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Hochhaus-Bau: Gegner machen mobil

Börgerende Hochhaus-Bau: Gegner machen mobil

Bürgerinitiative „67 Meter-Nein! Börgerende-Rethwisch“ fordert mehr Einfluss – und strebt einen Bürgerentscheid an

Börgerende. Gegen das geplante Forschungsinstitut in Börgerende regt sich immer mehr Widerstand. Eine jetzt gegründete Bürgerinitiative „67 Meter-Nein“ will dabei nicht nur das 67 Meter hohe Hochhaus in Deich-Nähe verhindern – „auch das geplante Sportforum hinter der Kleingartenanlage am Driftweg ist aus unserer Sicht überflüssig“, sagt Mitinitiator Christian Baumann. „Denn im vergangenen Jahr wurde in Rethwisch für viel Geld der Sportplatz saniert – eine weitere Anlage macht keinen Sinn.“

 

OZ-Bild

Will hoch hinaus: das geplante Institut in Börgerende. Grafik: Wind-Projekt

Quelle:

18-stöckiges Gebäude hinter dem Deich

67 Meter hoch soll das Institut sein, das die ortsansässige Wind-Projekt GmbH direkt neben dem Reitcamp in Börgerende bauen will. Hier sind auch Wohnungen, Restaurant, Fitnessbereich und kleines Hotel untergebracht.

Mit Blick auf den 18-Stöcker in Strandnähe geht es den Kritikern vor allem um die Dimensionen des Gebäudes: „Es gibt hier Vergleichswerte“, erklärt Dr. Lutz Baumbach, der sich ebenfalls für die Bürgerinitiative stark macht. „Denn in Bissigheim nahe Stuttgart steht ein ganz ähnliches Hochhaus – wenn man die Zahlen während der Bautätigkeiten hört, kann man nur mit dem Kopf schütteln.“

Denn laut Aussage des dortigen Architekten hätten für die Bohrungen allein 13 000 Kubikmeter Erde ausgehoben werden müssen, so Baumbach: „Diese Bohrungen waren 15 Meter tief – in Börgerende haben wir Lehmboden, hier muss rund 40 Meter tief gegraben werden, um sicheren Stand zu bekommen. Da würde sich der notwendige Aushub locker verdoppeln.“

Dazu seien in Bissigheim nur für die Pfahlgründung 7500 Kubikmeter Beton verbaut worden. „Um diesen Beton heranzuschaffen, waren mehr als 1000 Lkw-Ladungen notwendig“, rechnet Baumbach vor. „Was das für unser kleines Börgerende für ein Verkehrsaufkommen bedeutet, kann sich jeder vorstellen.“

Schon jetzt würden in der Seestraße Autos oftmals Schwierigkeiten haben, unfallfrei an Lkw vorbeizufahren, meint Christian Baumann. „Mit Beginn der Bauphase und auch danach gibt es hier ein massives Verkehrsproblem.“ Dies sei auch einer der größten Kritikpunkte, so Baumann: „Investor Carlo Schmidt und auch die Gemeinde haben für das offensichtliche Infrastruktur-Problem keine wirkliche Lösung.“

Neben den genannten Punkten gehe es der „Bürgerinitiative 67 Meter-Nein!“ vor allem um den Erhalt des ursprünglichen Dorf-Charakters sowie den Erhalt des Landschaftsschutzgebietes, stellt Baumann klar.

Dabei würden die angekündigten Bürgerversammlungen an der Realität vorbeigehen, ist Lutz Baumbach überzeugt: „Es soll vier Veranstaltungen mit je 100 Leuten geben – das ist aber alles andere als demokratisch.“ Denn diese insgesamt 400 Menschen würden gerade einmal 28,6 Prozent der Wahlberechtigten im Ort ausmachen. Darüber hinaus habe man in einem offenen Brief an Bürgermeister Horst Hagemeister (parteilos) gefordert, gleichberechtigt zum möglichen Investor an der Vorbereitung und Durchführung der Versammlungen beteiligt zu werden, sagt Baumbach: „Es geht um absolute Transparenz bei der Behandlung des Vorhabens – nach unserer Auffassung muss die Teilnahme aller Bürger sichergestellt werden.“ Eine Reaktion des Bürgermeisters habe es bislang leider noch nicht gegeben, ist Baumbach enttäuscht.

Perspektivisch strebe die Initiative ein Bürgerbegehren an, erklärt Christian Baumann: „Dazu brauchen wir die Unterschrift von zehn Prozent der Wahlberechtigten.“ Sollte die Gemeindevertretung ein Bürgerbegehren mehrheitlich ablehnen, werde in der Folge ein Bürgerentscheid vorbereitet, kündigt Baumann an: „Dazu muss die Fragestellung juristisch sauber gezogen sein – wir wollen über das Projekt demokratisch abstimmen lassen.“

Und eines sei auch unbestritten, macht Lutz Baumbach deutlich: „Wir schätzen Investor Carlo Schmidt, er hat unheimlich viel für unseren Ort getan.“ Über die Dimensionen des geplanten Forschungsinstituts könne und müsse man aber streiten. „Wir sind keine Revoluzzer“, stellt auch Christian Baumann klar. „Das ist unsere erste Bürgerinitiative – und wird hoffentlich auch unsere letzte sein.“

Lennart Plottke

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