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„Wir wollen Gutshäuser in MV retten“

Danneborth „Wir wollen Gutshäuser in MV retten“

Der Chef vom Verein „Gutshaus Schmakentin“ und Sympathisanten sägen Schloss Danneborth frei

Danneborth. Das Dröhnen einer Motorsäge stört an diesem Donnerstagvormittag in Danneborths Lindenallee die allgemeine Ruhe in dem Dorf am Rande der Gemeinde Carinerland. Plötzlich ertönen dazu Warnrufe, dann fällt ein erstes relativ junges Bäumchen vor dem denkmalgeschützten Gutshaus nieder und gibt so mehr Sicht auf die historische, aber marode Fassade frei.

OZ-Bild

Der Chef vom Verein „Gutshaus Schmakentin“ und Sympathisanten sägen Schloss Danneborth frei

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Mitglieder des eingetragenen Kulturvereins „Gutshaus Schmakentin“ (östlich von Wismar in der Gemeinde Zurow) und einige Sympathisanten – insgesamt sieben Leute – machen sich hier am Eigentum des Unternehmers Ludwig Merckle zu schaffen.

Dem Vorsitzenden des besagten Kulturvereins, Ludwig Vollmer, ist das bewusst, denn er kommentiert: „Wir alle machen uns angreifbar. Aber das muss man machen, sonst wird nichts. Das sieht man ja gerade in der Politik“.

Für MV sind Gutshäuser Alleinstellungsmerkmal

Wie der Architekt, der aus Hessen stammt, weiter erklärt, wolle sein Kulturverein „Gutshaus Schmakentin Mecklenburg e.V.“ (rund 30 Mitglieder) laut seiner Satzung die Gutshäuser in Mecklenburg und Vorpommern deshalb retten, „weil sie in ihrer Gänze ein Alleinstellungsmerkmal darstellen, das es in ganz Europa nur einmal gibt, nämlich in Mecklenburg und Vorpommern“. Von den 2200 Gutshäusern im Land seien so 400 bis 500 „in guten Händen“.

„Nicht ohne Erfolg ist auch unser Engagement geblieben, bei unserer größten und besten Anlage in Klütz, bei Schloss Bothmer. Da haben wir uns auch stark gemacht und ordentlich Krach geschlagen. Was dazu geführt hat, dass das Land die Anlage übernommen hat. Und es wurden 37,5 Millionen investiert – besser geht’s nicht!“

„Das ist ein Jobmotor, eine Investition, Kultur, ganz viel“

Vor der Kulisse des bereits nicht mehr so stark zugewachsenen Danneborther Gutshauses und anhaltender Kettensägengeräusche hält Ludwig Vollmer quasi eine leidenschaftliche Rede zur Lage der Urlauber in MV.

„Gerade höre ich, dass die Touristenzahlen in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr so steigen. Die Küste ist jetzt eben bevölkert und verkauft. Aber sie ist doch nicht das ganze Land! Da gehört doch das so genannte Hinterland – allein der Ausdruck ist schon schlimm – dazu. Nicht jeder Tourist will sich in die Sonne legen, sondern vielleicht was sehen: Da haben wir das Alleinstellungsmerkmal Gutshäuser. Das ist ein Jobmotor, das ist eine Investition, das ist Kultur, das ist ganz viel! Da sollten mal die Entscheidungsträger ran!“

Ludwig Vollmer – der im Jahr 2005 das Gutshaus in Schmakentin ersteigert und es vor dem Abriss gerettet hatte (die Gemeinde hatte schon den Abriss beschlossen), betont, dass Schmakentin nicht unter Denkmalschutz stehe und dreimal so desolat gewesen sei, wie das nun ebenfalls vom Abriss bedrohte Gutshaus in Danneborth: „Das kann man hier retten, natürlich!“

Er kritisiert, dass die Denkmalpflege so schwach ausgestattet sei, dass sie noch nicht mal eine Ersatzvornahme (Vornahme einer geschuldeten Handlung anstelle des Handlungspflichtigen auf dessen Kosten) machen kann – „und sie haben auch Angst davor“. Die Denkmalpflege erteile ja nicht mal eine Auflage oder schreibe dem Eigentümer – dabei stehe doch im Grundgesetz:

Eigentum verpflichtet.

In seiner Rede zur Eröffnungsfeier des Landes und des Landkreises zum diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ im Doberaner Münster betonte dagegen Landrat Sebastian Constien (SPD) ausschließlich, dass sich auch der Kreis und seine Untere Denkmalschutzbehörde sowie Denkmaleigentümer dafür einsetzten, dass „unser bauliches Erbe“ für die künftigen Generationen erhalten werde.

„Es ist doch eine Sauerei, was hier passiert. Vor zwei Wochen habe ich mir das hier angeguckt und da war das so zugewachsen . . . Da habe ich gedacht: ,Jetzt geht sogar das Fundament kaputt, weil die Bäume alle da drin wachsen’“, erzählt Ulrich Schmidt aus Neubukow. Der Mann hat in der Schliemannstadt zum Beispiel das alte Stadthaus in der Hinterstraße saniert und hat jetzt die alte Außenstelle des Gutshauses Lischow in Neuburg „fertig gemacht“. Zur Kettensägenaktion sagt er nur: „Irgendeiner muss den Leuten ja mal die Augen öffnen.“

Verwalter vom Gutshaus sagt der OZ dazu nichts

Der Verwalter der Gutsanlage von Danneborth, Landwirt Jochen Walther, der noch vor einiger Zeit zur OZ gesagt hatte, dass er nach der Ernte etwas zur Problematik sagen würde, betont jetzt am OZ-Telefon mehrmals, dass er dafür „nicht zur Verfügung“ stehe. Obwohl die OZ auf die aktuelle Aktion der Denkmalschützer hinweist, bittet der Gutshaus-Verwalter schließlich darum, dass das Gespräch „in aller Ordnung“ beendet werde: „Ich stehe nicht weiter zur Verfügung, können wir auflegen?“

Thomas Hoppe

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