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Ab 2016 wird die braune Tonne Pflicht

Bad Doberan/Güstrow Ab 2016 wird die braune Tonne Pflicht

Neue Abfall-Satzung für den Landkreis sorgt für Ärger bei den Kunden im Norden. Gebühren noch immer unklar.

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Ab 2016 wird die Bio-Tonne Pflicht

Die hässlichen Tonnen nehmen viel Platz weg. Sie sind mir zuwider.“Harald Kotke (61), Bad Doberan

Bad Doberan. Eigentlich sollte das Schreiben, das Tausende Haushalte in der Region vor wenigen Tagen mit ihrer Müll-Rechnung im Briefkasten hatten, Fragen beantworten.

Bewirkt hat es das Gegenteil: Zum 1. Januar 2016 tritt die neue Abfall-Satzung in Kraft — die erste, einheitliche für den Landkreis. Doch auch neun Monate vor dem Inkrafttreten der neuen Regeln bleibt der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Landratsamtes den Kunden viele Antworten schuldig — zum Beispiel, was die Müllabfuhr künftig kostet. Das ist aber längst nicht der einzige Punkt, der für Ärger sorgt.

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Wir fühlen uns mal wieder bevormundet, eine Bedarfs- abfrage im Vorfeld wäre besser.“Elke Siegel (57), Bad Doberan

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Der wohl umstrittenste Passus der neuen Satzung: Auch im alten Landkreis Doberan führt der Eigenbetrieb ab dem 1. Januar eine Bio-Tonne ein. Verpflichtend für alle Haushalte. So ist es in Güstrow seit Jahren geregelt. Den Bürgern weiterhin die Wahl zu überlassen, ob sie eine braune Tonne wollen oder nicht, sei nicht möglich, heißt es aus dem Landratsamt. „Laut Kreislaufwirtschaftgesetz sind Bioabfälle getrennt zu sammeln und zu entsorgen. Das schreibt der Bund vor“, sagt Kay-Uwe Neumann, Sprecher der Kreisverwaltung. Doch: Das Gesetz räume Ausnahmen vom Bio-Tonnen-Zwang ein.

Von der wollen viele Hausbesitzer Gebrauch machen: „Ich kompostiere meine Bio-Abfälle im eigenen Garten. Ich brauche die Bio-Tonne nicht“, sagt etwa Elke Siegel (57). „Ich fühle mich bevormundet und hätte mir vom Landkreis gewünscht, dass er vorher mal den Bedarf ermittelt.“ Und Hannelore Ginzel (72), ebenfalls aus Bad Doberan, urteilt: „Die vielen Tonnen sind lästig — und wegen der unterschiedlichen Abfuhrtermine auch furchtbar für das Stadtbild.“ Auch Rolf Hermann (66) will sich vom Zwang befreien lassen: „Wer einen Garten hat, braucht die Tonne nicht. Das Geld kann man sich doch sparen.“ Nur wie er die Befreiung beantragt, das sei ihm auch nach dem Schreiben aus dem Landratsamt noch nicht klar.

„Jeder, der Bioabfälle auf dem Grundstück, auf dem sie anfallen, kompostiert und den Kompost auch ordnungsgemäß verwertet, wird befreit“, erklärt Kreis-Sprecher Neumann. Das sei mit einem formlosen Antrag beim Eigenbetrieb möglich. Ein Formular werde dafür nicht extra erstellt. Für Mieter allerdings dürfte die Befreiung ein Problem werden. Denn beantragen kann die nur der Grundstückseigentümer — und die großen Vermieter wollen die Bio-Tonne einführen. Und sie wollen die Kosten dafür auf alle Parteien in einem Haus umlegen. Ganz gleich, ob die einen Garten am Haus oder einen Kleingarten woanders besitzen: „Es geht nicht anders“, sagt Petra Mader, Chefin der Doberaner Wohnungsgenossenschaft AWG. Die AWG sehe sich jedenfalls nicht im Stande, zu kontrollieren, wer wirklich einen Garten sein Eigen nennt und wer nicht. „Das wäre zu viel bürokratischer Aufwand.“ Sie findet die Bio-Tonne aber aus einem anderen Grund ärgerlich: Die AWG muss etliche Tausend Euro in die Hand nehmen, um die Müll-Sammelplätze vor ihren Wohnblöcken zu erweitern. Die Noveg, die städtische Wohnungsgesellschaft in Kühlungsborn, will erst noch prüfen, wie mit den Tonnen umzugehen ist. „Für kleinere Häuser wollen wir versuchen, die Befreiung für jene zu beantragen, die einen Komposthaufen haben. Aber in den Blöcken wird das schwierig“, so Geschäftsführer Klaus Hannke.

Rund 3000 Tonnen Biomüll fallen bisher im Altkreis Güstrow pro Jahr an. Diese Menge werde sich verdoppeln, wenn auch die Doberaner die braune Tonne bekommen, schätzt der Eigenbetrieb. Für eine 80-Liter-Tonne, die alle vier Wochen abgeholt wird, zahlen die Güstrower bislang 40 Euro im Jahr. Wie viel es künftig sein werden, ist unklar. Es gibt noch keine neue Gebührensatzung — weil der Landkreis juristischen Ärger mit dem Thema Müll hat. Denn Abfuhr und Entsorgung mussten ausgeschrieben werden. Eines von insgesamt drei Losen in dem Verfahren zog der Eigenbetrieb zurück, weil die Angebote allesamt deutlich teurer ausfielen als geplant. Doch dagegen zieht nun ein Bewerber vor Gericht: „Die gesamte Ausschreibung steht vor dem Oberlandesgericht Rostock auf der Kippe“, sagt Neumann. Der Landkreis rechne zwar damit, dass eine Entscheidung rechtzeitig vor 2016 falle, aber: „Sollten wir bis dahin kein Urteil haben, tritt die neue Satzung dennoch in Kraft. Dann stellen wir die Abfuhr mit einer Notausschreibung sicher.“ Alles in allem gehe der Landkreis nach wie vor davon aus, dass die Müllabfuhr nicht wesentlich teurer werde als bisher.

Für die Kunden im Kreisnorden wird es aber definitiv weniger Service für das selbe Geld geben: Bislang hatten sie mit der Jahresgebühr 13 Abfuhren im Jahr inklusive. Wer seine Tonne häufiger rausstellte, zahlte extra. Das ist künftig nicht mehr so: Jeder Nutzer muss sich vorab entscheiden, ob sein Abfall alle zwei Wochen oder nur ein Mal im Monat abgeholt wird. „Diesen Rhythmus können die Kunden jeder Zeit und unkompliziert ändern“, sagt Neumann. Doch mit dem Einfach-die-Tonne-rausstellen sei es vorbei: Steht eine Tonne an der Straße, die noch nicht an der Reihe ist, bekommt der Müllmann ein Signal — und muss das volle Gefäß stehen lassen. „Wir glauben nicht, dass es damit Probleme geben wird. Die allermeisten Kunden haben ihre Tonnen auch bisher nicht häufiger als für die 13 Pflichtentleerungen rausgestellt. Der Schnitt lag bei 13,2“, erklärt der Sprecher von Landrat Sebastian Constien. Das alte System sei zu aufwändig gewesen.

Die Müllabfuhr im Kreis
6000 Tonnen Biomüll — so schätzt der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Landeskreises Rostock — werden künftig pro Jahr im Großkreis anfallen.
57,30 Euro zahlen Kunden im alten Landkreis Doberan bisher für eine 80-Liter-Restmüll-Tonne und 13 Abfuhren im Jahr. Jeder zusätzliche Entleerung kostet bislang 2,03 Euro.
10 Wertstoffhöfe will der Landkreis ab 2016 betreiben. Bisher gab es die nur im Altkreis Güstrow. In Doberan, Neubukow, Schwaan und Sanitz entstehen neue.

 



Andreas Meyer

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Bad Doberan/Güstrow
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