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Nix für Frostbeulen: Eine Nacht im Eishotel

Rövershagen Nix für Frostbeulen: Eine Nacht im Eishotel

Bei minus zehn Grad müssen sich die Gäste in der Eiswelt in Karls Erdbeerhof ganz dick einpacken / Nächstes Jahr soll es noch mehr Zimmer geben

Rövershagen. Kaltes Erwachen: Ein bisschen verschlafen schaut Adine Menge aus dem dicken Schlafsack heraus. Zwischen der leicht verrutschten Pandamütze und dem molligen Schal ist ihr Gesicht kaum zu erkennen. Eine Lampe in der Ecke sorgt für gedämmtes Licht. Der flackernde Kamin gegenüber des Bettes tut nur so, als würde er wohlige Wärme verströmen. Doch Feuer wäre an diesem Ort ganz und gar unangebracht, besteht das Nachtlager der 13-Jährigen und ihrer Mutter Jeanette doch vollständig aus Eis und Schnee. Die beiden Neubrandenburgerinnen gehörten zu den ersten Gästen, die im Eishotel in Karls Erdbeerhof eine Nacht verbrachten – bei minus zehn Grad Celsius.

Okay, Hotel ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Ein etwa sieben Quadratmeter großer Raum wird seit dem 28. Januar vermietet. „Das Gebäude gehört zur Eisfiguren-Ausstellung. Der Raum war leer.

Da kam die spontane Idee, dass man ihn irgendwie nutzen könnte“, sagt Nadja Schriever, Marketingleiterin bei Karls in Rövershagen. „Es ist ein Versuch. Wir hätten nicht gedacht, dass es so gut angenommen wird.“ Bis Ende April ist das Eishotel ausgebucht. Erste Anfragen für Mai liegen bereits vor.

„Es war kalt“, sagt Jeanette Menge trocken. „Ja, am Anfang“, ergänzt Tochter Adine, „aber im Schlafsack war es dann ganz warm.“ Tief und fest habe sie geschlafen. Mama Jeanette eher nicht. „Und sie ist in der Nacht immer näher gerückt“, sagt die Tochter. So sorgte die Nacht im Kühlschrank für mehr Nähe.

Den großen Luxus sucht man in den eisigen vier Wänden vergebens. Kein Fernseher, kein Fenster und auch das Handy lässt sich laut Nadja Schriever nicht wirklich aufladen, auch wenn es immerhin eine Steckdose gibt. „Bei der Kälte machen das die Akkus nicht mit“, sagt sie. Doch dafür bekommen die Gäste eine besondere Erfahrung geboten. Zum Paket für 99 Euro pro Nacht gehören ein Picknickkorb für den Abend, Frühstück, dicke Schlafsäcke und die Figuren-Ausstellung völlig exklusiv. „Am Abend hier alleine durchzugehen, war schon ein bisschen gruselig, aber auch schön. Ich habe alles ausprobiert“, sagt die Schülerin. „Wir mussten am Anfang einiges selbst testen“, erklärt Nadja Schriever. So musste beispielsweise die ursprünglich vorgesehene Thermoskanne im Picknickkorb ausgewechselt werden, weil der Deckel anfror.

Gegen 22 Uhr hatte sich das Mutter-Tochter-Gespann auf der ganz normalen, nicht eisigen Matratze schlafengelegt. „Mit vielen Pullis“, sagt Jeanette Menge. „Es war spannend, aber eine Nacht reicht“, so die 37-Jährige weiter.

Bislang werde das Zimmer auch nur stets für eine Nacht vergeben, sagt Nadja Schriever. Dusche und WC sind außerhalb der Ausstellung in einem Container. Auch gibt es einen Ausweichraum zum Aufwärmen, in dem, wenn es doch mal zu kalt werden sollte, die Gäste auch weiterschlafen können. Wie die Figurenausstellung muss natürlich auch das Eishotel gepflegt werden. Schließlich kann Eis bekanntlich ja auch schmelzen. Das Bettgestell, sicherlich das wärmeanfälligste Möbelstück des Zimmers, könne aber innerhalb von 48 Stunden nachproduziert werden.

Gut möglich, dass das Eishotel mit der nächsten Figuren-Ausstellung vergrößert wird. „Der Platz wäre da, das Eishotel größer aufzuziehen, vielleicht mit zehn Zimmern“, sagt Nadja Schriever. Seit Mitte Dezember ist die Schau eröffnet. Noch bis Oktober läuft sie. Noch bis Oktober können Neugierige also beweisen, dass sie keine Frostbeulen sind.

Robert Niemeyer

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