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Sieben Kandidaten auf dem Prüfstand

Kühlungsborn Sieben Kandidaten auf dem Prüfstand

Wähler-Forum in der Pfarrscheune von Kühlungsborn fand große Resonanz / Kirche hatte eingeladen

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Die Pfarrscheune in Kühlungsborn war bis auf den letzten Platz, auf den ein Stuhl passt, gefüllt.

Kühlungsborn. Sieben Kandidaten, die bei der Landtagswahl am 4. September um das Direktmandat im Wahlkreis 11 – Altkreis Bad Doberan – konkurrieren, stellten sich vorgestern Abend in Kühlungsborns Pfarrscheune vor großem Publikum auf den Prüfstand: Stefanie Drese (SPD), Stephan Krauleidis (CDU), Peter Georgi (Die Linke), Christine Borgwald (Bündnis 90/Die Grünen), Hinrich Schütt (FDP), Steffen Reinicke (AfD), Horst Hagemeister (Einzelbewerber). Der achte Kandidat – Andreas Unterfranz (Hiddenseepartei – Achtsame Demokraten) – nahm an der Veranstaltung nicht teil. Auch nicht die erkrankte Susanne Krone (Linke). Für sie trat Peter Georgi an, der Direktkandidat im Nachbarwahlkreis 12.

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Wähler-Forum in der Pfarrscheune von Kühlungsborn fand große Resonanz / Kirche hatte eingeladen

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Eingeladen zum Wähler-Forum hatte die evangelische Kirchengemeinde. Mit einer großen Resonanz: Im Saal der Pfarrscheune, in dem eigentlich nur 70 bis 80 Menschen Platz finden, drängten sich etwa 130 am Geschehen Interessierte. Pastor Matthias Borchert, der Moderator, hatte für das Forum klare Regeln festgelegt und setzte sie charmant und höflich, aber konsequent durch. Jeder Kandidat hatte sieben Minuten Zeit, sich selbst und sein Programm vorzustellen. Dann folgte die Herausforderung für die Kandidaten, von der sie vorher nichts wussten: Aus der Fülle ihrer programmatischen Aussagen sollten sie – stark verdichtet – drei Prioritäten formulieren. Sie wurden, aufgeschrieben auf ein Plakat, für alle sichtbar an die Wand geheftet (siehe nebenstehender Beitrag). Danach konnte das Publikum den Kandidaten Fragen stellen, sie antworteten.

Wahlkampfatmosphäre – mit der Betonung auf Kampf – blitzte dabei selten auf. Etwa, als Günter Keerl vom CDU-Ortsvorstand Kühlungsborn, AfD-Mann Steffen Reinicke frontal anging. Er sprach Punkte aus dem AfD-Programm an: Parteien in Aufsichtsräten verbieten, GEZ abschaffen. „Läuft das dann nach dem Modell Erdogan?“, spitzte Keerl zu. „Wir sind gut damit beraten, auch die demokratischen Parteien in Entscheidungsgremien zu haben.“ „Wir bezahlen GEZ für zweit- und drittklassige Schauspieler, die auf dem Traumschiff fahren. Wir sind nicht gegen die GEZ an sich, aber deren Reduzierung auf den Bildungsauftrag der öffentlichen Rundfunkanstalten“, hielt Reinicke dagegen. Und spitzte seinerseits zu: „Innenminister de Maizière will jetzt die doppelte Staatsbürgerschaft für Terroristen.“

Oder als Stefanie Drese (SPD), die 2011 das Direktmandat holte, auf Frage eines Bürgers berichtete, was sie im Landtag für das Land und besonders den Wahlkreis erreicht hat. Und über Bemühungen sprach, der Verödung des ländlichen Raums entgegenzuwirken und von ersten Erfolgen beim Breitbandausbau berichtete. Da grätschte Einzelbewerber Horst Hagemeister (parteilos), ehrenamtlicher Bürgermeister von Börgerende-Rethwisch, geradezu hinein: „Das alles haben wir doch bisher verpennt. Da gibt es noch nichts“, hielt er dieser Erfolgsbilanz entgegen.

Unterschiede zwischen den Kandidaten wurden deutlich, als Moderator Borchert nach der Hürde fragte, die vor ein Volksbegehren gesetzt werden sollte. „Zwei Drittel der Bürger sollten das fordern“, setzte Krauleidis (CDU) die Latte hoch und erklärte: „Wir haben doch alle gesehen, wie der Brexit zustande kam.“ Andere Kandidaten legten die Latte niedriger. Drese (SPD) hält die Vorgabe der Landesverfassung – 25 Prozent – für sinnvoll. Reinicke (AfD), Georgi (Linke) und Hagemeister wollen die Hürde für die direkte Bürgerbeteiligung so niedrig wie möglich sehen, legten sich aber nicht fest. Das tat Borgwald (Grüne): „Fünf Prozent sind genug.“ Schütt (FDP) sah es differenziert: „Was passiert, wenn das Ergebnis eines Referendums – etwa durch eine populistisch formulierte Fragestellung – den Staatshaushalt belastet?“. Da war auch er nahe beim Brexit. Bestimmende politische Themen des Abends waren Bildung, die Entwicklung des ländlichen Raumes, innere Sicherheit und Wirtschaft.

Diese Prioritäten setzen die Kandidaten

STEPHAN KRAULEIDIS (CDU):

• Sicherheit – Polizeipräsenz erhöhen

• Wirtschaft – wetterunabhängige Angebote im Tourismus schaffen, saisonverlängernde Maßnahmen

• Ehrenamt stärken

STEFANIE DRESE (SPD):

• Bildung – gleiche Chancen für alle, Kita-Beiträge weiter senken

• Wirtschaft – Breitbandausbau weiter vorantreiben

• Sozialer Zusammenhalt – Rentenangleichung in Ost und West

PETER GEORGI (Die Linke):

• Stärkung der Jugend – mehr Demokratie für die Jugend

• Ländlicher Raum – 50 Millionen Euro pro Jahr für dessen Entwicklung

• Bildung – Stärkung der Schulen

CHRISTINE BORGWALD

(Bündnis 90/Die Grünen):

• Kultur – Vielfalt der Theater erhalten

• Bildung – bessere Angebote für Kinder und Jugendliche

• Ländlicher Raum – bessere Versorgung und Mobilitätsangebote für alle Altersgruppen

HINRICH SCHÜTT (FDP):

• Bildung – kostenlose frühkindliche Bildung

• innere Sicherheit – Entlastung der Polizei von Verwaltungsarbeit

• Bürokratieabbau – Verfallsdatum für Gesetze

STEFFEN REINICKE (AfD):

• direkte Demokratie – mehr Bürgerbeteiligung

• Asylchaos stoppen

• Sanktionen gegen Russland beenden

HORST HAGEMEISTER

(Einzelbewerber):

• Wirtschaft – Mittelstand stärken, Fachkräfte ausbilden und halten

• Bildung – kostenfreie Kitas und Horteinrichtungen

• Bewahrung der Selbstverwaltung der Kommunen

Lutz Werner

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