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Angst vor Abschiebung: Afrikaner flüchten ins Münster

Bad Doberan/Rostock Angst vor Abschiebung: Afrikaner flüchten ins Münster

Die Doberaner Gemeinde gewährt zwei Flüchtlingen Schutz vor der Staatsgewalt. Auch in Rostock sucht derzeit ein junger Afghane Schutz im Kirchen-Asyl.

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Amlesom Afewerki (von links), Betreuer Hannes Roggelin und Michael Abranos vor dem Münster. In der Kirche haben die Afrikaner Asyl gewährt bekommen.

Quelle: Andreas Meyer

Bad Doberan. Zwei Flüchtlinge aus dem afrikanischen Eritrea kämpfen in Bad Doberan mit verzweifelten Mitteln gegen ihre Abschiebung. Die beiden Männer – 25 und 28 Jahre alt – sind in das Münster geflüchtet, haben dort Kirchen-Asyl gewährt bekommen. In ihrer Heimat drohen ihnen Gefängnis und Folter – weil sie Christen sind, sagen sie. Es ist ein bisher einmaliger Fall in Bad Doberan. Bundesweit aber suchen immer häufiger Flüchtlinge Schutz in Gotteshäusern. In Rostock gibt es einen zweiten aktuellen Fall: Dort hat sich ein Afghane in die HeiligenGeist-Kirche der Kröpeliner-Tor-Vorstadt geflüchtet.

Hintergrund in Bad Doberan: Amlesom Afewerki (25) und Michael Abranos (28) waren 2013 über das Mittelmeer nach Europa geflohen. Die beiden sind Christen, wurden in Eritrea wegen ihres Glaubens misshandelt, berichten sie. Der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit kritisiert die Verhältnisse in Eritrea scharf: Betroffen seien vor allem kleinere christliche Gruppen. „Bis zu 3000 Christen werden dort in Frachtcontainern gefangen gehalten. Folter ist an der Tagesordnung. Etliche sind an den Folgen gestorben.“

Über Libyen gelangten die beiden Flüchtlinge, die im Münster leben, nach Italien. Dorthin sollen sie auch zurückgeschickt werden. Doch in das vermeintlich sichere EU-Land wollen die Männer nicht – weil dort ebenfalls unwürdige Verhältnisse für Flüchtlinge herrschen würden: „Bei ihrer Ankunft in Italien wurden sie in Zellen eingesperrt, die Hunde-Käfigen glichen“, sagt Hannes Roggelin. Der Doberaner Stadtvertreter betreut die Eritreer. Amlesom formuliert es so: „Als Urlaubsland ist Italien schön, aber nicht für Flüchtlinge.“

Die dritte Kammer des Verwaltungsgerichts verweigerte erst im November eine Abschiebung nach Südeuropa. Das Problem der beiden Eritreer: Über ihren Fall hat die fünfte Kammer entschieden – und die hat keine Bedenken mit Italien. Die Kirche in Doberan hingegen schon. Der Rostocker Pastor Marcus Antonioli will auf seinen aktuellen Fall - den eines jungen Afghanen - nicht näher eingehen, spricht sich aber im Notfall für Kirchen-Asyl aus: „Unsere Gemeinde steht für den Schutz von Flüchtlingen.“

Landesweit suchten 2013 zehn Flüchtlinge Asyl in Gotteshäusern. Bundesweit gab es laut der Nordkirche 79 Fälle. „Die Flüchtlinge können trotzdem jederzeit abgeschoben werden“, so Kay-Uwe Neumann, Sprecher des Landkreises Rostock. „Kirche ist kein rechtsfreier Raum“.



Andreas Meyer

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