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Millionen-Projekt in Lehnenhof gescheitert

Lehnenhof Millionen-Projekt in Lehnenhof gescheitert

Hamburger wollte mindestens 1,5 Millionen Euro in das Gutshaus investieren / Denkmalschutz war ihm zu unflexibel

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Das Foyer mit einem 1200-Röhren-Leuchter aus Bad Segeberg.

Lehnenhof. „Pflegeheim“ wird über dem Eingang wohl auch dann noch stehen, wenn das ganze Gebäude einmal selbst ein schwerer Pflegefall geworden sein sollte. Denn Leerstand ist für solche Bauten ja vergleichsweise so, wie nur noch „auf der Couch liegen“ — wer rastet, der rostet. Das denkmalgeschützte Gutshaus von Lehnenhof steht immerhin schon mehr als zwei Jahrzehnte leer und nun droht Verlängerung.

OZ-Bild

Hamburger wollte mindestens 1,5 Millionen Euro in das Gutshaus investieren / Denkmalschutz war ihm zu unflexibel

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Dabei fand hier am Dienstagvormittag eine Zusammenkunft statt, die noch einen Hoffnungsschimmer aussandte. Denn nach den Worten des Immobilienmaklers Philipp Frank, vom „Finanzhaus Immobilien“ in Klein Rönnau (Gemeinde Bad Segeberg), wolle ein Hamburger in das Lehnenhofer Gutshaus mindestens 1,5 Millionen Euro investieren. Um hier mit seiner Frau zu wohnen und der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft (DIG) eine behütetere Unterkunft für Kinder „großer Wirtschafts- und Politikerfamilien“ zu bieten, wenn diese in Rostock oder Wismar studieren „wollen oder sollen“.

Der Hansestädter sei vorerst der letzte verbliebene Interessent von zehn ernsthaften Gutshaus-Anwärtern in den vergangenen zwei Jahren. Darunter seien Projekte gewesen, wie ein Burnout-Kurhaus, eine Pflegeeinrichtung, sowie eine Stätte für Unternehmer-Seminare. Sechs Investoren hätten jedoch beim Wort Denkmalschutz sofort wieder abgesagt, gab der Makler zum Besten.

Der Hamburger sei seinem Projekt treu geblieben und verfolge es seit gut einem Dreivierteljahr. Belege dafür konnte der Geschäftsführer der Fresand-Wintergarten GmbH aus Kritzmow, Andreas Simon, mit mehreren Entwürfen seines Kollegen Jan Meyer präsentieren (siehe nebenstehende Beispielgrafik). Dabei kam schon zur Sprache, dass der deutsche Denkmalschutz, z.B. ganz im Gegensatz zum englischen, darauf poche, neue Anbauten architektonisch nicht etwa mit dem Denkmal verschmelzen zu lassen.

Gebaut worden war der einstige Herrensitz vom Rittergut Lehnenhof in den Jahren 1912/13 vom Gutsbesitzer Otto Edmund Weihe. Nach Plänen aus dem „Landhausbaubüro Laage“, die der 1875 geborene Architekt Paul Korff entworfen hatte. „Ein Mann der Praxis, der früher selbst Renaissance-Gutshäuser modernisierte“, hieß es etwas an die Adresse der Denkmalschutzes gerichtet, mit dem der potenzielle Investor noch keinen Kompromiss erzielt hätte. Ein großes Problem sei die Barrierefreiheit. Die dafür unter anderem angedachte Abgrabung von Gelände sei nicht genehmigungsfähig, hätte es dazu schon von der Unteren Denkmalschutzbehörde geheißen. Zu breiteren, behindertengerechten Türen, die am Dienstag in der Runde noch als nicht realisierbar genannt wurden, sagte Annette Krug vom Landesamt für Denkmalpflege einen Tag später am OZ-Telefon: „Grundsätzlich muss bei der Ausrüstung mit Türen aus sicherheitstechnischen und aus Brandschutzgründen, sowie aus Gründen der Behindertengerechtigkeit nach Lösungen gesucht werden!“ Der Denkmalschutz würde ja keine Glasglocke über die Denkmale im Land stülpen, sondern wolle Kompromisse finden. Das Lehnenhofer Projekt bezeichnete sie als „hochinteressant“ und war am 30. März aus Schwerin nach Lehnenhof gekommen, um das Gutshaus in Augenschein zu nehmen. Sie sagte: „Wir sind gern zu Kompromissen bereit. Aber es kann keine Übernutzung geben, wie die bislang geplanten baulichen Erweiterungen in Lehnenhof“. Andreas Baumgart, von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises, fasste bereits am 4. April, alle Bedenken der Denkmalschützer in einem Schreiben an die Architektin des potenziellen Investors zusammen. Dabei heißt es unter anderem, dass „eine Erweiterung des Erdgeschosses um einen vorgelagerten und vom 1. Obergeschoss zu betretenden Wintergarten“ nicht genehmigungsfähig sei, wie auch der Bau einer Terrasse, welche Schmalseiten des Hauses umlaufe. Auch die Absenkung des Geländes für Zubauten, einschließlich eines Pools unterhalb dieser Terrasse würden nicht erlaubt... Angeboten wurden ein eingeschossiger Wintergarten an der Westseite, eine östliche Terrasse mit Tür vom Erdgeschoss und Treppe in den Park.

Als der Hamburger gestern dieses Schreiben auf den Tisch bekam, reagierte er verärgert und erklärte am Abend gegenüber der OZ: „So, wie die das wollen, ist mein Projekt in Lehnenhof gescheitert. Auf der Basis dieses Schreibens ist die Nutzung des Lehnenhofs für meine Zwecke nicht mehr möglich. Abgelehnt wird der barrierefreie Zugang zur Deutsch-Indonesischen-Gesellschaft (DIG) und deren Räume im Glashaus-Anbau. Die Trennung der DIG-Räume und der privaten Wohnräume, in denen meine Tochter als Dipl.-Psychologin gegebenenfalls eine Gesprächstherapie eingerichtet hätte, ist auch nicht mehr möglich. Die nach Süden im Souterrain geplanten Gästezimmer für Rollstuhlfahrer wurden ebenso abgelehnt, wie die Südterrasse. Von den von uns zur Genehmigung vorgelegten Modernisierungen bleibt nichts übrig!“ Er sehe nach dieser Reaktion aus dem Amt eine andere Nutzungsmöglichkeit für dieses Gebäude: „Die öffentliche Hand macht aus dem Haus ein Paul-Korff-Museum“.

Von Thomas Hoppe

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