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Konzept 2030: Nienhäger packen’s an

Konzept 2030: Nienhäger packen’s an

Arbeitsgruppe zur Ortsentwicklung stellt erste Ergebnisse vor / Wohnraum, Verkehr und Freizeitangebote im Fokus

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Wir wollen weiter absolut unpolitisch arbeiten – Parteigeklün- gel soll es nicht geben.“Erika Höfer, Vorsitzende Arbeitsgemeinschaft

Nienhagen Wohnraum für Senioren und Familien, Freizeitangebote für die Jugend, Aufwertung des Gespensterwaldes – mit Blick auf ein Entwicklungskonzept für das Ostseebad Nienhagen haben sich erste Schwerpunkte herausgebildet. Erika Höfer, Vorsitzende einer neunköpfigen Arbeitsgruppe, erläutert im OZ-Gespräch den aktuellen Stand.

Seit der öffentlichen Bürgerversammlung zur künftigen Entwicklung Nienhagens sind drei Monate vergangen . . .

Erika Höfer: Es entsteht manchmal der Eindruck, als wenn alles ein bisschen eingeschlafen ist. Aber die Arbeitsgemeinschaft hat seit Januar regelmäßig gearbeitet – auch, wenn es personelle Veränderungen gab. Aktuell haben die Teamleiter zu 80 Prozent den zweiten Schritt abgeschlossen, der sich mit der Frage beschäftigt: Wo steht Nienhagen jetzt?

Zu welchen Ergebnissen sind Sie bis hier gekommen?

Höfer: Für meinen Bereich, der sich mit der Bevölkerungsentwicklung und -struktur beschäftigt, hat sich herausgestellt, dass wir wieder mehr Einwohner im Alter bis 15 Jahre haben. Und Stand Februar 2016 leben im Ort mehr als 200 Senioren, die älter als 75 sind, mehr als 450 Menschen sind über 65 Jahre alt. Das nimmt rasant zu.

Woran machen Sie diese Zahlen fest?

Höfer: Zum einen zieht es Pensionäre aus ganz Deutschland dauerhaft in unser schönes Ostseebad, andererseits wird ja die Bevölkerung allgemein älter. Das heißt aber auch, dass die Bedarfe für Ältere wachsen.

Was wünschen sich denn Nienhagens Senioren?

Höfer: Da stehen betreutes Wohnen und altersgerechter Wohnraum ganz vorn. Aber auch die Gestaltung der Strandpromenade, genügend Grün im Ort, die Entwicklung der Radwege – vor allem an der Promenade – sowie eine Verbesserung der Parkplatz-Situation sind wichtige Themen. Dabei tut mir persönlich ein Fakt weh . . .

Nämlich?

Höfer: Bei unserem letzten Workshop vor einer Woche waren etwa 15 Teilnehmer dabei – und der Altersschnitt lag bei 60,65. Die jungen Leute sind offenbar zu sehr mit ihrem Beruf und dem Familienleben beschäftigt. Dabei würde ich mir wünschen, dass sie sich stärker einbringen – denn wir dürfen gerade die Familien nicht vergessen.

Wie meinen Sie das?

Höfer: Wir müssen aufpassen, dass die Interessen der älteren Einwohner nicht zu sehr in den Vordergrund rücken. Neben dem Ehbrauk wird jetzt ein neues Baugebiet angeschoben, wo Einfamilienhäuser entstehen. Damit kommen auch wieder mehr Kinder zu uns. Generell sollten wir die Angebote für junge Menschen kritisch hinterfragen.

Was heißt das konkret?

Höfer: Es ist ja kein Geheimnis, dass es in Nienhagen so gut wie keine Ausbildungsplätze gibt. Die Leute gehen für die Lehre oder das Studium nach Rostock oder noch viel weiter weg. Was aber positiv ist: Nach meiner Einschätzung kommen viele nach ein paar Jahren wieder zurück.

Wie wollen Sie diese Klientel im Ort halten?

Höfer: Grundsätzlich haben wir festgestellt, dass Nienhagen kein sozialer Brennpunkt ist. Hier kann man gut leben. Mit Blick auf das Kultur- und Freizeitangebot lässt sich sagen, dass wir eine ganz starke Jugendwehr haben, dazu kommen der Sport- und Fremdenverkehrsverein sowie der Seniorentreff. Und auch der Kulturverein bietet seit einigen Jahren regelmäßige Veranstaltungen an – da sind wir schon ganz gut aufgestellt. Und es gibt noch einen weiteren Wunsch . . .

Welchen?

Höfer: Eine Mehrzweck- und Sporthalle. Denn im Freizeitzentrum wird oft auch Tischtennis gespielt, dazu kommen Veranstaltungen für Kinder. Aber das Haus ist an sich schon sehr gut ausgelastet – und die Räumlichkeiten werden durch den Sport auch nicht besser.

Gibt es schon einen möglichen Standort?

Höfer: Wo es dafür freies Land geben könnte, ist noch gar nicht klar. Zunächst müsste ohnehin geprüft werden, ob dieses Vorhaben überhaupt realisiert werden kann.

Was ist den Nienhägern aus Ihrer Sicht noch wichtig?

Höfer: Grund-Tenor vieler Aussagen ist: Wir wollen hier im Ort keine Bevölkerungsexplosion. Auf 530 Hektar leben mehr als 2000 Einwohner – die Bevölkerungsdichte ist schon jetzt anderthalb Mal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. In Nienhagen wohnen 347 Menschen pro Quadratkilometer – im deutschen Schnitt sind es 231 Menschen.

Wie sollen die touristischen Anziehungspunkte künftig besser genutzt werden?

Höfer: Wir wollen den Gespensterwald aufwerten – hier wäre etwa ein Lehrwald vorstellbar. Es stehen zwar schon zwei Tafeln – aber da geht sicher noch mehr. Dazu sollen mehr Bänke kommen – gerade für ältere Leute ist der Weg vom Parkplatz neben dem Bauhof bis zum Strand schon sehr lang. Das alles geht aber nur in Zusammenarbeit mit der Forst.

Wann soll das Konzept zur Ortsentwicklung stehen?

Höfer: Es wird in den kommenden Wochen weitere öffentliche Workshops geben – denn wir wollen die Bürger gezielt mit einbinden. Ziel ist nach wie vor, das Projekt Ende dieses Jahres so gut wie abzuschließen. Eines ist mir aber noch wichtig: Wir wollen weiter absolut unpolitisch arbeiten – das ist unser Grundsatz. Parteigeklüngel soll es hier nicht geben.

Entwicklungskonzept für Nienhagen 2030

Ziel einer Arbeitsgruppe ist es , ein fundiertes, langfristiges und vor allem abgestimmtes Konzept für die langfristige Entwicklung des Ostseebades Nienhagen zu entwickeln – als Basis für weitere Pläne der Gemeinde sowie kurz- und mittelfristige Projekte.

Die Bürger sollen in gemeinsamen Workshops aktiv mitarbeiten, für September ist eine dritte Bürgerversammlung geplant, auf der ein erster Zwischenstand präsentiert werden soll. Ende 2016 soll das fertige Konzept schließlich stehen.

Interview von Lennart Plottke

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