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Subventionierter Stromtarif für Anwohner

Alt Karin/Biendorf Subventionierter Stromtarif für Anwohner

27-jähriger Landwirt möchte, dass möglichst viele aus der Region von Parchower Windkraftgebiet profitieren

Alt Karin/Biendorf. Der Landwirt Alexander von Storch nimmt kein Blatt vor den Mund: „Im Grunde geht es hier doch um Schaden gegen Geld, so einfach muss man es mal sagen“. Mit Schaden bringt der 27-Jährige allerdings eher mögliche subjektive Beeinträchtigungen auf den Punkt, denn anschließend sagt er fest überzeugt: „Unserer strukturschwachen Region würde der Windpark nicht schaden.“

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Der Alt Kariner meint die Nutzung des vom Regionalverband Mittleres Mecklenburg/Rostock geplanten Windkrafteignungsgebietes Nr. 116. Ein Territorium, das mehr oder weniger von den Ortschaften Parchow, Altenhagen, Alt Karin, Bolland, Neu Karin, Krempin und Uhlenbrook umgeben ist. 60 Hektar Land, das der Alt Kariner Gutsverwaltung Storch KG gehört. Jenem Betrieb, von dem Alexander von Storch der angestellte Geschäftsführer ist. Seit gut zehn Jahren sollen deswegen „schon sehr viele Projektieren und Planer“ von Windkraftanlagen in Alt Karin vorgesprochen haben. Doch die Männer von weit her und selbst aus MV drehten dann wieder ab, als die von Storchs darauf pochten, dass möglichst viele Leute aus der Region was davon haben sollten. „Das Ding hat man dann hier vor der Nase stehen. Und wenn ich als Einziger davon profitiere, dann ist es nicht das, was das ganze Ding irgendwie angenehm und ansehnlich macht für alle. Das ist vielleicht so ein Rest Idealismus, den ich in meinem Alter noch habe“, sagt der Windparkinitiator, der unbedingt Bürger und Kommunen mit ins Boot holen möchte. Er finde Windkraftanlagen „auch nicht so super schön“. Und er wolle so ein Ding nicht einfach so vor seinem Haus haben, es sei denn, es sei seins: „Wenn es sich dann dreht oder ich höre es klappern, weiß ich, es klappert noch, ich verdiene noch Geld“, sagt Alexander von Storch. Und so sollen mehr von möglichen Windkraftanlagen bei Parchow profitieren: „Ein Teil des Windparks soll für Kommunen sein, nicht nur für Biendorf — Interesse wurde auch schon aus Rerik bekundet. Ein anderer Teil würde für Bürger sein, die sich privat beteiligen wollen. Und es soll den Bewohnern aller Dörfer, die direkt am Windkraftgebiet liegen, ein subventionierter Strompreis geboten werden, wenn sie dann den Anbieter wechseln wollen“, erläutert der Initiator des Ganzen. Das würde letztlich pro Haushalt 100 bis 200 Euro im Jahr ausmachen. Einen Seitenhieb bekommt dabei gleich das nagelneue Schweriner Beteiligungsgesetz in dieser Sache ab: „Das Ding hat ja ein dickes Bein. Windparkentwickler sollen Bürgern und Kommunen im Umkreis von fünf Kilometern Anteile an ihren Projektgesellschaften anbieten. In unserem Falle hieße das, dass auch die Städte Kröpelin und Neubukow beteiligt werden müssten — dabei haben die Städte doch andere Möglichkeiten Geld einzutreiben, als die Dörfer“, meint Alexander von Storch.

Abgesehen davon, sitzt seinem Projekt, dass er gemeinsam mit dem ostfriesischen Anlagenhersteller Enercon und den vorpommerschen Planern von Energie Engineering Nord GmbH auf den Weg brachte und das derzeit von sechs größeren Windkraftanlagen ausgeht, vor allem die Zeit im Nacken.

„Die Gemeinde Biendorf müsste demnächst sagen, wir wollen das angestrebte Zielabweichungsverfahren unterstützen. Wir wollen, dass die Initiatoren noch 2016 die nötigen Genehmigungen in der Hand halten können“, umreißt Alexander von Storch seinen Wunsch.

Mit dem sogenannten Zielabweichungsverfahren — in dem außerhalb der normalen Raumordnung durch hohe Bürgerbeteiligung ein Windeignungsgebiet festgelegt wird — ließe sich verhindern, dass das ganze Bürgerwindparkprojekt unter das geänderte Erneuerbare-Energien-Gesetz fällt. Danach gelte dann nämlich ab 2017, dass die Bundesnetzagentur den Zubau von Windkraft in Tranchen aufteile und diese dann ausschreibe. „Dann geht es darum, wer kann am billigsten bauen und machen. Was bedeuten kann, dass das alles ein Geschäft für die großen Konzerne wird und das Interesse von Bürgerbeteiligung sinkt“, befürchtet Alexander von Storch. Darum stellte er sich Anfang März in Biendorf den Fragen der Gemeindevertreter und am 4. April in Westenbrügge vielen Bürgern der Gemeinde. Rückblickend erinnert er offen an manchen Vorbehalt und fragt sich immer noch, warum zum Beispiel aus Büttelkow zwar starke Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Windparkprojektes geäußert worden waren, aber angebotene detaillierte Expertenauskünfte dann links liegen gelassen wurden. Alexander von Stroch fast zusammen: „Es gibt Leute, die finden das gut und fragen, wann sie sich beteiligen können und es gibt Leute, die das Projekt kritisieren. Das Interesse an der Planung ist aber sehr groß.“

Die Bürgermeisterin Peggy Freyler sagt dazu: „Wir sind noch in der Entscheidungsphase. Bislang hat aber der Beschluss Bestand: Keine Windkraftanlagen in unserer Gemeinde. Doch wir werden dazu wohl auch noch Erfahrungen mit anderen Gemeinden austauschen.“

Von Thomas Hoppe

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