Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Kutschen-Ausverkauf in Kröpelin

Kröpelin Kutschen-Ausverkauf in Kröpelin

Reit- und Fahrverein trennt sich von alten Gefährten / Neuer, verjüngter Vorstand kurbelt Vereinsleben an

Voriger Artikel
Busch-Abend in der Mühle
Nächster Artikel
Erntedankfest in Alt Bukow mit gestiefeltem Kater

Die Tourismuskauffrau Juliane Zablowski aus Rerik an einer weißen Hochzeitskutsche. Bilder der Gefährte des Kröpeliner Reit- und Fahrvereins finden sich auch auf der Facebook-Seite des Vereins. Es werden Liebhaber gesucht, die sich jetzt der Fahrzeuge, manche sind über 100 Jahre alt, annehmen . Fotos(5): Thomas Hoppe

Kröpelin. „Es war so ziemlich das Erste, was ich hier gemacht hab’. Es war so toll, das weiß ich noch, wie Herr Smykalla uns Kinder hier alle raufgesetzt hat und einmal um Kröpelin gefahren ist“, erinnert sich Juliane Zablowski an ihren ersten Eindruck vom Kröpeliner Reit- und Fahrverein vor rund 20 Jahren.

OZ-Bild

Reit- und Fahrverein trennt sich von alten Gefährten / Neuer, verjüngter Vorstand kurbelt Vereinsleben an

Zur Bildergalerie

Heute gehört die 32-Jährige zum Vereinsvorstand und kümmert sich damit auch um die aktuelle Kutschenverkaufsaktion des Vereins, der dafür elf Gefährte offeriert – einschließlich des Kinder-Kremsers von damals.

„Das soll jetzt aber nicht heißen, dass wir die Kutschen verkaufen und dann gibt es auch den Verein nicht mehr“, betont Juliane Zablowski und ergänzt, dass eine Mitgliederversammlung einstimmig für diese Verkaufsaktion votiert hätte: „Natürlich mit einem tränenden Auge“.

Das bestätigt indirekt auch Helmut Smykalla – der im Verein ist, „seit der Verein gegründet wurde“, wie er es sagt.

Der heute 72-Jährige kann sich noch gut daran erinnern, wie in der Wendezeit viele Leute die Kutschen haben wollten: „Es ging doch alles drunter und drüber. Da haben Werner Kruth und ich immer ein Auge drauf geworfen und den ganzen Kram zusammengehalten. Bei jeder Kutsche habe ich ein Brett runtergeschoben, damit die nicht auf Beton stehen und die Räder faulen. Nun wollen sie alles verkaufen...“.

Das tue ihm schon weh, sagt er, aber mit den Jahren gehe ja auch der Wurm rein.

Allein mit der weißen Hochzeitskutsche hat Helmut Smykalla über die Jahre 40, 50 Brautpaare gefahren: „Bis Doberan mit einem Vierspänner. Zu DDR-Zeiten hielt der Molli eben an. Fahrschullehrer Schleritt fuhr vorweg und dann direkt zum Standesamt. Als ich kam, kam kein Molli, das war so geregelt. So war’s. Heute würden sie einem ’nen Vogel zeigen!“

Auch Eileen Ortmann, die heutige Schatzmeisterin des Vereins, weiß, dass die Kröpeliner Kutschen bereits weit vor der Wende durch die damalige Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) am Ort erworben worden waren: „Weil hier die, im damaligen Landkreis Rostock, sehr bekannte Sektion Pferdesport bestand“.

Viele Gefährte seien im Schauprogramm der alljährlichen großen Reitturniere genutzt worden. „Zu DDR-Zeiten, ein sehr großes und weit über die Grenzen des damaligen Bezirkes Rostock hinaus be

kanntes Turnier“, erklärt Eileen Ortmann weiter. Aber auch die Fahrer der Sektion waren sehr erfolgreich auf großen DDR-Turnieren mit den heute noch vorhandenen Kutschen, wie dem Marathonwagen oder der Break, zum Einfahren junger Pferde.

Ein Teil der damaligen Mitstreiter der Sektion Pferdesport hätten nach der Wende sofort die Initiative ergriffen und den „Reit- und Fahrverein Kühlung“ gegründet. Ihnen sei es zu verdanken, dass die Kutschen von der damaligen LPG übernommen werden konnten.

Der Kröpeliner Verein sei dann in den Folgejahren mit den Kutschen noch auf Turnieren vertreten gewesen und die „besonderen“ Kutschen traditionell bei Vorführungen des Schmadebecker Dorffestes oder bei eigenen Turnieren. Eileen Ortmann macht aber auch deutlich: „Leider sind die Kutschen für den heutigen Turniereinsatz nicht mehr zugelassen, da sich die Anforderungen doch sehr erhöht haben und eine Umrüstung zu kostenintensiv wäre.“ So stehen die Liebhaberstücke also jetzt zum Verkauf. Nach den Vereinsangaben auf der eigenen Facebook-Seite noch bis zum 30. November. Hier heißt es auch, dass alle Fahrzeuge etwas aufgearbeitet werden müssten, „einige mehr, andere weniger“. Den Kremser ausgenommen richte sich der Verkaufspreis nach dem Kaufinteresse. „Hier soll sich natürlich nichts kaputtstehen, das wäre schade“, unterstreicht dazu Juliane Zablowski und freut sich, dass sich schon einige Interessenten, z.B. aus Stove und Bützow, zur Besichtigung an den Wochenenden angemeldet haben.

Die verheiratete Rerikerin mit zwei Kindern ist seit Jahresbeginn Jugendwart im Verein und verweist darauf, dass alle Mitglieder des neuen Vereinsvorstands ehemalige „Reiterkinder“ seien. Auch die Vorsitzende Andrea Schmudde und ihre Stellvertreterin Ulrike Hein.

Der Tod des langjährigen Vereinsvorsitzenden Franz Stellmach – für alle Mitglieder ein großer Verlust, wie es heißt – hatte diesen Neuanfang erforderlich gemacht.

Zurzeit zähle der Verein zwölf aktive Mitglieder, aber es sollen wieder mehr werden und das Vereinsleben in Schwung kommen, meint Juliane Zablowski.

Top an der Kröpeliner Anlage sei, dass alles zusammen ist: eine ehemals tolle Turnieranlage (1998 fand das letzte Turnier in Kröpelin statt) mit einem Dressurplatz von 20 mal 40 Metern Größe sowie extra ein Springplatz. Juliane Zablowski bringt es auf den Punkt: „Hier muss wieder geritten werden!“.

XXL-Ostfriese half auch Amiga

„Bei dem war ich 2012 hin, hier mit Amiga“, sagt Helmut Smykalla und zeigt auf Bilder mit Tamme Hanken, der als „XXL-Ostfriese“ in die NDR-Fernsehgeschichte Eingang gefunden hat. „Jetzt ist er gestorben“, ergänzt der Kröpeliner, der zum Geburtstag 2014 von Hanken aus Filsum ein Foto geschenkt bekam: „Für Helmut zum 70sten alles Gute. T. Hanken“. Das Herz des 56-jährigen Ostfriesen war am Montag stehengeblieben.

Wie Smykalla erzählt, war sein Gespann 2012 aufgeschreckt worden, hatte ihn vom Wagen geworfen und überrollt. Dadurch wurden dem Kutscher sechs Rippen gebrochen und Amiga hatte seitdem Schmerzen im Kreuz: „Sie ging nicht mehr liegen“. Mehrere Tierärzte hatten die Stute behandelt, doch erst Hanken erzielte wohl einen Erfolg. „Ich sage bis heute, ich habe es nicht bereut“, betont Helmut Smykalla und berichtet über die damalige 700-Kilometer-Tour im Juli: „Wir sind morgens um drei los und waren abends um halb acht wieder hier. Erst ließ er mich mit dem Pferd laufen, wollte wissen, was die Stute für Probleme hat und griff dann zu. Es gab jedes Mal einen Knack. Ich habe gleich gesagt, das hat geholfen.“ Für diese Behandlung zahlte der Kröpeliner damals 180 Euro. 2014 suchte Helmut Smykalla Hanken nochmal auf dem Reiterhof Blohm bei Warnemünde auf. Er sagt: „Ich kam mit ihm gut aus und fand gut, wie er in Ostfriesland zu seinem Butler sagte, ,jetzt machst du denen da einen anständigen Kaffee, den Rostockern – die haben den weitesten Weg.’“

T. Hoppe Thomas Hoppe

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Neubukow
Verlagshaus Bad Doberan

Service-Center:
Am Markt 2
18209 Bad Doberan

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 17.00 Uhr

Redaktion:
Alexandrinenplatz 1 a
18209 Bad Doberan

Leiterin Lokalredaktion: Anja Levien
Telefon: 0 38 203 / 55 300
E-Mail: bad-doberan@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.