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„Ich bin gegen weitere Zentralisierung“

„Ich bin gegen weitere Zentralisierung“

Direktkandidat Andreas Unterfranz: Ämter, Kreise und Gerichte dürfen nicht unübersichtlich werden

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Andreas Unterfranz hat in Heiligendamm schon viele Sommer verbracht und sich auch politisch mit dem Seebad auseinandergesetzt.

Quelle: Anja Levien

Heiligendamm 43621 Bürger sind am Sonntag, 4. September, im Wahlkreis 11 (Bad Doberan, Kröpelin, Kühlungsborn, Neubukow, Gemeinde Satow, Amt Bad Doberan-Land, Amt Neubukow-Salzhaff) aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Wir stellen bis dahin die acht Direktkandidaten in unserem Wahlkreis vor. Heute: Andreas Unterfranz (Achtsame Demokraten – Die Hiddenseepartei).

Zur Person

Andreas Unterfranz lebt in Bad Doberan und arbeitet heute in der Gastronomie. Der 47-Jährige ist gelernter Schiffsschlosser und war jahrelang als DJ aktiv. Ein Jahr hat er in der Türkei für eine deutschsprachige Wochenzeitung gearbeitet. Andreas Unterfranz ist Mitglied im Doberaner Fußball Club und fährt gerne Rennrad.

Warum haben Sie Heiligendamm als Interview-Ort ausgewählt?

Andreas Unterfranz: Ich bin in Doberan geboren, ich habe hier in Heiligendamm im Sommer meine Kindheit und Jugend verbracht, zuletzt hat mich auch die politische Arbeit mit Heiligendamm verbunden.

Seit wann sind Sie in der Politik und warum?

Unterfranz: Ich habe um meinen 30. Geburtstag herum bemerkt, dass wir nur meckern. Das bringt es nicht. Ich bin dann bei der CDU gelandet, weil dort Personen waren, mit denen ich mich identifizieren konnte, die ähnliche Themen beschäftigt hat wie mich.

Aber Sie sind im letzten Jahr aus der CDU ausgetreten.

Unterfranz: Ja, aber das hat nichts mit Merkel oder der Bundespolitik zu tun. Der ausschlaggebende Punkt war bei mir der Umgang der CDU mit der Unterschriftenaktion gegen die Schließung der Amtsgerichte. Dass das einfach so abgebügelt wurde, das ist einfach keine CDU-Politik mehr.

Sollte man die Gerichtsreform rückgängig machen?

Unterfranz: Das ist ein wichtiger Punkt, warum ich bei den Achtsamen Demokraten gelandet bin. Ich bin grundsätzlich gegen einen weiteren Ausbau der Zentralisierung von allen Strukturen, ob das nun Ämter, Kreise oder Gerichte sind. Je größer die Strukturen werden, desto unübersichtlicher wird es. Ich war zehn Jahre lang Schöffe am Amtsgericht Bad Doberan. Es hat Vorteile, wenn man das kleinteilig hält und die Zusammenhänge kennt.

Sie sind gegen einen weiteren Ausbau der Zentralisierung. Werden Sie die Gerichtsreform rückgängig machen, wenn Sie gewählt werden?

Unterfranz: Ich sage mal Ja, aber es ist so, dass das Land versucht hat die Immobilien, in denen die Gerichte drin waren, loszuwerden. Es ist nicht so einfach, das rückgängig zu machen. Es tut der Gesellschaft aber sicherlich gut, wenn wir kleinteilig werden.

Warum sind Sie zu den Achtsamen Demokraten – Die Hiddenseepartei gegangen?

Unterfranz: Die Hiddenseepartei hat sich aus einer Bürgerbewegung heraus gegründet. Für den Landtag kann man nur als Partei kandidieren. Da fanden sich mehrere Bürgermeister und Kommunalpolitiker zusammen. Deren Vorstellungen stimmen mit meinen überein.

Was sind denn ihre Vorstellungen?

Unterfranz: Dass Bürgernähe auch Bürgernähe ist. Ein Bürgermeister, ein Amtsvorsteher ist bürgernah, der weiß, wo der Schuh drückt. Im Moment fährt das Land zwar die Schulden runter, aber auf Kosten der Gemeinden. Die Gemeinden sind alle hoch verschuldet und können ihre freiwilligen Leistungen nicht mehr erbringen und das Land rühmt sich jedes Jahr, den Haushalt wieder mit einer schwarzen Null verabschiedet zu haben.

Welche Chancen sehen Sie, in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gewählt zu werden?

Unterfranz: Dadurch, dass die Partei erst sehr jung ist und das Wahlkampfbudget im Vergleich zu anderen sehr gering, ist es schwierig, in so kurzer Zeit effektiv Bekanntheit zu erlangen. Aber ich sehe eine reelle Chance, die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken.

Was ist das Thema Nummer eins im Wahlkreis 11 für Sie?

Unterfranz: Das wir wieder eine Identität im Wahlkreis bekommen. Ich bin in der Kreisstadt Bad Doberan geboren und aufgewachsen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass Doberan von der Politik nicht richtig die Beachtung findet, die es verdient. Ein Beispiel ist die Anerkennung zum Weltkulturerbe. Da stand das Doberaner Münster zur Wahl und die Politik hat entschieden, ein 180 Jahre altes Schloss in Schwerin zu nehmen. Das liegt daran, dass der Altkreis Bad Doberan schlecht vertreten ist. Das will ich ändern.

Was sind Themen, die Sie angehen wollen?

Unterfranz: Es wird zum Beispiel immer wieder behauptet, wir hätten eine hervorragende Kinderbetreuung im Land. Dem kann ich nicht zustimmen. Nach dem Personalschlüssel in Mecklenburg-Vorpommern kommen auf einen Erzieher sechs Kinder unter drei Jahre, in Baden-Württemberg sind es drei. Im Kita-Bereich hat ein Erzieher in Mecklenburg-Vorpommern 13,4 Kinder, in Baden-Württemberg 7,1. Da müssen wir Stellen schaffen. Es wird immer gefordert: kostenlose Kitaplätze. Da bin ich auch ein Freund von. Für mich ist es aber wichtiger, dass wir eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung haben. Auch die Ausbildung zum Erzieher muss attraktiver werden und darf nicht nur über private Schulen gehen. Es muss auch staatliche Schulen geben – ähnlich wie in der Altenpflege.

Muss in der Altenpflege auch nachgesteuert werden?

Unterfranz: Oh ja, dass ist das zweite Thema. Pflegebedürftige in Baden-Württemberg erhalten 109 Minuten Pflege, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 83 Minuten. Das sind schon Welten. Auf 100 Pflegebedürftige kommen in Baden-Württemberg 41 Personalstellen, bei uns 31. Da muss dringend etwas gemacht werden. Zum einen, um die Pflegequalität zu steigern, zum anderen zur Entlastung der Mitarbeiter.

Sie fahren gerne Rennrad. Wie steht es um die Radwege bei uns im Wahlkreis ?

Unterfranz: Wir haben ein gut ausgebautes Radwegenetz. Das steht außer Frage, aber an dem Erhalt wird wenig gemacht. Innerstädtisch ist es in Bad Doberan eine Katastrophe. Da die Stadt eine historische Altstadt hat, ist es baulich auch schwierig zu lösen.

2015 hat die Flüchtlingskrise viele beschäftigt. Wie können Tausende Flüchtlinge integriert werden?

Unterfranz: Ich habe es als Krise in Bad Doberan nicht wahrgenommen. Klar sieht man mehr fremdländisch aussehende Menschen in der Stadt, aber ich glaube, dass zu viel pauschalisiert wird. Man muss im Einzelfall abwägen. Die Leute, die integriert werden wollen, müssen von denen getrennt werden, die es nicht wollen. Deutsche Sprache ist Grundvoraussetzung für Integration.

Zum Abschluss drei kurze Fragen. Münsterbesuch oder Kletterwald?

Unterfranz: Münsterbesuch.

Fischbrötchen oder Pommes?

Unterfranz: Fischbrötchen .

Komödie oder Horror?

Unterfranz: Komödie.

Interview von Anja Levien

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