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Stadt will illegale Müllkippe kaufen

Bad Dobera Stadt will illegale Müllkippe kaufen

Alte Chemiefabrik: Stadtvertreter stimmen Erwerb des Grundstückes zu / Betonmauer soll Areal sichern

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Autoreifen, Sofateile, Müllsäcke, Behälter mit unbekanntem Inhalt – die illegale Müllkippe auf dem Gelände der alten Chemiefabrik in Walkenhagen wächst seit Jahren. Die Gebäude sind Ruinen, einiges ist einsturzgefährdet.

Quelle: Fotos: Anja Levien

Bad Dobera. n. Das Dach der ehemaligen Fabrikhalle der Chemischen Werke ist eingestürzt, die Außenwand droht umzustürzen, auf dem Grundstück im Gewerbegebiet Walkenhagen türmt sich der illegal abgelagerte Müll. Der Schandfleck von Bad Doberan könnte schon im nächsten Jahr verschwunden sein. Die Stadtvertreter haben auf ihrer Sitzung am Montagabend zugestimmt, das Grundstück zu erwerben und zu sanieren – unter bestimmten Voraussetzungen.

OZ-Bild

Alte Chemiefabrik: Stadtvertreter stimmen Erwerb des Grundstückes zu / Betonmauer soll Areal sichern

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Derzeit wird die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens geprüft. Das Grundstück der Chemischen Werke Doberan GmbH ist in Eigentum von Bridget Lotz, die die 20000 Quadratmeter Fläche geerbt hat und gesetzlich für die Sicherung und Müllbeseitigung zuständig ist. Sie stellte dieses Jahr einen Insolvenzantrag für die Chemischen Werke über das eigene Vermögen. Insolvenzverwalterin Ulrike Hoge-Peters prüft derzeit die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Für die Zukunft des Geländes gibt es nun zwei Möglichkeiten. „Wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wird, dann kann es zur Zwangsversteigerung kommen“, erläutert Stadtplanungsamtsleiter Norbert Sass. Lohnt sich ein Verfahren jedoch nicht, weil es „nichts zu holen gibt“, dann könne die Insolvenzverwalterin entscheiden, das Grundstück an jemanden zu geben, der Interesse daran hat. Hier kommt die Stadt Bad Doberan ins Spiel. Sie würde die Kosten für die bisherige Prüfung des Insolvenzverfahrens tragen, diese legt das Amtsgericht in Rostock fest, erläutert Sass. Die Stadt rechnet mit maximal 20000 Euro. Weitere Voraussetzung ist, dass das Land die Sanierung des Grundstücks zu 90 Prozent fördert. Dafür braucht es wiederum ein Gutachten, denn niemand weiß, wie viel die Müllbeseitigung wirklich kostet. Stadt und Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg gehen von einem Millionenbetrag aus.

Bis Ende November wird der Landkreis Rostock als zuständige Abfallbehörde das Grundstück mit einer massiven Betonmauer und einer Zaunanlage sichern, teilt Bürgermeister Thorsten Semrau mit. „Dann kann der Gutachter beauftragt und der Förderantrag vorbereitet werden. Im Frühjahr 2017 soll die Sanierung beginnen.“ Auf Nachfrage von Stadtvertreter Guido Lex antwortet Norbert Sass, dass es Kontakt zu den Eigentümern gebe und diese nicht bereit seien, das Grundstück für einen symbolischen Euro abzugeben.

Was mit dem Grundstück nach der Sanierung passiert, ist noch unklar. Einen Investor gebe es bisher noch nicht, sagt Norbert Sass. Einschränkungen für die Fläche, die als Gewerbegebiet ausgewiesen ist, gebe es auf einem Teilstück an der Randstraße. Hier sei der Lärmschutz zu beachten.

„Es ist gut, dass die Stadt sich kümmert“, sagt Marion Richter. Das Grundstücke in zentraler Lage sei zu schade, um es liegen zu lassen, so die Doberanerin. Die 54-Jährige wünscht sich ein Schwimmbad auf der Fläche. Auch Birgit Beutler sieht wenig Bedarf für mehr Gewerbe in Walkenhagen. Die 47-Jährige, die seit mehreren Jahren in Bad Doberan Urlaub macht, würde sich über mehr Freizeitangebote wie einen Abenteuerspielplatz oder eine Minigolfanlage freuen. „Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich da vorbeifahre. Der Schandfleck sollte auf jeden Fall beseitigt werden.“ Klaus Bergfelder fände es gut, wenn da etwas passiert. Doch auch für den 73-Jährigen aus Vorder Bollhagen gibt es ausreichend Geschäfte. „Die Fläche sollte eher für altersgerechtes Wohnen genutzt werden. Da ist, denke ich, Bedarf.“ Siegfried und Hella Kielmann wünschen sich einen Baumarkt oder ein Kaufhaus.

Land könnte Sanierung bis zu 90 Prozent fördern

90 Prozent – so hoch könnte die Förderung des Landes für die Sanierung des Grundstückes ausfallen. Nur die Gemeinde kann für die Revitalisierung gewerblicher Brachen Zuwendungen vom Land erhalten. Nach vorläufigen Schätzungen geht die Stadt davon aus, dass ihr Eigenanteil nicht über 200 000 Euro liegen wird.

Auf dem Areal der alten Chemiefabrik wurden bis Ende des Zweiten Weltkrieges Pflanzenschutzmittel aus Tabakresten hergestellt. 1974 wurde der volkseigene Betrieb Metallbearbeitung mit der IKS Schiffbau verschmolzen.

Anja Levien

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