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Verstärkung am Gedeckten Tisch

Neubukow Verstärkung am Gedeckten Tisch

Neue Beiköchin, eine weitere Mitarbeiterin aus Neubukow sowie zwei Helfer aus Syrien unterstützen Ehrenamtler

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Die neue Beiköchin Beate Schröder (vorn) mit ihrer Chefin Bianca Gardemin, Mayada Al Ramadan, deren Sohn Mohammed, sowie Nizar Naseef (v.r.). Die drei Araber zeigen das gestrige Dessert vom Gedeckten Tisch — eine syrische Spezialität mit Grieß, Frischkäse, Pistazien und Honig.

Quelle: Thomas Hoppe

Neubukow. Beate Schröder heißt die neue Beiköchin beim Gedeckten Tisch im „Gronau-Haus“ an der Kröpeliner Straße. Seit Februar verstärkt die heute 46-Jährige, die einst in Greven bei Lübz den Beruf der Schäferin lernte und später in der Mutterschafaufzucht in Sandhagen arbeitete, das Ehrenamtlerteam. „Das Kochen habe ich mir bei meiner Mutti ein bisschen abgeguckt“, sagt die Neubukowerin bescheiden. Sie selbst bevorzugt die Hausmannskost, wie sie ergänzt.

OZ-Bild

Neue Beiköchin, eine weitere Mitarbeiterin aus Neubukow sowie zwei Helfer aus Syrien unterstützen Ehrenamtler

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Es läuft gut hier. Es macht Spaß. Wir sind jetzt insgesamt 13 Mitarbeiter.“Bianca Gardemin vom Gedeckten Tisch

„Das ist eine lustige Truppe, richtig super hier. Es macht mir Spaß“, erklärt Beate Schröder ihre Entscheidung aus der Arbeitslosigkeit heraus, an der Tafel „für Leib und Seele“ mitzuwirken. Die wird von der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde wirtschaftlich getragen.

An diesem Dienstagmittag rundet Beate Schröders Nudelgericht ein syrisches Dessert ab, das Mayada Al Ramadan beisteuerte. Die 37-Jährige, sie kommt aus einem Vorort von Damaskus, rollte dafür in der Neubukower Küche kleine Grießplatten um eine Mozzarella-Mascarpone-Füllung, die auf einer Seite mit gehackten Pistazienkernen bestreut wurde. Dazu wird jetzt ein Orangenblütenhonig-Dip gereicht.

„Das ist so genial“, lobt Beate Schröder die Spezialität, die auch einen OZ-Geschmackstest auf Anhieb mit Bravour besteht. Probleme gibt es lediglich mit dem arabischen Speisenname, der letztlich nur mithilfe einer Dolmetscher-App vom Smartphone für die Zeitung darstellbar wird: „Süßes mit Käse“ ergibt in etwa die elektronische Übertragung ins Deutsche.

Doch das Smartphone von Mayada Al Ramadan offenbart auch sehr bittere Informationen.

Die Mutter von drei Kindern zeigt damit auf Nachfrage die Bürgerkriegstrümmer ihres syrischen Wohnhauses (siehe kleines Foto), Bilder von ihren beiden Töchtern, die mit ihrem Vater noch in Jordanien sein sollen, sowie einen Videoclip mit ihrem Sohn, der gemeinsam mit Mayada Al Ramadan auf einem Schlauchboot aus der Türkei über die Ägäis nach Europa kam. Im September 2015 erreichten die beiden schließlich die Zentrale Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Horst bei Boizenburg, bevor sie im Februar in die Schliemannstadt kamen.

„II. Weltkrieg in Farbe, so sieht das aus“, kommentiert Beate Schröder traurig die Smartphone-Fotos von ganzen Straßenzügen in einem Vorort der syrischen Hauptstadt, die in Schutt und Asche liegen — dort, wo Mayada Al Ramadan einst mit ihrer Familie lebte.

Nizar Naseef stammt aus der syrischen Hafenstadt Latakia und kann schon etwas Deutsch. Er besucht einen Sprachkurs in Rostock und hilft jetzt als Praktikant beim Neubukower Gedeckten Tisch mit. Der 18-Jährige übersetzt noch, dass die beiden Töchter der Syrerin Mayada Al Ramadan, die nun ebenfalls die Arbeit am Gedeckten Tisch unterstützt, 8 und 13 Jahre jung sind.

Beate Schröder kann dazu nicht vergessen, wie sie alle beim Zwiebelschneiden waren und Mayada Al Ramadan als einzige in der Runde trockene Augen behielt: „Da deutete sie an, dass bei ihr keine Tränen mehr kommen würden, weil sie schon so viel geweint habe...“

Aber ihr Lächeln kehrt allmählich zurück. Auch als zum OZ-Fototermin zufällig Mayada Al Ramadans 17-jähriger Sohn Mohammed dazukommt — beginnen ihre Augen zu leuchten. Stolz präsentiert dann der Bursche das von seiner Mutter kreierte Dessert (siehe großes Foto).

Chefköchin Bianca Gardemin freut sich über die Hilfe der Syrerin: „Ich war heute beim Aldi mit ihr einkaufen — wunderbar. Mayada ist sehr hilfsbereit. Wir verständigen uns mit Händen und Füßen.“

Prima findet die 43-Jährige auch, dass hier mit Denise Haberland aus Neubukow — seit Ende Februar bis zum 30. Juni — wieder eine sogenannte 1,50-Euro-Jobberin den Ehrenamtlern unter die Arme greifen kann. Die 24-Jährige ist gelernte Industriekauffrau und hat gerade eine Inventur der Gefriertruheninhalte abgeschlossen — ansonsten kümmert sie sich auch um den Wareneingang und erledigt Computerarbeiten. An den gedeckten Tischen lassen sich derweil zahlreiche Gäste die Nudeln mit Tomatensoße und das Süße mit Käse schmecken.

11.30 Uhr bis 14 Uhr

Seit August 2011 besteht der „Gedeckte Tisch“ in Neubukow in Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde. Er ist in der Kröpeliner Straße 23 (Gronau-Haus) montags bis freitags von 11.30 Uhr bis 14 Uhr geöffnet. Die Träger der Tafel gehen davon aus, dass es allen Gästen möglich ist, sich mit einer Spende am Essen zu beteiligen: 2 Euro für Erwachsene, 1 Euro für Kinder.

Von Thomas Hoppe

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