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Kröpeliner Pfarrhaus soll Neubau weichen

Kröpelin Kröpeliner Pfarrhaus soll Neubau weichen

Gemeinde bemühte sich jahrzehntelang vergeblich um Erhaltung des ältesten Wohnhauses der Stadt

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Pastor: „In der 1. Etage gibt es einen Höhenunterschied der Räume von 23 cm innerhalb von fünf Metern. So sehr ist es versackt.“

Quelle: Fotos: Thomas Hoppe

Kröpelin. „Besuchen Sie das Pfarrhaus, solange es noch steht“ ist ein Brief überschrieben, der die OZ am Wochenende aus Kröpelin erreichte. „Es stimmt mich traurig, dass es weg soll und ich kann es nicht begreifen, denn so alte Häuser haben doch ihren Charme. Es gibt doch heutzutage ganz viele Möglichkeiten, alte Gebäude zu sanieren“, heißt es in dem knapp 30 Zeilen langen Schreiben. Und es enthält Fragen, wie zur geplanten Errichtung eines neuen Gemeindehauses, die nach OZ-Informationen zahlreiche Kröpeliner bewegen. Deshalb wandte sich die Lokalredaktion dazu an den langjährigen Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Kröpelin, Olaf Pleban.

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Gemeinde bemühte sich jahrzehntelang vergeblich um Erhaltung des ältesten Wohnhauses der Stadt

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„Das geht uns, dem Kirchengemeinderat, ja auch so, dass wir bedauern, dass sich keine Lösung für das alte Pfarrhaus gefunden hat. Wir nehmen nun ja nicht leichtfertig Abschied von dem Haus“, beteuert der Pastor und wirft einen Blick auf die Vorgeschichte.

Bereits 1998 sei geprüft worden, ob das Gebäude saniert werden könne. Damals wurden nach den Worten von Olaf Pleban auch viele „richtig teure“ Gutachten erarbeitet. „Ein dicker Ordner voll“, erzählt er.

Unterm Strich hätten allein für die Sanierung des Baukörpers Ende der 1990er Jahre Kosten von 1,1 Millionen D-Mark gestanden: „Ohne Treppe, ohne Küche, ohne Bad oder so etwas“, erläutert der Kröpeliner.

Über eine Sanierung des 1739 erbauten Gebäudes ( das auf dem Fundament der 1738 durch eine Feuersbrunst zerstörten Pfarrei steht) war in 1990er Jahren nachgedacht worden, weil der Kirchengemeinde die Räume fehlten.

Die Sozialstation und die Gemeinderäume gab es damals noch nicht, an ihrer Stelle stand eine alte Scheune mit einer in den 1980er Jahren eingebauten Wohnung für Diakone, die bis 1999 belegt war.

Zu DDR-Zeiten hatten in der Scheune die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) und viele Jahre die Kaninchenzüchter eine Heimstatt gefunden.

Im alten Pfarrhaus nebenan wohnte auch Olaf Pleban anderthalb Jahre lang. Er erinnert sich noch, wie es in einer Nacht des Jahres 1999 im Gebäude „einen riesengroßen Knall“ gab und ungefähr fünf Quadratmeter Zimmerdecke heruntergefallen waren – „ein zentnerschweres Teil“. „Das ganze Haus war staubig – so schlimm war das damals schon“, sagt der Pastor und betont: „Wir hatten immer noch die Hoffnung, dass wir das irgendwie hinkriegen würden.“ Doch das alte Pfarrhaus passte nicht zum Bedarf an Gemeinderäumen, an Platz für die von der Gemeinde betriebene Sozialstation sowie für die Verwaltung. Da sei dann die Idee aufgekommen, dass dafür die Scheune ganz und gar ausgebaut werden könnte – wie es letztlich auch geschah, plus Dienstwohnung für den Pastor. „Im alten Haus hätten wir die gar nicht finanziert bekommen“. Alles zusammen soll die Kirche dann rund 450000 gekostet haben. Das Doppelpack „Scheune mit Gemeinderäumen inklusive Sozialstation mit neun Mitarbeitern sowie ein neues Pfarrhaus“ konnten 1999 bezogen werden. Das alte Pfarrhaus war mittlerweile der Stadt als künftiges Museum mit Bibliothek für eine D-Mark angeboten worden. Das wurde in den Ausschüssen anderthalb Jahre lang beraten und dann abgesagt, denn auch die bereits stadteigenen Häuser verlangten nach einer Nutzung, wie der Zeitzeuge erklärt. Auf die folgende Verkaufsannonce für das historische Pfarrhaus meldeten sich nach Olaf Plebans Angaben drei Maklerbüros, die offensichtlich nur auf das Grundstück scharf waren: „Sie wollten hier einen Wohnkomplex oder so hinsetzen“. Damals hätte die Denkmalpflege schon geschrieben – denn das Pfarrhaus trägt die Nr. 416 auf der Denkmalliste für den Bereich des Altkreises Bad Doberan – „wenn wir einen Abriss planen würden, würden sie sich dem nicht entgegenstellen“, sagt der Pastor. Aber die Gemeinde wollte das Haus nicht schleifen und bot es weiter Interessenten zum Kauf. „Zwei Familien kamen unabhängig voneinander und wollten sanieren. Der erste Mann schlug die Hände überm Kopf zusammen und lehnte ab. Die zweite Familie wurde von einem Architekten begleitet und war einen ganzen Tag im Haus“, erinnert sich der Pastor und bringt ihr Fazit auf den Punkt: „Ist nicht machbar“. Nachdem auch die Versuche gescheitert waren, einen Förderverein zum Erhalt des ältesten Wohngebäudes der Stadt ins Leben zu rufen, blieb das Haus einfach stehen.

Schließlich habe sich der Kirchengemeinderat geeinigt, das alte Pfarrhaus abzureißen und auf seiner Fläche ein Gemeindehaus mit Gruppen- und Unterrichtsraum, mit einer Küche und der neuen Pastor-Dienstwohnung errichten zu wollen. Zumal die Sozialstation mittlerweile 24 Mitarbeiter zählt und aus allen Nähten platzt. Sie und die Verwaltung könnten künftig die „Scheune“ allein nutzen.

Das 1999 bezogene Pastor-Haus würde verkauft oder vermietet werden und mit den Einnahmen könnte der Neubau (rund 800000 Euro Gesamtkosten) mitfinanziert werden.

Olaf Pleban sagt: „Wir sind jetzt in den Startlöchern. Im Januar beschloss der Kirchengemeinderat, den Abrissantrag vorzubereiten. Dafür wird derzeit das Einvernehmen mit allen Stellen hergestellt, die dafür ein Votum abgeben müssen. Wenn alle zustimmen, wird es übers Jahr zum Abriss kommen. Mit der Perspektive, dass wir da Ende 2017/Anfang 2018 ein neues Gemeindehaus hinstellen.“

Thomas Hoppe

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