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Kröpelin: Vandalismus in Kleingärten

Kröpelin Kröpelin: Vandalismus in Kleingärten

Im Verein „Poggendiek“ wird überlegt, mit einem Tor am Hauptweg den Durchgang zu verhindern

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Blick in eine Gartenlaube des Kröpeliner Gartenvereins „Poggendiek“, wo seit Monaten ein stadtbekannter Wohnungsloser hausen soll.

Quelle: Fotos: Thomas Hoppe

Kröpelin. Die Kleingärtner im Kröpeliner Verein „Poggendiek“ sind sauer: Wochenende für Wochenende würden hier – insbesondere am Hauptweg, der die Anlage durchläuft und auch von vielen Bürgern für ihre Netto-Einkaufstour als Abkürzung genutzt wird – wohl vor allem von Jugendlichen „überall Mist und Dreck verteilt“, wie Sabina Lange berichtet. Jetzt steht die Frau – die im Vorstand für die Finanzen zuständig ist – und der Gartenvereinschef, Maik Kroschewski, vor einer von zwei durchschossenen Schaukasten-Scheiben und sagt: „Wir haben uns so eine Mühe gegeben, für die Mitglieder solche Kästen herzurichten, damit das nicht nur immer so ein Holzbrett ist . . .“

OZ-Bild

Im Verein „Poggendiek“ wird überlegt, mit einem Tor am Hauptweg den Durchgang zu verhindern

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Unweit davon kann man die Reste einer Bank am Hauptweg sehen, deren hölzerne Sitzfläche fast akkurat herausgetrennt worden ist (siehe Foto). Ein Laubenpieper aus der Nähe will am Tag der Tat erst gegen 22.45 Uhr seinen Garten verlassen haben. Da wäre noch alles in Ordnung gewesen, heißt es, am nächsten Morgen dann nicht mehr.

„Das ist wirklich unser extremer Weg. Wenn Jugendliche hier am Wochenende durchgehen, fliegt der Müll in die Gärten rein, werden Blumenkästen runtergeschmissen – es ist eine Katastrophe“, schätzt Sabina Lange ein. Sie hat seit 16 Jahren in der Anlage einen Garten und meint: „Es wird immer schlimmer, von Jahr zu Jahr. Manchmal lag hier sogar Kot auf der Bank. Bei einem Arbeitseinsatz des Gartenvereins streikten die Mitglieder. Es ist unsere Gartenanlage, und wir räumen den Dreck von anderen weg“.

Der Weg selbst sei auch jedes Mal dreckig, wie Maik Kroschewski ergänzt. Nun sei der Gartenverein „drauf und dran“ sich am Ende des Weges, der einen Bach quert, ein Tor einbauen zu lassen und es dann für die Öffentlichkeit zu verschließen. „Herr Kroschewski hat sich beim Bürgermeister erkundigt, wir haben das Recht dazu. Das ist unsere Gartenanlage“, betont Sabina Lange und ergänzt: „Das ist natürlich nicht ohne, kostet einen Zacken Geld – aber wir sind irgendwo gezwungen. Wir sehen es nicht mehr ein, dass hier Bürger, Jugendliche – nicht Vereinsmitglieder – am Wochenende. . . Es geht auf die Sommerferien zu. Wissen Sie, was dann abgeht?!“ Neben dem geplanten Torstandort steht ein Gartenhäuschen mit einer zerschlagenen Fensterscheibe, aus dem es erbärmlich stinkt. „Hier haust Utz.

Die jungen Leute von Gegenüber hatten hier alles dicht gemacht – doch das hat er kaputtgeschlagen“, berichtet Sabina Lange. Der bisherige Pächter hätte diesen Garten 2016 aufgegeben, weil der wohnungslose Kröpeliner Utz G. hier „am laufenden Band drinne war“. Gartenvorstandsmitglied Lange unterstreicht: „Er ist ja eingebrochen ohne Ende!“ und der Vorsitzende bestätigt das. Wenn diese Laube jetzt abgerissen würde, vermuten die Gartenfreude, würde sich Utz G. die nächste Hütte suchen. „Wie machen wir es jetzt richtig. Er lässt sich ja nicht helfen? Er will so leben und fertig ...

aber nicht doch auf Kosten anderer!“, sagt Sabina Lange. Maik Kroschewski erinnert daran, dass die Polizei G. hier im Vorjahr schon mal rausholte. Weil es zu kalt gewesen war, hatten Kröpeliner die Beamten gerufen. „Einen Abend war er in Rostock beim Güterbahnhof (Obdachlosenasyl, d.R.), das nächste Mal wurde er nach Hohenfelde gebracht, beim dritten Mal musste er so raus“, erzählt der Vereinschef. Die Vereinsmitglieder im Umfeld würden jetzt verzweifeln, heißt es.

Insgesamt zählt „Poggendiek“ 112 Mitglieder, drei Gärten ohne Laube sollen leer stehen.

Utz G. zeigt gegenüber der OZ kein Verständnis für die Sorgen und den Ärger seiner Mitmenschen, die er verursacht hat: „Das geht alles. Dieser Garten ist freigegeben“, meint er an diesem Dienstag auf einer sonnigen Rathausbank und behauptet stur und steif, er habe noch nie eingebrochen: „Mann, ich bin 63 Jahre, und dann breche ich bei anderen Leuten ein? Nee! Der Gartenchef muss mal abends durch die Gegend gehen, was da für Leute rumlaufen!“ Zu den Angeboten der Stadt für eine Bleibe meint der Mann noch, da wolle er nicht rein: „Ich liege lieber draußen in der Luft“. Als die OZ ihn dann an den Gestank in besagter Laube erinnert, sagt er plötzlich, er würde seit über einem Jahr schon ganz woanders sein . . .

Bürgermeister Thomas Gutteck (parteilos) wiegt zu Utz G. den Kopf: „Er ist ein mündiger Bürger, es ist seine Form so zu leben, wir erneuern unsere Angebote an ihn kontinuierlich. Dazu sind wir mit ihm auch regelmäßig in Kontakt.“ Wenn Herr G. Landfriedensbruch begangen habe, empfehle er, das bei der Polizei zur Anzeige zu bringen.

Thomas Hoppe

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