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„Eltern haben keine Wahl“

„Eltern haben keine Wahl“

Christine Borgwald ist Grünen-Direktkandidatin / Die 32-Jährige will sich für Familien und Bildung einsetzen

Kröpelin Die Bürger im Wahlkreis 11 (Bad Doberan, Kröpelin, Kühlungsborn, Neubukow, Gemeinde Satow, Amt Bad Doberan-Land, Amt Neubukow-Salzhaff) sind am Sonntag, 4.

 

OZ-Bild

Christine Borgwald engagiert sich ehrenamtlich im Verein „De Drom“ im Bahnhof Kröpelin (Hintergrund).

Quelle: Anja Levien

Wer 40 Stunden arbeiten geht, muss sich auch was leisten können.“Christine

Borgwald, Direktkanidatin

Bündnis 90/ Die Grünen

September, zur Wahl des Landtages Mecklenburg-Vorpommern aufgerufen. Wir stellen bis dahin die acht Direktkandidaten in unserem Wahlkreis vor. Heute: Christine Borgwald (Bündnis 90/ Die Grünen).

Wir sind im Bahnhof Kröpelin, Wirkungsstätte des Vereins „De Drom“, Gesellschaft zur Förderung von Kultur, Bildung und Gemeinwesen in der Regiopole Rostock, in dem sie stellvertretende Vorsitzende sind. „De Drom“, niederdeutsch „der Traum“. Was ist Ihr Traum?

Christine Borgwald: Mecklenburg-Vorpommern war immer auch ein Land für Kreative und für Träumer. Auf Lebensfreude und Schaffenskraft müssen wir bauen. Dieses Potenzial brauchen wir in unserer Region. Wir müssen kreative Energien in unser Land holen und hier halten. Bildung und Kultur sind Wirtschaftsfaktoren. In Kröpelin haben wir als gemeinnütziger Verein ein soziokulturelles Zentrum aufgebaut. Mit dem Kauf des Bahnhofs Neubukow sind wir jetzt einen großen Schritt weitergekommen. Dort sollen zukünftig junge Menschen in der Nordischen Kunstakademie ausgebildet werden.

Warum haben Sie diesen Ort für das Interview gewählt?

Borgwald: Der Bahnhof ist ein Standort meines ehrenamtlichen Engagements. Er hat sich seit 2010 als Ort für Kultur etabliert. Viele Leute kennen mich aus dem Bahnhof, er gehört zum familiären Leben.

Sie kommen hier ins Gespräch mit den Menschen, sind Mitglied im Kreistag des Landkreises Rostock. Was beschäftigt die Bürger?

Borgwald: Ich habe das Gefühl, dass sich viele Menschen mit ihrem Problemen von der Politik gar nicht mehr Ernst genommen fühlen. Nehmen Sie das Thema Kinderbetreuung. Eine junge Familie braucht einen Kindergartenplatz und bekommt keinen, obwohl es darauf einen Rechtsanspruch gibt. Ich kenne das auch aus eigener Erfahrung. Ich trete dafür ein, dass der Bedarf der Familien gedeckt wird. Meine Tochter geht spät in den Kindergarten, muss lange da sein, andere Familien brauchen eine Frühbetreuung. Das muss man koordinieren. Man spricht immer davon, dass wir als Land überaltern, weil junge Leute uns verlassen. Um dem entgegenzuwirken, müssen wir attraktive Angebote schaffen. Wer 40 Stunden arbeitet, muss sich auch was leisten können. Wenn Politik an den Menschen vorbeigeht, dann wächst der Frust.

Kann man den Menschen als Landtagsabgeordnete den Frust nehmen?

Borgwald: Ja, ich hoffe. Denn gerade die Themen im Bildungs- und Kulturbereich, die mich bewegen, sind im Landtag auf die Agenda zu bringen. Ich finde es ganz schlimm, wie Steuergelder verschleudert werden, was beim Thema Freie Schulen oder Schließung von Schulen passiert. Da muss gegengesteuert werden. In Kröpelin wurde für sehr viel Geld eine Schule renoviert, dann wurde sie geschlossen, weil der Schulentwicklungsplan das vorsah. Dann wollte sich eine Freie Schule ansiedeln, da ließ das Land jahrelang mit der Genehmigung auf sich warten. Wir haben ein tolles Gebäude, aber keine Regionale Schule. Stattdessen müssen die kleinen Kinder mit dem Bus fahren. Eltern haben keine Wahl.

Aber der Schulentwicklungsplan war gerade erst Thema im Schulausschuss des Kreises.

Borgwald: Aber es wird vom Land gesteuert, wie viele Schulen es geben darf. Und gerade die Landesregierung lässt die Freien Schulen am langen Arm verhungern bis sie Genehmigungen und Zuschüsse bekommen, zum Beispiel für die Schülerbeförderung. Für mich gehört es dazu, dass ich entscheide, auf welche Schule mein Kind geht.

Ist Familie und Bildung das Thema Nummer eins für den Wahlkreis?

Borgwald: Ja. Starke Familie, gute Bildungschancen – das ist einfach das, was mich bewegt und was ich aus Erfahrung kenne.

Was heißt starke Familie? Familien stärken in der Unterstützung für die Schülerbeförderung, in der Auswahl der Schulen?

Borgwald: Wenn wir die Familien stärken wollen, brauchen wir gute Schule, gute Bildung, gute Infrastruktur für unsere Kinder. Aber auch Arbeit und gerechte Bezahlung für die Eltern. Sie müssen die Möglichkeit haben, arbeiten zu gehen und genug für den Lebensunterhalt zu verdienen. Ich kenne leider genug Menschen, die 40 Stunden arbeiten und es reicht hinten und vorne nicht.

Welche Themen wollen Sie noch angehen?

Borgwald: Die Energiewende ist ein klassisch grünes Thema. Da komme ich auch her. Ich war jahrelang aktiv im Naturschutzbund, war zehn Jahre Landesjugendsprecherin vom Nabu MV, habe Kinder- und Jugendfreizeiten organisiert. Umwelt ist ein Thema, was mir am Herzen liegt.

Was muss passieren, damit die Energiewende gelingt?

Borgwald: Wir müssen aus der Atomkraft aussteigen. Ich bin für die Windkraft, aber wenn man sieht, wie die Landschaft „verspargelt“ wird, zum Beispiel in der Ecke um Satow, müssen wir auch Alternativen wie Erdwärme und Solar fördern.

Das letzte Jahr war stark durch die Flüchtlingskrise bestimmt. Wie können Tausende Flüchtlinge in die Gesellschaft integriert werden?

Borgwald: Ich bin für die dezentrale Unterbringung. Ich kann Flüchtlinge nicht integrieren, wenn ich große Wohnblocks kaufe und ein Sozialarbeiter passt auf, dass 90 Flüchtlinge klar kommen.

Gerade in der ländlichen Region lassen sich Flüchtlinge besser integrieren als in der anonymen Stadt. Auf dem Land und in den kleinen Gemeinden gibt es noch ein Miteinander und Fürsorge.

Welche Schwierigkeiten müssen bewältigt werden?

Borgwald: Die Flüchtlinge müssen deutsch lernen. Es müssen ausreichend Kurse angeboten werden und die Leute müssen hinkommen können. Wir brauchen einen guten öffentlichen Nahverkehr in den Dörfern, Städten und in der Region – nicht nur wegen der Flüchtlinge. Wir haben viele Dörfer, die abgeschnitten sind, da fährt, wenn überhaupt, ein Schulbus und sonst nichts. Deshalb haben wir als Grüne Kreistagsfraktion den Antrag für ein Sozialticket eingebracht, das auch ein Gewinn für die Busunternehmen wäre.

Zum Abschluss drei kurze Fragen: Münsterbesuch oder Kletterwald?

Borgwald: Münsterbesuch.

Fischbrötchen oder Pommes?

Borgwald: Fischbrötchen.

Comedy oder Horror?

Borgwald: Comedy.

Zur Person

Christine Borgwald ist freie Journalistin und Inhaberin eines Logierhauses. Die 32-Jährige ist Mutter einer Tochter und engagiert sich als stellvertretende Vorsitzende im Verein „De Drom“. Die Kröpelinerin ist Mitglied im Naturschutzbund und war zehn Jahre Landesjugendsprecherin. Seit 2013 ist sie Mitglied bei den Grünen und sitzt für diese im Kreistag des Landkreises Rostock. Sie sei schon immer ein Mensch gewesen, der sich gerne engagiert und nicht nur auf den eigenen Tellerrand gucke, sagt sie. Als sie sich umschaute, wo sie Ideen einbringen kann, fühlte sie sich bei den Grünen aufgehoben.

Interview von Anja Levien

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