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Liegt im Trend: Kröpeliner WG für ambulant betreutes Wohnen

Kröpelin Liegt im Trend: Kröpeliner WG für ambulant betreutes Wohnen

Caritas und gemeinnützige GmbH unterstützen Behinderte bei einem Teil ihres Alltags

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Gemütliche Kaffeerunde in der Kröpeliner Dammstraße mit Schicksalsgefährten aus Bad Doberan.

Quelle: Thomas Hoppe

Kröpelin. „Ambulant vor stationär, das ist der Trend“ betont Christoph Weyer und erinnert daran, dass die UN-Behindertenrechtskonvention, die im März 2009 in Deutschland in Kraft trat, das schon seit Langem fordere: „Weil die Leute gefördert werden sollen!“. Der Rostocker ist Geschäftsführer der Gemeinsam Leben Hansa gGmbH und leitet gemeinsam mit Andreas Meindl von der Caritas Rostock seit 2014 für Menschen mit Beeinträchtigungen in Kröpelin zwei Wohngemeinschaften (WGs) mit insgesamt zehn Plätzen und eine Einzelwohnung, in Bad Doberan drei WGs und in Rostock zwei WGs.

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Caritas und gemeinnützige GmbH unterstützen Behinderte bei einem Teil ihres Alltags

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„Es geht um die Lebensqualität der Bewohner und die Kosten. Ambulant ist deutlich günstiger als stationär“, erklärt der heute 39-Jährige, der im Jahr 2005 die Firma von seiner Mutter übernahm.

Studiert hat Christoph Weyer an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin, wo er auch seinen Kooperationspartner kennenlernte. Sein Hauptmotiv für die Arbeit sei Nächstenliebe, sagt der verheiratete Mann und Vater von drei Kindern.

WG-Bewohner aus Kröpelin und Bad Doberan sitzen an diesem Mittwoch gemeinsam im Garten der Dammstraßen-WG, spielen erst Karten und setzen sich dann zu Kaffee und Kuchen zusammen. Kurz flammt noch einmal Sorge um eine Mitbewohnerin auf, weil sie am Morgen in die Klinik musste. Dann kommt die Sprache auf einen jungen Mann am Tisch, der 2,10 Meter groß ist. Noch spiele er nicht Basketball, sagt er schmunzelnd und von gegenüber wirft eine Mitbewohnerin (1,70 m) ein, sie sei dagegen ein Zwerg. Ein fleißiger, denn tagsüber arbeitet sie in der Montageabteilung des Kröpeliner Michaelwerks. Da sind mehrere WG-Bewohner beschäftigt. „Wir wollen unsere Bewohner befähigen und ermuntern, so selbstständig wie möglich zu leben“, sagt Christoph Weyer und Andreas Meindl ergänzt: „Ein Teil davon ist die Tagesstrukturierung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung – in der Kröpeliner oder der DRK-Werkstatt in Rostock“. Die Bewohner würden nicht rund um die Uhr betreut, sondern in den Nachmittags- und Abendstunden. Die weiblichen von Frau Wawra und die männlichen von Ben Godglück. Die Bewohner stehen also allein auf, frühstücken und gehen in die Werkstatt bzw. sie werden dorthin gefahren. Manche seien aber von ihren Eltern so gehegt und gepflegt worden, dass sie diese Selbstständigkeit erst erlernen müssten, erläutern die beiden Experten und empfehlen einen frühzeitigeren Übergang in die Eigenständigkeit. Nicht erst, wenn die Eltern gestorben oder gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, sich um ihre behinderten Kinder zu kümmern. „Das können wir mit dem ambulanten Wohnen ein stückweit begleiten, so familiär wie möglich. Jeder hat sein eigenes Zimmer. Gemeinschaftlich werden Wohnzimmer und Küche genutzt. Wir fahren gemeinsam nach Rügen oder zur Mecklenburger Seenplatte“, erklärt Christoph Weyer. 2014 hatten die beiden Diplomsozialpädagogen mit zwei Leuten ihr WG-Projekt gestartet, jetzt zählen sie bereits 18 Bewohner. Für die Bezahlung muss das eigene Barvermögen bis zum einem Schonbetrag von 2600 Euro eingesetzt werden – ansonsten werden sämtliche Kosten vom Sozialamt übernommen. Doch Christoph Weyer kann nicht nachvollziehen, dass mehr als 25 Jahre nach der Wende immer noch drastische Unterschiede bei den Kostensätzen für die Betreuungsleistungen gibt, obwohl sich die Lebenshaltungskosten angeglichen hätten. Bei der Caritas in Dortmund soll es demnach Stundensätze von mehr als 55 Euro geben, hier sei man gerade bei 29 Euro. Auch in Hamburg oder Niedersachsen lägen die Kostensätze meist weit über 40 Euro. Andreas Meindl ergänzt:

„Und unser Problem ist ja dazu, dass gute Arbeitskräfte immer noch weggehen.“

Thomas Hoppe

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