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Obst pflücken an der Straße ist Diebstahl

Teschow Obst pflücken an der Straße ist Diebstahl

Land und Kreis machen vor allem auf die Verkehrsgefährdung aufmerksam

Teschow. Das Auto steht am Straßenrand. Ein älterer Herr pflückt zwischen Kröpelin und Satow Äpfel an der Landesstraße 11. Der Korb ist schon gut gefüllt. „Das lohnt sich hier“, sagt er, möchte seinen Namen aber nicht nennen. Doch er meint, das Obst am Straßenrand sei für alle da. Kostenlos.

 

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Leuchtend rote Äpfel an Bäumen an der Straße zwischen Teschow und Garvensdorf. Sie gehören dem Landkreis.

Quelle: Renate Peter

Nicht nur an dieser Straße kann derzeit viel genascht werden. Rot und gelb leuchten beispielsweise auch die Äpfel an den Bäumen der Kreisstraße zwischen Teschow und Garvensdorf. Immer mehr Menschen nutzen die Chance auf Gratis-Obst, pflücken es von den Bäumen und sammeln die Früchte vom Straßenrand auf.

Eine Satzung dazu gebe es nicht, aber die Bäume gehörten den Straßenbaulastträgern, erklärt Ilona Zippert, Leiterin des Ordnungsamtes Neubukow-Salzhaff. Und wenn es eine kommunale Straße ist, der Gemeinde. Auch an kommunalen Straßen sind Obstgehölze gepflanzt worden. Aber wohl keine Gemeinde hätte etwas dagegen, wenn Bürger am Straßenrand naschen. „Aber wenn da 20 Leute mit großen Behältern kommen, sollte man doch vorher den Bürgermeister fragen“, meint Ilona Zippert.

Die Obstbäume an den Landesstraßen unserer Region gehören der Straßenbauverwaltung des zuständigen Straßenbauamtes Stralsund. „Rein rechtlich ist das Pflücken Diebstahl“, sagt Ralf Sendrowski, Leiter des Straßenbauamtes Stralsund. „Aber dieser Diebstahl wird nicht verfolgt.“ Doch das Parken auf Landes- und Bundesstraßen außerhalb von Ortschaften sei verboten. Somit sei das Pflücken von der Straße aus nicht erlaubt und sehr gefährlich. An der L 12 zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn stehen Obstbäume am Radweg. „Sie sind noch relativ jung. Hier hat sich ein regelrechter Pflücktourismus entwickelt. Dabei werden die jungen Bäume oft beschädigt, Äste und Zweige werden abgerissen. Das ist nicht gut“, sagt der Amtsleiter sehr deutlich.

Wenn jemand vorsichtig Obst vom Acker aus pflückt oder Fallobst am Rande von Straßen aufsammelt, sei dagegen nichts zu sagen. In erster Linie sehe sein Amt die Verkehrssicherheit, die eingehalten werden müsse, so Sendrowski. Das Straßenbauamt pflegt die Gehölze. Sie werden gepflanzt als Ausgleich für andere Bäume, die gefällt werden mussten. Aber der Leiter des Straßenbauamtes gibt auch zu:

„Als neue Bäume pflanzen wir ungern veredelte Obstsorten, die zum Pflücken anreizen.“ Diese Bäume würden Wild anziehen und damit zu Wildunfällen führen. Besser seien deshalb Bäume ohne Früchte.

Ähnlich sieht das auch der Landkreis. In der Vergangenheit seien an Kreisstraßen Obstbäume gepflanzt worden. Bevorzugt wurden früher Apfel- und Pflaumenbäume. Doch der Landkreis habe an seinen Straßen in der Gegenwart keine neuen Obstbäume mehr gesetzt. „Grund dafür ist die Gefahr von Wildunfällen, wenn die Tiere herabgefallene Früchte fressen. Die einzige Ausnahme: auf der Kreisstraße 30 bei Appelhagen nahe Teterow – dort sind aber nur ,Zieräpfel’ (keine Früchte) auf Bestreben einer Bürgerinitiative gepflanzt worden“, sagt Dierk Schröder aus dem Straßenbauamt des Landratsamtes.

Der Baum gehöre zur Straße und damit auch die Früchte. „Es wurde bisher aber kein Pflückverbot durch den Landkreis ausgesprochen, so dass jeder pflücken kann. Dabei sind aber natürlich die Verkehrsregeln zu beachten und der Baum nicht zu beschädigen“, erklärt Dierk Schröder und bestätigt damit auch die Aussagen aus dem Straßenbauamt des Landes: „Meine Beobachtungen besagen, dass wenig gepflückt wird – aus Angst vor Schadstoffbelastungen durch die Autos.“

Obst für Napoleon

Obstbäume am Straßenrand gibt es schon seit den Zeiten Napoleons zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Für seine Truppen veranlasste er, dass Bäume als Schattenspender und Nahrungsquelle entlang seiner Heereswege gepflanzt werden. Auch zu DDR-Zeiten wurden die Straßenbäume noch bewirtschaftet.

Gepflückt werden darf nur von Bäumen auf öffentlichen Flächen und nicht von Privatgrundstücken. Sonst wird aus der Selbstbedienung schnell Diebstahl. Bestenfalls sollte man sich bei der zuständigen Straßenbauverwaltung informieren, ob das Pflücken erlaubt ist.

Renate Peter

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