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Neubukower von Leibniz-Sozietät geehrt

Neubukow/Berlin Neubukower von Leibniz-Sozietät geehrt

Hans Albert Kruse bekam gestern im Einstein-Saal der Archenhold-Sternwarte die Leibniz-Medaille verliehen

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Hans Albert Kruse (l.) nimmt vom Präsidenten der Leibniz-Sozietät, Prof. Dr. Gerhard Banse, die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Medaille entgegen.

Quelle: Foto: Dietmar Linke

Neubukow/Berlin. „Mit der Verleihung der Leibniz-Medaille durch die Leibniz-Sozietät ist mir eine große Ehre zuteil geworden. Ich danke Ihnen allen für die hohe Auszeichnung“, sagte gestern Nachmittag Hans Albert Kruse aus Neubukow im Einstein-Saal der Berliner Archenhold-Sternwarte.

Der Vizepräsident der besagten Berliner Sozietät, Prof. Dr. Armin Jähne – bis 1992 Leiter für Alte Geschichte an der Humboldt-Universität und Schliemann-Experte – hatte im Februar im Sozietäts-Präsidium vorgeschlagen, den Diplom-Landwirt, Hobbyhistoriker und langjährigen, ehrenamtlichen Vorsitzenden des Neubukower Heinrich-Schliemann-Klubs, Hans Albert Kruse, zum Leibniz-Tag mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Medaille auszuzeichnen.

Seit 1812 war schon für die ursprüngliche Leibniz-Sozietät alljährlich der Donnerstag, der dem 1. Juli – dem Leibniz-Geburtstag – am nächsten liegt – der Leibniz-Tag.

In der umfangreichen Begründung der Ehrung von Hans Albert Kruse erinnert das Sozietäts-Präsidium an seine berufliche Laufbahn vom erfolgreichen Rostocker Studenten zum stellvertretenden Vorsitzenden der Neubukower LPG-Pflanzenproduktion, der späteren Agrargenossenschaft „Hellbach“, würdigte seinen Einsatz zur Einrichtung des Bürgerhauses, sein wissenschaftliches und ehrenamtliches Engagement zur Person und zum Werk des „Trojaausgräbers“ Heinrich Schliemann sowie die umfassende Klubarbeit mit kulturellen, historischen und naturwissenschaftlichen Themen. Unter anderem wird an die Neubukower „Literarischen Erkundungen“ mit Schriftstellern wie Hermann Kant, Walter Kempowski, Landolf Scherzer, Ingrid Bacher und Helmut Sakowski erinnert. Zudem zitiert das Präsidium aus einem Christa-Wolf-Brief vom September 1987 an die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Sigrid Damm in dem Christa Wolf bedauert, dass sie nach einer Neubukower Diskussion mit der „Landintelligenz“ nur noch eine halbe Stunde Zeit hatte, mit Hans Albert Kruse („Sekretär der Schliemanngesellschaft und stellvertretender LPG-Vorsitzender“) über Literatur und Landwirtschaft zu sprechen (siehe Wolf-Briefe 1952 bis 2011 bei Suhrkamp 2016, S. 548). Im Oktober 1989 kehrte Christa Wolf zu einer Lesung nach Neubukow zurück, „wo einfach ein so offenes Gespräch war, ein so reifes, ein so niveauvolles Gespräch über die Probleme, die uns jetzt alle so wahnsinnig quälen“, wie die Autorin vom „Geteilten Himmel“ danach in der „Wochenpost“ schrieb. Eingeladen hatte sie Hans Albert Kruse.

Bereits mit 15 war der gebürtige Blankenhäger, der in Bad Doberan aufwuchs, im Jahr 1958 Mitglied im Kulturbund der DDR geworden: „Ich hatte früh angefangen, Briefmarken, Ansichtskarten und Münzen zu sammeln. Im Kulturbund fand ich Gleichgesinnte“, erinnert sich der heute 74-Jährige im OZ-Gespräch. Literatur nennt er sein eigentliches Hobby. „Schliemann ist eine Säule meiner Interessen“, ergänzt der Initiator der Neubukower Schliemann-Gedenkstätte und kündigt an, dass sein Buch, das er gerade vollende, auch eine Geschichte über den US-Altphilologen Prof. Dr. William M. Calder III enthalte, der vor 45 Jahren die internationale Kontroverse um den Hobbyarchäologen Schliemann offenbar in Neubukow ausgelöst hatte. Noch vor der Adventszeit soll das knapp 200-seitige Werk beim BS-Verlag

Rostock herauskommen, hofft Hans Albert Kruse. Dazu passt, dass er gestern vor der Leibniz-Sozietät versprach, sich weiter bemühen zu wollen, im Sinne von Gottfried Wilhelm Leibniz zu wirken.

Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V.

Diese Sozietät ist eine Wissenschaftler-Vereinigung, die sich in der Tradition der von Gottfried Wilhelm Leibniz 1700 gegründeten Brandenburgischen Sozietät der Wissenschaften sieht. Sie ging aus der Gelehrtensozietät der Akademie der Wissenschaften der DDR hervor und nahm 1993 die Rechtsform eines eingetragenen Vereins an. Diese Sozietät ist im Unterschied zu Regionalakademien, die nur Mitglieder aus dem Bundesland ihres Sitzes aufnehmen, überregional und international. Gegenwärtig gehören ihr 180 Natur- und Technikwissenschaftler und 130 Sozial- und Geisteswissenschaftler an.

Zu ihren Grundsätzen zählt sie politische Unabhängigkeit, weltanschauliche Pluralität, Interdisziplinarität und Internationalität. Leibniz-Medaillen verleihen auch Akademien in Berlin und Mainz.th

Thomas Hoppe

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