interessen verfolgt hätte, aber das sehe ich überhaupt nicht so. “ Jürgen Weymann hätte früh erkannt, dass die Rakower Hotel- und Wohnprojekte von Podßun für das Dorf und die ganze Gegend zukunftsträchtig seien: „Er hat versucht, überall Brücken zu bauen, alle Leute mit einzubeziehen. Auch damit der Schandfleck – die alte Rakower Milchviehanlage – wegkommt“. Dass die einst von Jürgen Weymann mit aufgebaut worden war, kritisiert Horst Podßun nicht: „Damals war dieser Stall die Chance alles zu konzentrieren und zu modernisieren, statt der vielen unmöglichen kleinen Rinderställe, deren Decken bald runtergekommen sind und wo mit Karre und Forke gearbeitet werden musste. Nicht Herr Weymann hat entschieden, an welche Stelle des Dorfes der Stall gesetzt werden sollte.“

Er arbeitete mehr als 20 Jahre im Bürgermeisteramt

Der gebürtige Chemnitzer war 1957 mit seinen Eltern in der Aktion „Industriearbeiter aufs Land“ in den Norden gekommen. Mit 24 wurde der Agraringenieur Jürgen Weymann jüngster LPG-Chef des Bezirkes Rostock in Völkshagen bei Marlow. Nach seinem Diplom, das er an Rostocks Uni im Fernstudium ablegte, arbeitete er in Lischow und schließlich in der LPG Rakow/Pepelow als Leiter der Tierproduktion. Hier baute er den Stall im Zentrum Rakows mit auf. 1978 bis 1982 war Weymann hauptamtlicher Bürgermeister in der Gemeinde Pepelow. Danach leitete er am Haff von 1984 bis zu seinem Ende in der Wende das einzige Zeltlager für Behinderte in der DDR, das jährlich rund 600 Leute besuchten. Dann kamen bis zu 70 ABM-Kräfte auf das Terrain in Klein Strömkendorf, die sich vor allem um die Umwelt kümmerten und dafür geschult wurden. 1996 startete hier der Campingplatz Weymann. Bürgermeister war Weymann in der Gemeinde Pepelow auch von 1994 bis 1999. In der Gemeinde Am Salzhaff von 2004 bis jetzt.

Thomas Hoppe

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