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Zweites Flüster-Windrad dreht sich in Brusow

Brusow Zweites Flüster-Windrad dreht sich in Brusow

Das Reriker Unternehmen Eno Energy testet mit zwei Prototypen das Verhalten der Mühlen in Windparks und bei Netzausfällen. Bis ein Rad rund läuft, investiert der Hersteller fünf Millionen Euro.

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Bauleiter Florian Begerow hatte im Dezember und Januar während der Bauzeit die Arbeiten am zweiten Prototypen überwacht.

Quelle: Jens Wagner

Brusow. Das zweite Flüster-Windrad von Brusow dreht sich — besonders leise. Seit ein paar Wochen ist die 92 Meter hohe Mühle in Betrieb. Das Besondere daran: Die Anlage ist ein Prototyp: „Eno 114“. Mit ihr soll das Verhalten von Windrädern in einem Windpark untersucht werden. Das Rad ist bereits das zweite, das vom Reriker Windenergieunternehmen Eno Energy bei Brusow zur Forschung aufgestellt wurde (die OZ berichtete) und soll resistenter gegen Turbulenzen sein als andere Mühlen. Zudem wird dort auch ein neues Getriebe getestet.

„Die Flächen für Windparks werden immer knapper“, erklärt Stefan Bockholt, Entwickler bei Eno Energy. Ein langfristiges Ziel sei es, künftig mehr Mühlen in einen Windpark zu setzen. „Wir müssen vorher untersuchen, wie sich die Windräder untereinander verhalten. Wir messen mit dem zweiten Prototypen die Strömungen am Rotor“, sagt Bockholt. Gerade bei viel Wind soll der Typ „Eno 114“

resistenter sein als andere und nicht komplett heruntergefahren werden müssen.

Zurzeit installieren die Mitarbeiter noch die Messtechnik. „Zwei Geräte scannen den Wind. Der bläst ja nicht konstant. Wir messen den Wind 600 bis 700 Meter vor dem Windrad“, so Bockholt. Und: Auch, was mit dem Wind geschieht, nachdem er die Mühle passiert hat, würde aufgezeichnet. „In der Nähe des Rades befindet sich ein Wald. Der ist auch noch eher eine Unbekannte für uns“, so der Entwickler.

Diese Tests werden sich mindestens ein halbes Jahr hinziehen. Insgesamt sollen die beiden Prototypen aber etwa zwei Jahre Messergebnisse liefern.

An dem ersten Windrad, das bereits vor knapp einem Jahr aufgestellt wurde, wird etwas anderes untersucht. „Wir simulieren hier so genannte Spannungseinbruchstests — also das Verhalten der Maschine bei Netzfehlern“, sagt Stefan Bockholt. Dafür würden dort am Tag 500 bis 600 Spannungseinbrüche fingiert. „Wir müssen schließlich für Netzstabilität sorgen. Die Maschinen müssen tolerant sein. Durch viele dezentrale Einspeiser könnte es zum Dominoeffekt kommen, wenn eine Anlage fehlerhaft läuft“, betont Bockholt. Netzfehler könnten sich ausweiten und so zum Totalausfall führen. In einem Container, der direkt neben dem ersten Prototypen aufgestellt ist, werten vier Mitarbeiter die Daten der Messgeräte aus.

„Wir betreiben unsere Prototypen selbst. Wir nutzen sie nicht kommerziell, sondern messen hier“, betont Stefan Bockholt zudem. Eine Kampagne zum Messen und Forschen kostet das Unternehmen zwischen 300000 und 400000 Euro. Profit könne man daraus nicht schlagen.

„Uns geht es vor allem auch darum, Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen“, sagt Andreas Jessel, Sprecher von Eno Energy. Die Menschen in der Region könnten auch stolz darauf sein, dass ein mittelständisches Unternehmen aus der Region mit rund 200 Mitarbeitern so innovativ auf dem großen Markt der Windenergieanlagenhersteller ist. In Rostock hat Eno Energy die Produktionsfläche im Hafenvorgelände gerade verdoppelt. Nun werden auch zusätzliche Mitarbeiter gesucht.

„Die Ausschreibungen laufen noch. Wir haben aber auch schon Gespräche mit Bewerbern geführt“, bestätigt Stefan Bockholt. 15 bis 20 Stellen seien zurzeit frei. Am 25. April — dem Tag der erneuerbaren Energien — wird es auch einen Tag der offenen Tür bei Eno Energy in Rostock geben. Was das Unternehmen von anderen unterscheidet, weiß Bockholt: „Bei uns gilt ein hohes Maß an Flexibilität. Es geht nicht so streng zu wie bei Großkonzernen und wir arbeiten sehr projektaffin.“ Damit einher gingen kürzere Entscheidungswege. Klar sei ihm aber auch, dass zu seinem Job eine gewisse Aufklärungsarbeit gehört. Viele Menschen seien für Windkraft, aber nicht vor der eigenen Tür. „Gegenwind gibt es immer“, sagt Bockholt. Dazu gehörten aber auch strenge Genehmigungsverfahren der Landes- und Kommunalbehörden.

In der Nähe von Kirch Mulsow plant das Unternehmen, einen weiteren Prototypen aufzustellen. „Der ist noch in der Entwicklung und das Genehmigungsverfahren läuft noch“, bestätigt Eno-Energy-Sprecher Andreas Jessel. Wenn das Verfahren durchgeht, würde der Windanlagenhersteller dort noch einmal einen noch anspruchsvolleren Prototypen testen, so Jessel. Und: „Wir konzentrieren uns derzeit eher auf den deutschen Markt, aber auch Groß Britannien und Schweden sind für uns interessant“, bestätigt Jessel.

Windenergie aus Rerik
2,05 bis 3,5 Megawatt — in diesem Bereich liegt die so genannte Nennleistung der Windenergieanlagen, die von Eno Energy produziert werden.
Die Rotoren haben einen Durchmesser von 82 bis 126 Metern.
200 Mitarbeiter arbeiten inzwischen für das Unternehmen, das in Rerik gegründet wurde und Standorte in Rostock, Hamburg, Dresden, Leipzig und Berlin unterhält. Auch europaweit ist das mittelständische Unternehmen mit Sitzen in Frankreich, Groß Britannien und Schweden aktiv.
114 heißt das Modell, von dem zwei Prototypen nahe Brusow stehen. Mit „eno 114“ sollen vor allem gute Erträge in ganzen Windparks erzielt werden. Die Nennleistung von 3500 Kilowatt sollen die Maschine laut Eno Energy zur stärksten Onshore-Windenergieanlage in der 3-Megawatt-Klasse machen.

 



Michaela Krohn

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