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„Die Bürger sollen entscheiden“

„Die Bürger sollen entscheiden“

Steffen Reinicke ist Direktkandidat für die AfD, setzt sich für Volksentscheide und kostenfreie Kindergärten ein

Bad Doberan 43 621 Bürger sind am Sonntag, 4. September, im Wahlkreis 11 (Bad Doberan, Kröpelin, Kühlungsborn, Neubukow, Gemeinde Satow, Amt Bad Doberan-Land, Amt Neubukow-Salzhaff) aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Wir stellen bis dahin die acht Direktkandidaten in unserem Wahlkreis vor, die nach Schwerin wollen. Heute: Steffen Reinicke (Alternative für Deutschland).

 

OZ-Bild

Steffen Reinicke ist Förster und hat sich schon immer im Wald wohlgefühlt. Als Förster lerne man, langfristig zu denken, sagt er. Auch in der Politik müsse man das.

Quelle: Anja Levien

Wir wollen die GEZ abschaffen.“Steffen Reinicke, Direktkandidat für den Wahlkreis 11, Alternative für Deutschland

Warum haben Sie für das Interview den Wald ausgewählt?

Steffen Reinicke: Weil ich Förster bin und weil ich mich hier wohlfühle. Das war schon immer so. Als Förster lernt man langfristig zu denken, weil die Bäume, die wir heute ernten, unsere Vorfahren gepflanzt haben und was wir heute pflanzen, der nächsten Generation übergeben.

Und langfristig möchten auch Sie planen, so steht es auf ihrem Wahlplakat: Weitblickend denken. Was heißt das für Sie konkret?

Reinicke: Die Politik, die ich beobachte, ist immer in Legislaturperioden gedacht. Ein langfristiger Erfolg ist so nicht möglich.

Welche Themen wollen Sie langfristig angehen?

Reinicke: Die Hauptthemen, die mich persönlich politisch werden ließen, sind die Eurokrise, die Russland-Sanktionen, die Asylkrise und die fehlende Demokratie. Die repräsentative Demokratie hat ihren Namen nicht verdient. Es ist im Grunde eine Diktatur auf Zeit. Die Parteien formulieren ihr Wahlprogramm als Gesamtpaket. Innerhalb dessen finde ich bestimmte Punkte gut, andere wieder schlecht. Aber wenn ich mich für eine Partei entscheide, wenn ich wähle, muss ich viele Dinge schlucken, die mir nicht gefallen. Ich möchte zu einzelnen Themen Ja und Nein sagen können.

Aber die AfD hat auch ein Wahlprogramm.

Reinicke: Ja haben wir, weil wir damit in dieses politische System reinkommen müssen. Wir haben allerdings das entscheidende Element der direkten Demokratie in unserem Wahlprogramm, damit diktieren nicht wir die Politik, sondern die Bürger entscheiden. Ich habe viel mehr Vertrauen in Menschen, die mit beiden Beinen auf der Erde stehen, die wissen, was es heißt, Arbeiten zu gehen, die im Alltag jeden Tag um ihre Existenz kämpfen müssen, dass die viel schlauere Entscheidungen treffen als Politiker, die den Kontakt zur Erde verloren haben. Wir haben das Ziel, die Bürger zu beteiligen, in Form von Volksbefragungen und Bürgerentscheiden.

Wird die Entwicklung eines Landes nicht verlangsamt, wenn bei jedem Thema die Bürger befragt werden?

Reinicke: Ich finde nicht, dass die Politik so viel schneller handelt. Ich sehe da keinen Nachteil.

Sie leben in Papendorf. Welchen Bezug haben Sie zum Wahlkreis?

Reinicke: Der Landkreis Rostock ist groß. Der Wahlkreis 11 ist ein Teil davon. Ich finde die ländliche Region sympathisch. Ich als Förster bin kein Großstadtmensch. Der Wahlkreis 11 hat eine Zusammensetzung von Menschen, mit denen ich mich identifiziere.

Was ist das Thema Nummer eins für den Wahlkreis 11?

Reinicke: Für mich ist der wichtigste Punkt die Demokratie. Warum sollen die Menschen, die hier leben, nicht selbst entscheiden, was gut für sie ist?

Welche Themen wollen Sie bei der Bürgerbeteiligung ansprechen?

Reinicke: Alle Bereiche, die uns betreffen, zum Beispiel die Bebauung mit Großprojekten. In der Kommunalverfassung gibt es einen Passus, der ausschließt, dass Bürger bei Bebauungsangelegenheiten befragt werden. Sie haben nicht mal die Chance über einen Bürgerentscheid ein Mitspracherecht bei Bebauungen in der Nachbarschaft zu erwirken. Und so was kann nicht sein.

Zählt zu diesen Großprojekten auch die Windenergie?

Reinicke: Ja sicher. Die Landschaft ist ein öffentliches Gut. Die Anwohner sollen selbst entscheiden, ob dort Windräder hinkommen. Der Gewinn fließt in nur wenige Taschen, der Schaden trifft alle. Ein Mitspracherecht gibt es nicht.

Wie stehen Sie zur Windenergie?

Reinicke: Wir machen unsere Landschaft kaputt. Das Thema geht noch viel weiter. Es muss zum Beispiel auch der Pestizideinsatz auf landwirtschaftlichen Flächen runtergefahren werden und vieles mehr. Ich bin kein Freund der Atomkraft. Den Atommüll, der Hunderttausende Jahre strahlt, können wir unseren Kindern nicht mit gutem Gewissen überlassen. Langfristig will ich, dass Deutschland sich von dieser Energieform verabschiedet. Dafür braucht man Alternativen, da ist die Windkraft ein kleiner Teil. Sie ist nicht effizient genug und verbaut unsere Landschaft. Ich will jetzt nicht, dass sie komplett gestoppt wird, aber sie muss neu geregelt werden. Abstandsregeln und Bürgerbeteiligung sind wichtig.

Sie haben die Bürgerbeteiligung und alternative Energien angesprochen. Was wollen Sie noch angehen, wenn Sie in den Landtag gewählt werden?

Reinicke: Unser Wahlprogramm ist voll mit richtig guten Themen. Wir wollen die GEZ abschaffen. Es ist unglaublich, dass die Gebühren ins Maßlose steigen. Der Informationsauftrag, so wie er im Grundgesetz verankert ist, braucht nicht zahllose Sender mit seichter Unterhaltung. Weitere Themen wären kostenfreie Kindergärten oder die Russland-Sanktionen zu beenden. Das Thema bedeutet mir als Volkswirt sehr viel.

Sie haben die Asylkrise schon angesprochen. Tausende Flüchtlinge sind im Land. Wie kann ihre Integration gelingen?

Reinicke: Die Frage ist, ob sie integriert werden müssen. Es wird immer geredet, wir brauchen die gut qualifizierten, ausgebildeten – zum Beispiel – syrischen Ärzte. Wer braucht die dringender?

Wir oder die syrischen Kinder vor Ort? Ich sehe das als Verpflichtung, dass die, die hergekommen sind, fit gemacht werden, um das kaputte Land wieder aufzubauen. Es ist eine Schande, wenn wir eine Bevölkerungswanderung unterstützen und die Länder ausbluten lassen. Die Zuwanderung nutzt weder den Heimatländern noch uns.

Müsste man dann nicht in den Krisenländern helfen?

Reinicke: Ja, das sagen wir ja. Vor-Ort-Hilfe ist auch sehr viel effizienter. Was diese angeblich hier so notwendige Integration kostet – mit dem Geld könnte man den Menschen vor Ort helfen, den Frauen, Kindern und Älteren, die Hilfe viel nötiger haben als die jungen Männer, die jetzt hier sind.

Seit wann sind Sie in der Politik und warum?

Reinicke: Seit letztem Jahr. Ich habe mir viel Zeit gelassen, in die AfD einzutreten. Den letzten Anstoß hat die Asylkrise gegeben. Wir sind eine Partei, in der viele engagierte und fähige Leute alle Fachgebiete abdecken.

Zum Abschluss drei kurze Fragen. Molli fahren oder Segeln gehen?

Reinicke: Beides.

Currywurst oder Salat?

Reinicke: Currywurst.

Spontanität oder Routine?

Reinicke: Ich habe mir Spontanität angewöhnt.

Zur Person

Steffen Reinicke ist einer von acht Direktkandidaten im Wahlkreis 11 zur Landtagswahl am 4. September in Mecklenburg-Vorpommern. Er engagiert sich seit dem letzten Jahr in der Politik und ist der Alternative für Deutschland (AfD) beigetreten. Der 43-Jährige lebt in Papendorf, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Förster von Beruf und studierter Volkswirt. Hobbys stehen bei ihm zur Zeit ganz hinten an.

Interview von Anja Levien

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