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„Ich möchte gleiche Chancen für alle Menschen“

„Ich möchte gleiche Chancen für alle Menschen“

Susanne Krone ist Direktkandidatin für die Linke / Die 50-Jährige setzt sich für Menschen mit Handicap ein und möchte die kommunale Selbstverwaltung stärken

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Linke-Direktkandidatin Susanne Krone hält sich gerne im und am Kornhaus in Bad Doberan auf.

Quelle: Susanne Krone

Bad Doberan 43 621 Bürger sind diesen Sonntag im Wahlkreis 11 (Bad Doberan, Kröpelin, Kühlungsborn, Neubukow, Gemeinde Satow, Amt Bad Doberan-Land, Amt Neubukow-Salzhaff) aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Wir stellen bis dahin die acht Direktkandidaten in unserem Wahlkreis vor. Heute: Susanne Krone (Die Linke).

Zur Person

Susanne Krone sitzt seit 2014 für die Linken im Kreistag. Die 50-Jährige ist Wohnbereichsleiterin der Lebenshilfe Rostock und Mitglied im Landesverband der Lebenshilfe. Die Mutter eines Sohnes ist ehrenamtliche Richterin am Landessozialgericht. Mit ihrer Familie lebt sie Laage.

„Gleiche Chancen für alle“ steht auf ihrem Wahlplakat. Gleiche Chancen auf welchen Gebieten? Was wollen Sie angehen?

Susanne Krone: Ich arbeite seit 20 Jahren bei der Lebenshilfe und betreue Menschen mit geistiger Behinderung. Ich erlebe täglich, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es nicht möglich ist, dass alle Menschen gleiche Chancen haben. Es geht los bei dem Wunsch- und Wahlrecht, wenn es zum Beispiel um Wohnformen oder Freizeitangebote geht. Unter anderem haben es Menschen mit Handicap schwer, ihre Chancen zu nutzen. Das Problem ist, dass sie, um ihre berechtigten Ansprüche nutzen zu können, viele Anträge stellen müssen, die dann meistens abgeschmettert werden. Oft beginnt eine Odyssee: Widerspruch, Begründung und so weiter. Ich möchte, dass alle gleiche Chancen haben.

Das heißt, sie möchten die Bürokratie für Menschen mit Handicap abbauen?

Krone: Das ist ein Punkt. Die zuständigen Stellen sollen ihre Arbeit machen. Die Ämter haben ihren Spielraum, den sie gnadenlos ausnutzen und dann bewilligen sie erst einmal nicht. Zudem hebeln sich die Kostenträger gegenseitig aus. Wenn ich bestimmte Sachen habe, die über die Pflegeversicherung gehen sollen, sagt diese ,Nein, der oder die ist vollstationär untergebracht, das muss der Träger machen’. Der Träger bekommt aber Eingliederungshilfe. Das zuständige Amt sagt auch ,Nein’ und sieht das als Leistung der Pflegekasse. Und so geht das hin und her. Die Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, wie die Hartz-IV- oder die Sozialhilfeempfänger, die haben genau so einen Kampf. Ich möchte gleiche Chancen für alle, dass alle Mensch sein können, so leben können, wie sie möchten.

Sie wohnen in Laage, welchen Bezug haben Sie zum Wahlkreis 11?

Krone: Ich bin in Bützow geboren, dort zur Schule gegangen, mit 16 in die Lehre nach Güstrow, zum Studium nach Schwerin. Von 1996 bis 2013 habe ich in Bayern gelebt, im Sommer 2013 bin ich mit meinem Mann hierhergezogen, weil ich Heimweh hatte. Aus Kindheitstagen kenne ich Bad Doberan sehr gut. 2014 wurde ich in den Kreistag gewählt. Mit unserer Kreistagsfraktion bereisen wir den Landkreis, haben Fraktionssitzungen in Bad Doberan. Ich bin verbandelt mit dem Kornhaus, deshalb treffen wir uns hier. Ich habe die Region im Zuge meiner Kandidatur seit etwa einem Jahr gut kennengelernt.

Warum ist das Kornhaus ihr Lieblingsplatz?

Krone: Dieser historische Hintergrund, wo die Mönche über die Wege gegangen sind, der beeindruckt mich schon. Das Konzept, welches im Kornhaus gefahren wird, die vielen Vereine unter einem Dach, das schöne Café und die Kunstschule, das hat für die Bürger einen ganz großen Wert, aber auch für den Tourismus, der wichtig ist für die Region.

Sie haben Einrichtungen im Wahlkreis besucht, sind Kreistags-Mitglied. Was beschäftigt die Bürger?

Krone: Ich denke allgemein ist die Gemeindefusion in den Wahlkreisen ein großes Thema. Die Gemeinden fühlen sich verkauft, wenn man an die Hochzeitsprämie denkt. Ein großes Problem ist beim Ehrenamt zu sehen. Von der Seniorenbetreuung bis zu den Feuerwehren, das Leben an sich in den Dörfern ist ehrenamtlich. Jetzt kommt das Land und sagt, aus finanziellen Gründen wäre es ratsam, wenn ihr zu einer Großgemeinde fusioniert. Ruckzuck werden z. B. kleine Feuerwehren zugemacht. Das Leben geht verloren. Wir sprechen von der Stärkung des ländlichen Raums, machen das dadurch aber kaputt.

Die Kommunalverwaltung muss gestärkt werden. Pflichtaufgaben dürfen nicht durch das Ehrenamt kompensiert werden.

Sie sprechen das Ehrenamt an. Möchten Sie dieses weiter stärken?

Krone: Auf jeden Fall muss Ehrenamt Ehrenamt bleiben. Ein Ehrenamt muss gewertschätzt und honoriert werden. Da kann ich nicht eine Ehrenamtsstiftung ins Leben rufen, die über die Hälfte des Geldes an Verwaltung schluckt. Es ist notwendig, dass die Beantragung von Geldern fürs Ehrenamt einfacher gemacht wird. Es kann auch nicht sein, dass ich Geld bekomme und dann muss jede Büroklammer nachgewiesen werden.

Sie sitzen jetzt im Kreistag, wollen in den Landtag. Was kann man dort anderes bewirken?

Krone: Ich wünsche mir, dass das Land die Kommunen und Gemeinden unterstützt, indem sie ihnen mehr Verantwortung zutraut und gibt. Die kommunale Selbstverwaltung muss gestärkt werden, die Bürgernähe wieder eine größere Rolle spielen. Das ist Aufgabe des Landtages und der Landesregierung.

Was ist für Sie das Thema Nummer eins im Wahlkreis?

Krone: Mein Thema Nummer eins ist selbstbestimmte Behindertenpolitik, Inklusion, Pflege – das ist ganz klar der Branche geschuldet, aus der ich komme. Wenn aber Bürger auf mich zukommen mit Problemen, bei denen ich mich nicht so auskenne, dann hole ich mir die notwendigen Informationen.

Welche Themen wollen Sie noch angehen?

Krone: Die Erhaltung unserer künstlerischen Landschaft. Zum Beispiel hat das Land das Kornhaus super unterstützt beim Umbau und der Restaurierung. Aber es muss auch mit Leben gefüllt werden.

2015 war die Flüchtlingskrise Thema. Wie können Tausende Flüchtlinge im Land integriert werden?

Krone: Im Kreis haben wir etwa 3000 Flüchtlinge, das ist eine herausfordernde Geschichte. Wie wollen wir geflüchtete Menschen mit Anerkennung integrieren, wenn es kein Geld dafür gibt? Wollen wir das Ehrenamt weiter ausschöpfen und überfordern? Das Land sagt, wir müssen die Geflüchteten integrieren. Ja logisch, aber sobald sie eine Anerkennung haben, wird die Betreuung nicht mehr finanziert.

Kommt es dann eventuell zu Problemen zum Beispiel mit Nachbarn, fehlt der Ansprechpartner. Die professionelle Betreuung der Flüchtlinge muss finanziert werden, damit sie eine Chance haben, hier Fuß

zu fassen, hier integriert zu werden.

Seit wann sind Sie in der Politik und warum?

Krone: In der Politik bin ich ungefähr seit 2004. Mein Mann und ich haben in Bayern einen Kreisverband der Linken mit aufgebaut und seitdem bin ich richtig dabei. Es gab dort viele soziale Ungerechtigkeiten, deshalb bin ich in die Politik gegangen.

Zum Abschluss drei kurze Fragen. Grenzturm besichtigen oder Fahrradtour?

Krone: Fahrradtour.

Kaffee oder Tee?

Krone: Kaffee.

Puzzeln oder Kubb spielen?

Krone: Kubb spielen.

Interview von Anja Levien

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