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Parteien haben vor Ort kaum noch Mitglieder

Neubukow/Kröpelin/Rerik Parteien haben vor Ort kaum noch Mitglieder

In Neubukow und Kröpelin bangen „Etablierte“ um Zukunft / „Alternative“ versuchte vergeblich Ortsgruppengründungen

Neubukow/Kröpelin/Rerik. Gehen die „etablierten“ Parteien in der Schliemannstadt und in Kröpelin den Hellbach bzw. den Stadtbach runter? Bei fast allen wird Mitgliederschwund, ausbleibender Nachwuchs und mangelhafte Parteiarbeit beklagt oder konstatiert. Das ist das Ergebnis einer OZ-Umfrage in den CDU-Ortsverbänden, SPD-Ortsvereinen und den Basisorganisationen der Linken in beiden Städten.

OZ-Bild

In Neubukow und Kröpelin bangen „Etablierte“ um Zukunft / „Alternative“ versuchte vergeblich Ortsgruppengründungen

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In Kröpelin leitete Karin Reichler elf Jahre lang den CDU-Ortsverband, seit zwei Monaten ist hier Veikko Hackendahl der Chef.

Die CDU-Fraktionsvorsitzende in der Stadtvertretung spricht gegenüber der OZ von derzeit sieben CDU-Mitgliedern in Kröpelin und meint, dass man bei so wenigen „keine vernünftige Parteiarbeit auf die Reihe“bekomme. Monatliche Treffen fänden nicht statt, auch würden sich keine jungen Leute aus der Stadt und ihren Ortsteilen zur Mitarbeit melden: „Selbst die meisten, die bei uns auf CDU-Mandat als Stadtvertreter wirken, sind ja keine Mitglieder“ (Dietlind Schuster gehört der CDU an). Vor drei, vier Jahren sei „mit Frau von Campenhausen ein wirklich sehr interessiertes und aktives neues Mitglied“ zum Ortsverband gekommen, aber ansonsten kriege man keine neuen Leute: „Die meisten haben außerhalb einen Job, ihnen fehlt die Zeit und die Alten sterben irgendwann weg“, sagt Karin Reichler. Den jungen Leuten müssten in ihrer Partei mehr Chancen eingeräumt werden, z.B. auch bei der Platzierung auf Wahllisten, meint sie noch und ergänzt generell: Wer kein Auto fahre, komme ohnehin im vergrößerten Landkreis nicht zu den Versammlungen „in Tessin, Güstrow oder noch weiter weg“. Auch für sie sei das nicht mehr machbar gewesen, begründet sie ihren Rückzug vom Amt der Vorsitzenden. Als Fraktionschefin organisiere sie regelmäßig Sitzungen und lade gelegentlich dazu auch alle örtlichen CDU-Mitglieder ein.

Seit dem Jahr 2009 hat Anja Kerl den Vorsitz im SPD-Ortsverein Neubukow inne. Sie sagt: „In der aktiven Arbeit unseres Ortsvereins sind wir zu dritt. Werden aber unheimlich verstärkt durch viele Leute, die mit Parteien eigentlich nichts mehr zu tun haben wollen, aber zur Mitarbeit in der SPD-Fraktion der Stadtvertretung bereit sind“. Man treffe sich „in der Regel einmal im Monat und natürlich bei Bedarf“. Junge Leute für die Parteiarbeit zu begeistern sei allerdings „ganz, ganz schwierig“.

Sie sei 1997 in die SPD eingetreten, weil sie Politik interessiere und sie diese mitgestalten wolle. Vorher hatte sie sich im Rahmen ihres Fachhochschulstudiums zur Diplomverwaltungswirtin mit Kommunalrecht beschäftigt und sei auch „ein stückweit geprägt“ durch ihre Familie. Ihre Mutter sei seit der Wendezeit im Ort und bei den Sozialdemokraten sehr aktiv gewesen, betont sie.

Am 8./9. November 1989 hatte Dietmar Nowak noch die SDP (Sozialdemokratische Partei in der DDR) in Rerik mitbegründet. Aus ihr war Anfang 1990 auch hier die SPD geworden und Nowak war ein engagierter Sozialdemokrat, wie er am OZ-Telefon deutlich macht. Vom Dezember 2012 bis zum Februar 2016 führte er schließlich den SPD-Ortsverein „Rerik, Salzhaff, Kröpelin“. Dann war die Begeisterung für die Politik der SPD endgültig verflogen: „Ich bin ausgetreten. Nach dieser ganzen Eierei, die sie da in Berlin abgezogen haben, habe ich keinen Bock mehr auf die SPD. Sie haben in dieser GroKo (Großen Koalition, d.R.) überhaupt kein Gesicht mehr – ich konnte diese Politik auch als Ortsvereinsvorsitzender nicht mehr vermitteln“, ärgert sich der Reriker, der seitdem als Parteiloser im Bauausschuss der Gemeinde mitarbeitet. Das Ortsvereinsleben sei total eingeschlafen, ergänzt er und sagt auf Anfrage zu Kröpelin, wo die einstige SPD-Fraktion in der Stadtvertretung ja schon seit Ende 2015 unter dem Namen „Gemeinwohl“ firmiert: „Die SPD hat dort wohl gar keinen mehr – ich weiß nicht.“ Ex-Stadtvertreter Thomas Wendt, galt im Jahr 2012 in der SPD als „einziges zahlendes Kröpeliner Mitglied“ und hatte Ende 2015 die Zahlung seines Parteibeitrags eingestellt (OZ berichtete). Der nun amtierende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins „Rerik, Salzhaff, Kröpelin“ und Bürgermeister von Rerik, Wolfgang Gulbis, sagt am OZ-Telefon zur aktuellen Kröpeliner SPD-Mitgliederzahl: „Das kann ich Ihnen jetzt auf’n Schlag nicht sagen.“ Das könne aber die Kreisgeschäftsstelle, denn durch Hin- und Wegzug gehe es immer hin und her: „Da kommen irgendwelche Leute – was weiß ich, aus Hamburg – die da in die Nähe ziehen und dann sind sie plötzlich Mitglied. Man kriegt das oft gar nicht mit oder erst ein Vierteljahr später, wenn die Beitragsabrechnung kommt.“

Bei der „Basisorganisation“ der Neubukower Linken sind noch neun von einst 15 Mitgliedern registriert. Sechs seien in den letzten Jahren gestorben, erklärt die Vorsitzende Marlene Rust. „Und es kommen keine jungen Leute dazu“, klagt die 79-Jährige. „Wenn wir zusammenkommen haben wir noch zwei Sympathisanten. Wen sollen wir aufstellen, wenn die nächste Wahl kommt? Wir sind alle alt, 80, 85 Jahre.“ Es wolle sich niemand mehr festlegen, was zu machen, sagt die einstige Lehrerin über jüngere Zeitgenossen, die von ihrer Partei angesprochen wurden. Etwa alle sechs Wochen würden Mitgliederversammlungen stattfinden: „Doch wenn wir dann bloß so vier oder fünf Leute sind, macht das keinen Spaß“, sagt Marlene Rust ganz ehrlich und ergänzt, dass Kontakte zu Kröpelin nur über die Beratungen der Basisvorsitzenden liefen. Der Linken-Chef in Kröpelin ist Manfred Schwarz seit Anfang der 1990er Jahre. Der 63-Jährige zählt jetzt immerhin noch 14 Mitglieder vor, betont aber, dass alle schon zwischen 50 bis 91 Jahre alt und neue Genossen nicht in Sicht seien: „Es will sich keiner mehr so fest binden“. Zusammenkünfte gebe es nur unregelmäßig, aber man nutze auch die Veranstaltungen des Kreisverbandes.

Seit zwei Jahren führt Diethelm Hinz den CDU-Gemeindeverband Neubukow-Rerik. In beiden Orten gebe es derzeit sechs Mitglieder, eines komme gerade dazu. „Unser Problem ist die Überalterung, nur die Hälfte ist aktiv. Dafür haben wir gute Leute über die Listen – jede Menge – und verbinden unsere Sitzungen mit der Fraktion“, unterstreicht Hinz und ergänzt: „Wir haben Leute um die 30, 35, 40 Jahre angesprochen, aber sie wollen nicht in Parteien. Die sind als große Einheit in der Politik im Abschwung. Es gibt mehr Wählergemeinschaften für vier, fünf Jahre – ohne Verpflichtungen.“

Das spürt die AfD hier ebenso. Denn wie ihr Rostocker Kreisverbandsvorsitzender Roger Schmidt der OZ sagt, sei man noch am Arbeiten, was Ortsgruppen in Kröpelin und Neubukow betreffe:

„Wir haben es schon zwei-, dreimal versucht und es hat sich immer wieder zerschlagen“.

Zumindest scheint sich auch die Jugend weiter für Politik zu interessieren. So sagt Neubukows Jugendklubleiter Mark Gerlitz: „Wir diskutieren hier über Trump, über die Flüchtlinge, über die AfD.

Das bewegt die Kinder- und Jugendlichen. Politische Bildung gehört bei uns dazu. Natürlich!“

Thomas Hoppe

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