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Ein Plädoyer für Demenz-Fachkräfte

Kröpelin Ein Plädoyer für Demenz-Fachkräfte

In Kröpelin hat Awo jetzt zwei gerontopsychiatrische Expertinnen / Sozialministerin informierte sich

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Gerontopsychiatrische Fachkraft Kerstin Paprzik: „Ihnen auf der Gefühlsebene zu begegnen, sich einzufühlen und sie ernst zunehmen, das ist der Schlüssel im Umgang mit Menschen mit Demenz“.

Quelle: Foto: Thomas Hoppe

Kröpelin. Gerontopsychiatrische Fachkräfte – ihre Ausbildung wird im Land staatlich nicht anerkannt, doch Praktiker, wie die Leiterin des Kröpeliner Awo-Seniorenzentrums Elfriede Pilgrim, fordern das seit Langem.

„Verwirrtheit im Alter“

ist ab dem 6. November das Thema des nächsten Pflege-und Betreuungskurses für Angehörige Demenzkranker im Kröpeliner Awo-Seniorenzentrum. Der Kurs wird auf Antrag teilweise von den Kassen gestützt und von Spenden über den Awo-Regionalverband finanziert.

Anmeldungen unter ☎ 3829285410 Kursleitung: Christine Komm

„Gerontopsychiatrische Fachkraft, dieser Begriff (es geht um die Psyche von Menschen jenseits der 60, A.d.R.) schwirrt mir seit 20 Jahren durch den Kopf – wir brauchen Fachleute, die sich dem Thema Demenz stellen und damit gut umgehen können. Denn der Umgang mit demenziell erkrankten Menschen ist eine Herausforderung“, betonte Elfriede Pilgrim auf einer Art Workshop anlässlich des Welt-Alzheimertages in Awo-Zentrum am Wedenberg. Hier arbeiten jetzt zwei Gerontopsychiatrische Fachkräfte, eine in Hamburg ausgebildete und eine, die in Rostock beim Grone-Bildungszentrum weiterqualifiziert wurde. Die Letztere, Kerstin Paprzik, stellte beim besagten Workshop Teile ihrer Abschlussarbeit zum Thema „Die tägliche Herausforderung“ vor. Dem wohnte auch die Landessozialministerin Stefanie Drese (SPD) bei, die vorausschickte, dass die Frage der staatlichen Anerkennung solcher Fachkräfte derzeit ein Gesprächsthema zwischen Bildungs- und Sozialministerium sei und sie von dem Abend „auf Futter für die Bildungsminsterin“ hoffte.

Kerstin Paprzik, ursprünglich eine gelernte Kinderkrankenschwester, die seit 2007 im Pflegebereich arbeitet, betonte zu ihrem heutigen Arbeitsort, dass das Kröpeliner Awo-Seniorenzentrum bewusst offen geführt werde: „Wir begreifen die sogenannte Weglauftendenz als Hinlauftendenz. Die Menschen haben meist ein Ziel, wenn sie sich auf den Weg machen“. Die 50-Jährige sprach zudem von einem „ganzen Gebirge“, das erklommen werde, wenn man sich mit der Betreuung und Pflege von Menschen, insbesondere, wenn sie an Demenz erkrankt seien, auseinandersetze.

In ihrem Arbeitskonzept nach dem britischen Gerontologen Tom Kitwood (1937-1998) sei der Satz festgeschrieben: „Der Mensch mit Demenz ist nicht der Schreier, nicht der Demente und auch nicht der Wegläufer, sondern es ist der Mensch, die Person, die vor der Diagnose Demenz steht und er steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit“. Demenz werde nicht ausschließlich als degenerativer Prozess im Hirn angesehen, sondern: „Psychische Erfahrungen und Hirnaktivität beeinflussen sich vielmehr gegenseitig“. Im Fokus stehe nicht die Heilung von Demenz, sondern das Wohlbefinden und eine gelingende Beziehung im täglichen Umgang mit den Menschen mit Demenz. „Unser Wahlspruch ist, die Begleitung kommt vor der Betreuung und die kommt vor der Pflege“, erklärte Kerstin Paprzik und führte nach Kitwood folgende Empfindungszustände auf, die das Wohlbefinden und stabiles Sein fördern würden: „Das Gefühl, etwas wert zu sein, das Gefühl etwas zu tun, das Gefühl dazuzugehören sowie das Gefühl von Sicherheit und Hoffnung“. Es folgten zahlreiche Anwendungsbeispiele aus der Praxis und das Fazit von Kerstin Paprzik: „Alle Regeln, die für den Umgang mit Menschen mit Demenz gelten, treffen auch auf den Umgang mit nichtdementen Menschen zu“.

In MV leben heute etwa 35000 Menschen mit Demenz. Davon werden drei Viertel zu Hause betreut.

Thomas Hoppe

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